Kurzsichtigkeit: Sehtraining und Karotten machen Myopie nicht rĂŒckgĂ€ngig
Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 09:42 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In sozialen Netzwerken kursieren regelmĂ€Ăig RatschlĂ€ge, nach denen sich Kurzsichtigkeit durch gezieltes Sehtraining, spezielle ErnĂ€hrung oder das Weglassen von Sehhilfen eigenstĂ€ndig abbauen lasse. So behauptete etwa ein Facebook-Nutzer, seine Dioptrienzahl durch das Nichttragen der Brille, tĂ€glichen Karottensalat und den Aufenthalt in der Sonne gesenkt zu haben.
Wissenschaftlich belegt sind solche Behauptungen jedoch nicht. Fachleute stellen klar: Eine einmal entstandene Kurzsichtigkeit, in der Medizin als Myopie bezeichnet, lĂ€sst sich nicht rĂŒckgĂ€ngig machen. Die zugrundeliegende strukturelle VerlĂ€ngerung des Augapfels gilt als irreversibel.
Anatomische Ursachen des Sehfehlers
Bei einer Myopie fokussiert das optische System des Auges einfallende Lichtstrahlen nicht exakt auf der Netzhaut, sondern davor, was entfernte Objekte unscharf erscheinen lĂ€sst. Nach Angaben des Berufsverbands der AugenĂ€rzte Deutschlands (BVA) misst ein ausgewachsenes Auge im Durchschnitt etwa 24 Millimeter. WĂ€chst der Augapfel wĂ€hrend des Wachstums â insbesondere im Kindesalter â zu stark in die LĂ€nge, entsteht der Brechungsfehler.
Wie die Ăsterreichische Ophthalmologische Gesellschaft (ĂOG) darlegt, wirken bei der Entstehung sowohl genetische als auch Umweltfaktoren zusammen. Lange Naharbeit an Bildschirmen steht mit einem erhöhten Risiko fĂŒr das Voranschreiten der Fehlsichtigkeit in Verbindung.
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DemgegenĂŒber deuten Studien darauf hin, dass mehr Tageslicht im Freien den Beginn einer Myopie verhindern oder zumindest verzögern kann. Hat sich das Auge jedoch bereits anatomisch gestreckt, bleibt dieser Zustand dauerhaft bestehen.
Schwankungen der Dioptrienzahl bei einzelnen Sehtests bedeuten dabei keineswegs eine Heilung. Fachleute weisen darauf hin, dass solche Differenzen auf die jeweilige Tagesform und verĂ€nderte Messbedingungen zurĂŒckzufĂŒhren sind.
Grenzen von Sehtraining und NahrungsergÀnzung
FĂŒr die Behauptung, dass AugenĂŒbungen das Sehvermögen bei Kurzsichtigkeit nachhaltig verbessern könnten, fehlen die wissenschaftlichen Grundlagen. Nach EinschĂ€tzung der AOK gibt es keine wissenschaftlichen Belege fĂŒr ein verbessertes Sehvermögen durch Augentraining.
Auch eine im Fachjournal Eye veröffentlichte Meta-Analyse chinesischer Forscher zeigt, dass Augentraining nur eine begrenzte bis keine Wirksamkeit besitzt. Demnach sind AugenĂŒbungen bei der Vorbeugung oder Begrenzung nur wenig effektiv und vermögen die LĂ€nge des Augapfels nicht zu verkĂŒrzen.
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Ebenso wenig fĂŒhrt eine Umstellung der ErnĂ€hrung zu einer umkehr des LĂ€ngenwachstums. Der Mythos, Karotten könnten eine Myopie heilen, hĂ€lt einer wissenschaftlichen ĂberprĂŒfung nicht stand.
Eine im Jahr 2025 im Fachblatt Nutrients veröffentlichte Studienauswertung belegt, dass Karotten, das darin enthaltene Beta-Carotin â welches der Körper in Vitamin A umwandelt â oder NahrungsergĂ€nzungsmittel die strukturelle VerĂ€nderung des Auges nicht rĂŒckgĂ€ngig machen können.
Was Korrekturmethoden tatsÀchlich leisten
Herkömmliche Sehhilfen wie Brillen und Kontaktlinsen setzen an den physikalischen Eigenschaften des Lichts an. Sie verÀndern die Brechkraft, um das Bild wieder scharf auf der Netzhaut abzubilden, greifen jedoch nicht in die physische Anatomie des Auges ein.
Auch ein chirurgischer Eingriff mittels Laseroperation verĂ€ndert lediglich die Brechkraft der Hornhaut, verkĂŒrzt den Augapfel selbst jedoch ebenfalls nicht. Die strukturelle VerĂ€nderung bleibt somit auch nach operativen Korrekturen unverĂ€ndert bestehen.
