Langlebigkeit, CD4-Zellen

Langlebigkeit: CD4-Zellen bei Supercentenarians 4× häufiger vertreten

Veröffentlicht am: 27.08.2026 um 18:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine Osaka-Studie findet mehr zytotoxische T-Zellen bei über 110-Jährigen, belegt jedoch weder Schutz vor Krebs noch längeres Leben.

University of Osaka entdeckt Immunmerkmal bei Supercentenarians
Ein optisches Mikroskop in einem sterilen, modernen Forschungslabor für biologische Studien. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Menschen, die 110 Jahre oder älter werden, sogenannte Supercentenarians, weisen eine auffällige Besonderheit in ihrem Immunsystem auf: Eine bestimmte Gruppe von Immunzellen ist bei ihnen deutlich häufiger vertreten als bei jüngeren Senioren. Das zeigt eine Studie der University of Osaka, die im August 2026 in der Fachzeitschrift Cell Reports veröffentlicht wurde und neue Einblicke in die biologischen Mechanismen extremer Langlebigkeit liefert.

Auffällige Häufung zytotoxischer T-Zellen

Im Zentrum der Untersuchung stehen sogenannte CD4-zytotoxische T-Zellen. Diese Immunzellen können, anders als klassische CD4-Helferzellen, andere Zellen direkt angreifen und abtöten.

Die Forscher der University of Osaka fanden heraus, dass der Anteil dieser Zellen mit dem Alter der Studienteilnehmer kontinuierlich zunimmt: Bei 70- bis 99-Jährigen lag der mediane Anteil bei 4 Prozent, bei 100- bis 109-Jährigen bei 9,6 Prozent und bei den über 110-Jährigen bei 17,6 Prozent. Die Studie umfasste insgesamt 28 Teilnehmer.

Diese Zunahme ist bemerkenswert, weil sie einen klaren Trend über drei Altersgruppen hinweg zeigt – von hochbetagten Senioren über Centenarians bis hin zu den seltenen Supercentenarians, die nur einen sehr kleinen Teil der Bevölkerung ausmachen.

Klonale Expansion und fehlende Erschöpfung

Ein weiterer zentraler Befund betrifft die sogenannte klonale Expansion der CD4-zytotoxischen T-Zellen. Bei den untersuchten Supercentenarians machte der jeweils größte Zellklon im Durchschnitt 33,3 Prozent aller CD4-CTLs aus. Bei einem der Teilnehmer erreichte dieser Anteil sogar 53,8 Prozent – ein Hinweis darauf, dass sich einzelne Zelllinien im Körper der Hochbetagten besonders stark vermehrt haben.

Anzeige

Wer sich mit den biologischen Mechanismen der Langlebigkeit befasst, sollte auch die körperliche Fitness nicht vernachlässigen. Dieser kostenlose Report eines Orthopädie-Experten zeigt einen überraschend einfachen Weg, um bis ins hohe Alter kraftvoll und mobil zu bleiben. Wissenschaftliche Erkenntnisse für mehr Kraft im Alter entdecken

Trotz dieser massiven Vermehrung zeigten die Zellen laut den Forschern keine Anzeichen von Erschöpfung, wie sie bei Immunzellen nach langanhaltender Aktivität sonst häufig auftritt. Dieser Befund unterscheidet die Zellen der Supercentenarians von Mustern, die man etwa bei chronischen Infektionen oder im Rahmen des altersbedingten Immunverfalls beobachtet.

Parallelen zu Tumorzellen – ohne Krebsdiagnose

Besonders bemerkenswert ist eine Beobachtung zu den Rezeptor-Sequenzen der untersuchten Zellen: Sie ähneln denjenigen, die auch bei Tumor-assoziierten Immunzellen vorkommen, etwa im Zusammenhang mit Lungenkrebs. Dennoch hatte keiner der Studienteilnehmer eine Krebsdiagnose.

Die Forscher deuten dies als möglichen Hinweis darauf, dass ähnliche zelluläre Mechanismen, die im Krebskontext beschrieben werden, im Körper von Supercentenarians auch ohne maligne Erkrankung aktiv sein könnten.

Anzeige

Neben der zellulären Gesundheit spielt die Aufrechterhaltung der geistigen Leistungsfähigkeit eine entscheidende Rolle für ein langes, selbstbestimmtes Leben. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Ratgeber, welche 11 Alltagsübungen Ihr Gehirn fit halten und zur Demenzvorbeugung beitragen können. Kostenlosen Ratgeber für geistige Fitness anfordern

Kein Beweis für Kausalität

Trotz der auffälligen Zusammenhänge betonen die Autoren der Studie ausdrücklich, dass sich aus ihren Daten kein kausaler Zusammenhang zwischen dem hohen Anteil der CD4-zytotoxischen T-Zellen und einem längeren Leben oder einem Schutz vor Krebs ableiten lässt. Die Beobachtungen zeigen lediglich eine Korrelation innerhalb einer sehr kleinen Stichprobe von 28 Personen.

Für die Alternsforschung liefert die Arbeit dennoch einen relevanten Ansatzpunkt: Sie legt nahe, dass das Immunsystem von Menschen, die extrem hohe Lebensalter erreichen, sich nicht einfach nur langsamer abbaut, sondern strukturell anders zusammengesetzt sein könnte als das jüngerer Senioren.

Ob und wie sich diese Erkenntnisse künftig für die Erforschung von Langlebigkeit oder Krebsprävention nutzen lassen, bleibt Gegenstand weiterer Untersuchungen.

Disclaimer...

de | wissenschaft | 70009730 |