LADA-Therapie: Warum Sulfonylharnstoffe kontraindiziert sind
Veröffentlicht am: 18.10.2026 um 11:18 Uhr | Redaktion boerse-global.deWenn eine medikamentöse Therapie in Tablettenform bei vermeintlichem Typ-2-Diabetes nicht zu einer ausreichenden Blutzuckerkontrolle führt, unerwarteter Gewichtsverlust eintritt oder Begleiterkrankungen wie Autoimmunthyreoiditis oder Zöliakie vorliegen, sollte eine Überprüfung auf LADA erfolgen.
Auf diesen diagnostischen Schritt wies die Endokrinologin Julia Atamanova vom KDC NKZ Nr. 2 am RNCH im. Petrowski in Äußerungen gegenüber Gazeta.Ru hin. Hinter dem Kürzel LADA steht ein langsam fortschreitender autoimmuner Diabetes bei Erwachsenen, der sich meist nach dem 30. Lebensjahr manifestiert und im Anfangsstadium häufig als klassischer Typ-2-Diabetes verkannt wird.
Diagnostische Marker und die Rolle des C-Peptids
Zur differenzialdiagnostischen Abgrenzung hebt Atamanova zwei Laborparameter hervor: die Bestimmung spezifischer Antikörper sowie die Analyse des C-Peptids. Zwar können Antikörper bei LADA-Patienten in bestimmten Phasen auch im Normalbereich liegen, doch liefert das C-Peptid entscheidende Einblicke in die endogene Insulinproduktion des Körpers. Während dieser Wert bei einem klassischen Typ-1-Diabetes rasch abfällt, sinkt er bei LADA langsamer.
Im Gegensatz dazu ist das C-Peptid bei einem Typ-2-Diabetes infolge einer Insulinresistenz häufig normal oder erhöht. Ein erhöhter C-Peptid-Wert macht das Vorliegen von LADA bei Erwachsenendiabetes eher unwahrscheinlich. Dennoch reicht das C-Peptid als Einzelparameter für eine gesicherte Diagnose nicht aus.
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Eine wissenschaftliche Untersuchung aus dem Jahr 2024 verdeutlichte in diesem Zusammenhang, dass die Kombination aus einem niedrigen C-Peptid und hohen GADA-Werten auf Patienten hinweist, bei denen ein Fortschreiten zur Insulinabhängigkeit besonders wahrscheinlich ist.
Therapeutische Weichenstellungen und Kontraindikationen
Die exakte Differenzierung hat direkte Konsequenzen für die Wahl der Medikamente. Zeigt sich das C-Peptid im Normbereich, ist laut Atamanova eine orale medikamentöse Behandlung vorübergehend möglich, beschränkt sich jedoch auf frühe Krankheitsstadien. Ist der C-Peptid-Spiegel hingegen bereits niedrig, ist die sofortige Einleitung einer Insulintherapie angezeigt.
Bei der medikamentösen Steuerung ist besondere Vorsicht geboten: Der Einsatz von Sulfonylharnstoffen gilt bei LADA als kontraindiziert. Stattdessen wird eine frühe Insulintherapie empfohlen, um den fortschreitenden Funktionsverlust der insulinproduzierenden Zellen abzufedern. Bei initial normalem C-Peptid kann die Behandlung zwar zeitweise mit Tabletten beginnen, mündet im weiteren Verlauf jedoch in der Regel ebenfalls in eine Insulinbehandlung.
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Einordnung im Klassifikationssystem und epidemiologische Daten
In der medizinischen Systematik unterscheidet die Fachwelt vier Hauptgruppen: Typ 1, Typ 2 – der etwa 90 bis 95 Prozent aller Diabetesfälle ausmacht und meist nach dem 30. Lebensjahr auftritt –, Schwangerschaftsdiabetes sowie spezifische Formen, zu denen auch LADA zählt.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stufte LADA im Jahr 2019 offiziell als eigenständigen hybriden Typ ein. Die American Diabetes Association (ADA) wiederum beschreibt das Krankheitsbild als eine langsam progrediente Variante des Typ-1-Diabetes.
Weltweite Daten beziffern den Anteil von LADA auf 2 bis 12 Prozent aller Diabeteserkrankungen. Unter den neu diagnostizierten Erwachsenen liegt die Quote bei rund 5 Prozent. Bei Patienten, bei denen ursprünglich ein Typ-2-Diabetes diagnostiziert worden war, bewegen sich die LADA-Anteile zwischen 4 und 14 Prozent.
In Russland sind schätzungsweise 5,8 Millionen Diabetesfälle erfasst; auf andere Formen abseits der Haupttypen, zu denen auch LADA gehört, entfallen dort 2,4 Prozent der Registrierungen.
