Langlebigkeit, Jahren

Langlebigkeit: 117-Jährige hatte biologisches Alter von 94 Jahren

Veröffentlicht: 03.07.2026 um 20:56 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Neue Forschung belegt: Darmbakterien beeinflussen Stressresistenz und Immunalterung über Generationen hinweg.

Mikrobiom-Studien: Generationenübergreifender Schutz vor Stress
Mikroskopische Ansicht von Darmbakterien, die subtil leuchten, umgeben von einem Netzwerk neuronaler Pfade, das die Darm-Hirn-Achse symbolisiert. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Drei neue Studien aus dem Juli 2026 zeigen: Unser Mikrobiom prägt nicht nur die Gesundheit, sondern wird auch über Generationen weitergegeben.

Umweltbakterien schützen vor Stress – über Generationen hinweg

Forscher aus Ulm und Frankfurt wiesen in Molecular Psychiatry nach, dass bestimmte Umweltbakterien einen generationsübergreifenden Schutz gegen Stressfolgen bieten. In einem Mausmodell zeigte sich: Nachkommen von Muttertieren, die mit einem spezifischen Bakterium behandelt wurden, wiesen eine höhere Stressresistenz auf – obwohl sie selbst nie direkten Kontakt mit dem Bakterium hatten.

Die Wissenschaftler betonen: Die Nachkommen verfügten über ein verändertes Darmmikrobiom, das sie vor negativen Stressauswirkungen schützte. Mikrobielle Einflüsse der Elterngeneration können demnach die physiologische Stressantwort der folgenden Generation nachhaltig prägen.

Psychischer Stress beschleunigt die Immunalterung

Eine Studie in Cell Stem Cell vom 2. Juli untersuchte den Mechanismus, wie psychischer Stress die Alterung des Immunsystems vorantreibt. Stress reduziert demnach die Präsenz von Lactobacillus reuteri und die Konzentration von Spermidin im Darm.

Die Folge: Blutstammzellen werden beeinträchtigt, die Produktion von Lymphozyten sinkt. Beteiligt sind spezifische Gehirnregionen wie der mediale präfrontale Kortex und das periaquäduktale Grau. Die Studie verdeutlicht den engen Zusammenhang zwischen mentaler Belastung und der über das Mikrobiom gesteuerten Immunfunktion.

Was wir von einer 117-Jährigen lernen können

Die Analyse des Mikrobioms von Maria Branyas Morera, die mit 117 Jahren verstarb, liefert konkrete Anhaltspunkte für den Zusammenhang zwischen Darmbakterien und Langlebigkeit. In Cell Reports Medicine berichten Forscher: Ihr biologisches Alter lag schätzungsweise 17 bis 23 Jahre unter ihrem chronologischen Alter.

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Auffällig war eine fünffach höhere Konzentration an Bifidobakterien und ein niedriger Anteil an Clostridium-Bakterien. Als prägende Faktoren gelten eine mediterrane Diät und der tägliche Konsum von drei Portionen Joghurt.

Experten warnen jedoch vor einem allgemeinen Rückgang der Mikrobiom-Vielfalt in industrialisierten Gesellschaften. Pestizide, Antibiotika und industriell verarbeitete Lebensmittel stehen im Zusammenhang mit der Zunahme von Asthma, Multipler Sklerose und Diabetes.

Küsse übertragen mehr als Zuneigung

Auch das soziale Umfeld prägt das Mikrobiom. Eine Studie der Universität Trient vom 1. Juli zeigt: Zusammenlebende Paare teilen signifikante Teile ihres Mikrobioms – im Median etwa 44 Prozent des Mundmikrobioms und 19 Prozent des Darmmikrobioms. Der Austausch erfolgt unter anderem durch Küsse. Interessant: Dabei werden auch Mikroben übertragen, die mit Stressresistenz oder Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes assoziiert sind.

Evolutionäre Analysen in Nature ergänzen dieses Bild. Darmbakterien bestehen aus verschiedenen evolutionär differenzierten Gruppen. Besonders konkurrenzstarke Linien verbreiten sich innerhalb weniger Jahrzehnte global. Bestimmte Populationen werden mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, Darmkrebs und Typ-2-Diabetes in Verbindung gebracht.

Ein Beispiel: Das Bakterium Segatella copri. In Cell Host & Microbe beschreiben Forscher, dass bestimmte Stämme durch horizontalen Gentransfer eine deutlich höhere Sauerstofftoleranz entwickelt haben. Diese Stämme treten vorwiegend in industrialisierten Ländern auf – ein Beleg für die schnelle evolutionäre Anpassung des Mikrobioms an moderne Umweltbedingungen.

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Millionen für die Mikrobiom-Forschung

Die Relevanz dieser Erkenntnisse spiegelt sich in der Forschungsförderung wider. Das BMBF unterstützt das Projekt PerMiCCion mit vier Millionen Euro – es befasst sich mit onkogenen Mustern im Mikrobiom. Parallel dazu leitet die Frankfurter Universitätsmedizin eine EU-geförderte internationale Studie mit 15 Millionen Euro. Sie untersucht den Einsatz von Bakteriophagen und Stuhltransplantationen zur Behandlung wiederkehrender Harnwegsinfektionen. Beteiligt sind 16 Partner aus acht Ländern.

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