Langstreckenflug: Über 16 Stunden steigt das Thromboserisiko fast aufs Vierfache
Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 11:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Einsatz von Kompressionsstrümpfen gilt in der Gefäßmedizin als etabliertes Verfahren zur Behandlung und Prävention verschiedener Beschwerden. Experten betonen jedoch, dass der Nutzen stark von der individuellen Indikation und der korrekten Anwendung abhängt. Aktuelle medizinische Einschätzungen präzisieren, in welchen Fällen die elastischen Textilien medizinisch sinnvoll sind und wo die Grenzen ihrer Wirksamkeit liegen.
Therapeutische Relevanz bei Venenleiden und Ödemen
Laut Christiane Tiefenbacher von der Deutschen Herzstiftung erweisen sich Kompressionsstrümpfe insbesondere bei klinischen Befunden wie Krampfadern oder einer ausgeprägten Venenschwäche als vorteilhaft. Auch bei geschwollenen Beinen sowie bei Belastungen durch langes Stehen oder während Reisen sei die Anwendung ratsam. Ziel der Kompression ist es, Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe zu mindern und bestehende Schwellungen zu reduzieren.
Dabei ist die Wahl des Druckgrads entscheidend für den Behandlungserfolg. Tiefenbacher weist darauf hin, dass bei gesunden Beinen bereits ein leichter Druck, entsprechend der Kompressionsklasse I, ausreichend sei.
Ein weitverbreiteter Irrtum betrifft die Wirkung auf das Herz-Kreislauf-System: Eine Senkung des Blutdrucks oder eine präventive Wirkung gegen Bluthochdruck durch das Tragen von Kompressionsstrümpfen ist nach Angaben der Kardiologin nicht belegt.
Zudem wird vor den Risiken einer fehlerhaften Anwendung gewarnt. Schlecht sitzende Strümpfe könnten demnach Hautreizungen und schmerzhafte Druckstellen verursachen.
Risikofaktoren und statistische Erhebungen bei Fernreisen
Ein wesentliches Einsatzgebiet für Kompressionstherapie ist die Reisemedizin. Das Centrum für Reisemedizin weist darauf hin, dass bei ununterbrochenem Sitzen von mehr als vier Stunden in Flugzeugen, Zügen, Bussen oder Autos das Risiko einer venösen Thromboembolie (VTE) besteht. Kompressionsstrümpfe werden in diesem Kontext jedoch nur bei einem individuell erhöhten Risiko und unter der Bedingung eines korrekten Sitzes empfohlen.
Ab vier Stunden ununterbrochenem Sitzen kann eine venöse Thromboembolie auftreten — bei Flügen über 16 Stunden steigt das Risiko laut Auswertungen fast auf das Vierfache. Unser kostenloser Guide zeigt Ihnen Schritt für Schritt, wie Sie vor, während und nach der Reise vorbeugen: von der Aktivierung der Wadenmuskelpumpe über Flüssigkeitszufuhr bis zur Frage, wann Kompressionsstrümpfe sinnvoll sind. Thrombose-Prävention: kostenlosen Guide anfordern
Statistische Auswertungen, auf die das Centrum für Reisemedizin verweist, verdeutlichen das Gefahrenpotenzial: Demnach tritt eine symptomatische Reisethrombose bei etwa einem von 4.656 Flügen auf. Bezogen auf die Gesamtzahl der Reisenden werden 215 VTE-Fälle pro einer Million Reisender registriert.
Besonders kritisch werden Langstreckenflüge bewertet. Bei einer Flugdauer von über 16 Stunden steige das Risiko fast um das Vierfache an. Dabei ist zu beachten, dass thrombotische Ereignisse noch bis zu acht Wochen nach der eigentlichen Reise auftreten können.
Als Risikogruppen gelten Personen mit einer vorangegangenen venösen Thromboembolie, Patientinnen und Patienten mit einer aktiven Krebserkrankung sowie Menschen mit schwerer Adipositas. Die Gabe von Gerinnungshemmern sollte laut den Experten ausschließlich nach einer ärztlichen Einzelfallentscheidung erfolgen.
Empfehlungen zur Aktivierung der Venentätigkeit
Neben mechanischen Hilfsmitteln wie Strümpfen spielen Verhaltensregeln eine zentrale Rolle in der Prävention. Das Centrum für Reisemedizin verweist hierbei auf die S3-Leitlinie, die spezifische Maßnahmen zur Aktivierung der sogenannten Wadenmuskelpumpe empfiehlt. Dazu gehört insbesondere das regelmäßige Wippen mit den Füßen während längerer Sitzphasen.
Kompressionsstrümpfe gelten als etabliert — doch der Nutzen hängt von der individuellen Indikation und dem korrekten Sitz ab. Schlecht sitzende Strümpfe können Hautreizungen und Druckstellen verursachen. Unser kostenloser Guide erklärt, bei welchen Befunden Kompression sinnvoll ist, welcher Druck bei gesunden Beinen ausreicht und welche Maßnahmen die S3-Leitlinie zusätzlich empfiehlt. Kompressions-Guide jetzt anfordern
Zusätzlich raten Fachleute zu einer ausreichenden Flüssigkeitszufuhr und dem Tragen lockerer Kleidung, um den Blutfluss nicht einzuschränken. Der Konsum von Alkohol sollte während langer Reisen gemieden werden, um das Thromboserisiko nicht zusätzlich zu erhöhen.
Diese Maßnahmen dienen dazu, die natürliche Pumpfunktion der Muskulatur zu unterstützen und den venösen Rückstrom des Blutes zum Herzen zu erleichtern, auch wenn keine Kompressionsstrümpfe getragen werden.
