Lancet-Roadmap: Fünf Handlungsfelder sollen Kunst in die Versorgung bringen
Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 00:33 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die gezielte Verknüpfung von Kunst und medizinischer Versorgung gewinnt in der gesundheitspolitischen Debatte an Bedeutung. Zwei Fachaufsätze in der medizinischen Fachzeitschrift The Lancet fordern in Form einer strategischen Roadmap, kulturelle Teilhabe verbindlich in bestehende Gesundheitssysteme einzugliedern.
Die von Forschenden des Trinity College Dublin mitverfasste Initiative stuft kreatives und kulturelles Engagement als eigenständiges, gesundheitsförderndes Verhalten ein. Die Vorstellung dieses Konzepts erfolgte am Rande der Generalversammlung der Vereinten Nationen sowie im Rahmen des Festivals Healing Arts in New York.
Kernpunkte der Lancet-Roadmap
Die Verfasser der Roadmap plädieren für einen strukturellen Wandel in der gesundheitlichen Betreuung und Prävention. Das Papier definiert dafür zentrale Handlungsfelder:
- Chancengleichheit: Es soll ein gleichberechtigter Zugang zu kulturellen Angeboten für alle Bevölkerungsgruppen gewährleistet werden.
- Prävention: Kulturelle Teilhabe soll systematisch in bevölkerungsbezogene Maßnahmen der Gesundheitsvorsorge integriert werden.
- Kommunale Strukturen: Der Ausbau wohnortnaher und kommunaler Versorgungsnetzwerke soll gestärkt werden.
- Klinische Versorgung: Evidenzbasierte künstlerische Interventionen sollen feste Bestandteile der klinischen Behandlung werden.
- Finanzierung: Die Autoren fordern dauerhafte, sektorübergreifende Investitionen von öffentlicher und privater Seite.
Mitautor Agustín Ibáñez vom Global Brain Health Institute hob in diesem Zusammenhang hervor, dass jede praktische Implementierung zwingend kulturell verankert und an lokale Rahmenbedingungen angepasst sein müsse.
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Bedeutung für Geriatrie und kognitive Gesundheit
Besondere Relevanz besitzen gestalterische Ansätze in der Betreuung älterer und kognitiv eingeschränkter Menschen, da Demenz als häufigste Ursache von Pflegebedürftigkeit gilt.
Dass kreative Formate im Pflegealltag bereits praktische Anwendung finden, verdeutlichten etwa Aktionen am Weltalzheimertag am 21. September 2026 in den Caritas-Pflegewohnhäusern im Raum St. Veit unter dem Leitgedanken, dass Erinnern dem Vergessen vorbeuge.
Im Haus Anna in Eberstein bemalten Bewohner Pappmaché-Sparschweine unter Anleitung von Fachsozialbetreuer Dominik Zwatz mit Acrylfarben. Im Friesacher St. Hemma Haus gestalteten Bewohner unter Leitung der Fachsozialbetreuerin Silvia Robitsch Herbstgestecke aus Naturmaterialien, während im Haus Suavitas Produkte aus dem hauseigenen Kräutergarten verarbeitet wurden.
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Kulturelle Gestaltung im klinischen Alltag
Auch Krankenhäuser binden gestalterische Aspekte vermehrt in ihr Umfeld ein. An der Geriatrischen Tagesklinik des St. Elisabeth-Hospitals Beckum überließ die Patientin Gertrud Baucke der Einrichtung mehrere Gemälde ihrer verstorbenen Freundin Gerda Hövekamp. Beide engagierten sich über lange Zeit im Kunstverein Oelde; die Werke sollen künftig die Räumlichkeiten der Tagesklinik aufwerten.
Parallel dazu etablieren sich spezialisierte kunsttherapeutische Angebote. So richtet Silke Widenka, die an der Alanus Hochschule Kunsttherapie und Sozialkunst studierte und in einer psychiatrischen Tagesklinik arbeitet, in ihrem Atelier in den Solinger Güterhallen am 24. September 2026 eine kostenfreie Mitmachaktion zum fünften European Day of Art Therapy aus. Initiativen wie diese unterstreichen die Bestrebungen, kreative Prozesse systematisch für Prävention und Therapie nutzbar zu machen.
