La Palma: Vier 23-Meter-Spiegel suchen Gammastrahlung
Veröffentlicht am: 16.10.2026 um 06:43 Uhr | dpa, AD HOC NEWSLa Palmas Gamma-Teleskope im Testbetrieb
- Die vier Teleskope stehen auf dem Roque de los Muchachos in 2.200 Metern Höhe.
- Jeder Spiegel misst 23 Meter und besteht aus 198 sechseckigen Facetten.
- Das CTAO soll bis 2030 auf 64 Teleskope an zwei Standorten wachsen.
Vier Teleskope suchen kosmische Gammastrahlung
Auf der kanarischen Insel La Palma ist das aus vier Großteleskopen bestehende LST-Subarray offiziell eingeweiht worden. Die Anlage soll in 2.200 Metern Höhe hochenergetische Gammastrahlung aus fernen Galaxien untersuchen.
Ein Fehlalarm führte zur Entdeckung
Die Geschichte der kosmischen Gammastrahlung begann mit einem Zufallsfund. 1967 registrierten US-Satelliten, die nach Hinweisen auf verbotene Atomtests suchten, einen starken Gamma-Blitz, der nicht aus der Erdatmosphäre, sondern aus dem Weltall kam.
Direkt lässt sich diese Strahlung vom Erdboden aus nur schwer beobachten. Trifft sie auf die Atmosphäre, entsteht in großer Höhe ein Teilchenschauer aus Elektronen und Positronen.
Schwaches blaues Licht verrät den Schauer
Die Teilchen bewegen sich in der Luft schneller als das Licht dort. Dadurch entsteht ein schwaches blaues Leuchten, das nach seinem Entdecker Tscherenkow-Licht genannt wird. Die großen Spiegel fangen diese kurzen Lichtblitze auf.
Die vier Teleskope beobachten die Schauer aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Daraus können die Forscher Richtung und Energie der ursprünglichen Gammastrahlung bestimmen und ihre kosmischen Quellen untersuchen.
23-Meter-Spiegel mit 198 Facetten
Jedes Teleskop ist 23 Meter groß und besteht aus 198 identischen sechseckigen Spiegelfacetten. Das erste Instrument des Baukonzepts ging bereits 2018 in Betrieb und wies Gammastrahlung aus einer acht Milliarden Lichtjahre entfernten Galaxie nach.
Ausbau auf 64 Teleskope geplant
Das LST-Subarray ist der erste Teil des Cherenkov Telescope Array Observatory. Bis 2030 soll das Observatorium auf insgesamt 64 Teleskope wachsen und damit das weltweit größte und empfindlichste bodengebundene Observatorium für hochenergetische Gammastrahlung werden.
Ein zweiter Standort entsteht in der chilenischen Atacama-Wüste. Von dort aus können die Forscher auch das Zentrum der Milchstraße beobachten, in dem zahlreiche Neutronensterne und Schwarze Löcher Gammastrahlung aussenden.
Die vier Teleskope auf La Palma gehören zum Large-Sized-Telescope-Subarray des Cherenkov Telescope Array Observatory (CTAO). Sie erfassen nicht die Gammastrahlung direkt, sondern das kurzlebige Tscherenkow-Licht, das entsteht, wenn hochenergetische Teilchen aus einem atmosphärischen Teilchenschauer die Luft durchqueren.
Der Standort in 2.200 Metern Höhe bietet dafür besonders günstige Bedingungen: klare, dunkle Nächte und eine möglichst geringe Lichtverschmutzung verbessern die Chancen, die schwachen Lichtblitze vom Erdboden aus zu registrieren. Die Auswertung mehrerer Teleskope erlaubt eine präzisere Rekonstruktion von Richtung und Energie der ursprünglichen Gammastrahlung.
Ein Baustein für das künftige Observatorium
Das LST-Subarray ist als Teil eines größeren Netzes angelegt. Zusammen mit dem geplanten Standort in der chilenischen Atacama-Wüste soll das CTAO unterschiedliche Himmelsregionen beobachten können. Das ist für die Untersuchung von Quellen außerhalb der Milchstraße ebenso relevant wie für das galaktische Zentrum, das von La Palma aus nur eingeschränkt sichtbar ist.
Die wissenschaftliche Bedeutung liegt vor allem in der Verbindung von Empfindlichkeit und räumlicher Genauigkeit. Beobachtungen aktiver Galaxien, von Neutronensternen und anderer extremer Objekte können helfen, die Entstehung kosmischer Teilchenstrahlung besser zu verstehen. Zugleich bleibt die geplante Erweiterung des Observatoriums auf insgesamt 64 Teleskope der entscheidende nächste Schritt, um die angekündigte Leistungsfähigkeit des Gesamtprojekts zu erreichen.
