Kurzsichtigkeit: Fast jeder zweite 25-Jährige betroffen
14.06.2026 - 08:34:00 | boerse-global.de
Die Zahlen steigen weltweit – und die Augenheilkunde reagiert mit neuen Technologien, präventiven Ansätzen und besseren OP-Verfahren.
Myopie: Warum immer mehr Kinder kurzsichtig werden
Die Kurzsichtigkeit beginnt meist im Grundschulalter. Um das zehnte Lebensjahr verzeichnet sie den stärksten Anstieg, erklärt Wolf Lagrèze von der Uniklinik Freiburg. Der Grund: Der Augapfel wächst zu stark in die Länge – begünstigt durch stundenlanges Starren auf Bildschirme und Bücher.
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Die Pandemie hat diesen Trend verschärft. Forschungsdaten aus China und Berichte der Weltgesundheitsorganisation zeigen: Lockdowns und vermehrtes Indoor-Verhalten haben die Augengesundheit junger Menschen zusätzlich belastet.
Neben der Myopie bleiben altersbedingte Erkrankungen ein großes Thema. Rund sechs Millionen Menschen in Deutschland leiden an der altersbedingten Makuladegeneration (AMD). Beim Glaukom (Grüner Star) sind etwa drei Prozent der über 40-Jährigen betroffen – bei den über 75-Jährigen steigt die Rate auf fast zehn Prozent. Experten empfehlen daher regelmäßige Kontrollen ab 40.
Robotik und Laser: Das ändert sich in der OP
Die Chirurgie wird präziser und schneller. In spezialisierten Kliniken, etwa in China, kommen zunehmend robotikgestützte Verfahren zum Einsatz. Das System SMILE pro verkürzt die Scan-Zeit bei Lasereingriffen auf unter zehn Sekunden pro Auge.
Neben Hornhautverfahren stehen heute verschiedene Techniken der Intraokular-Refraktionschirurgie (ICL) zur Verfügung. Auch bei Implantaten gibt es Fortschritte: ZEISS Medical Technology meldet klinische Erfolge mit der torischen Intraokularlinse AT LUCIA 721P. Sie korrigiert grauen Star und Astigmatismus – und soll voraussichtlich 2026 auf den Markt kommen.
Noch futuristischer klingt die Forschung am Occidental College: Wissenschaftler entwickeln Kontaktlinsen, die elektromagnetische Strahlung nutzen, um die Hornhaut ohne chirurgische Schnitte neu zu formen. Erste Versuche an isolierten Tieraugen laufen – die Technologie steckt aber noch in den Kinderschuhen.
Wimpernseren: Schönheit mit Nebenwirkungen
Der Markt für Wimpernseren boomt. Laut Grand View Research stieg das globale Volumen von 752 Millionen US-Dollar (2020) auf 898 Millionen US-Dollar (2023). Viele Produkte setzen auf Prostaglandin-Analoga – Wirkstoffe, die ursprünglich gegen Glaukom entwickelt wurden.
Doch die Nebenwirkungen sind heftig. Alexandra Bograd von den Pallas Kliniken warnt vor Bindehautreizungen, Lidreizungen und allergischen Reaktionen. Besonders kritisch: dauerhafte Pigmentveränderungen an Lidrändern und Iris. Prostaglandinfreie Alternativen pflegen zwar, bewirken aber kein messbares Wimpernwachstum.
Wer zahlt für die Brille? – Ein Ländervergleich
Die Finanzierung von Sehhilfen ist international höchst unterschiedlich. Spanien stockte sein Programm „Plan Veo“ für 2026 auf 70 Millionen Euro auf. Seit Ende 2025 erhielten über 325.000 Minderjährige Zuschüsse von bis zu 100 Euro für Brillen oder Kontaktlinsen. Die häufigsten Diagnosen: Astigmatismus (74 Prozent) und Myopie (54 Prozent).
In Deutschland haben Erwachsene seit dem Heil- und Hilfsmittelversorgungsgesetz (HHVG) von 2017 wieder Anspruch auf Kassen-Zuschüsse – unter bestimmten Voraussetzungen. Etwa bei einer Sehkraftänderung von mindestens 0,5 Dioptrien oder wenn der bestkorrigierte Visus auf beiden Augen maximal 0,3 beträgt. Auch bei extremer Kurz- oder Weitsichtigkeit (über 6 Dioptrien) oder Astigmatismus (über 4 Dioptrien) gibt es Festbeträge zwischen 10 und 113 Euro. Das Brillengestell bleibt grundsätzlich ausgeschlossen.
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Sicherheitswarnungen: Diese Medikamente sind betroffen
Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft informierte Mitte Juni 2026 über mehrere Sicherheitsrisiken. In Rote-Hand-Briefen warnte sie unter anderem vor PTFE-Partikeln in bestimmten Chargen des Medikaments Evrysdi. Für Ontozry wurde eine neue Überwachung der Leberfunktion wegen des Risikos schwerer Leberschäden eingeführt.
Weitere Warnungen betreffen tödliche Überdosierungen von Fosphenytoin bei Kindern unter fünf Jahren sowie Medikationsfehler bei Bendamustin aufgrund stark erhöhter Konzentration. Bei der Langzeittherapie von Adipositas mit Mysimba wird auf kardiovaskuläre Risiken hingewiesen – ein Therapieabbruch wird empfohlen, wenn nach einem Jahr weniger als fünf Prozent des Körpergewichts reduziert wurden. Zudem wurden Partikelverunreinigungen in Kontrastmitteln (Accupaque, Visipaque) und Verfärbungen beim Antikoagulans Arixtra gemeldet.
