Lauteste Vögel, Vogelrufe

Lauteste Vögel: Zwei Arten rufen mit mehr als 120 Dezibel

Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 15:06 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Neue Messungen aus Brasilien rücken den Nacktkehl-Glockenvogel und den Rotfußseriema in die Spitzengruppe der lautesten Vögel. Ihre Rufe überschritten 120 Dezibel – warum manche Arten so extrem laut kommunizieren, bleibt offen.

  • Der Nacktkehl-Glockenvogel stößt metallische Schreie aus. - Bild: João Menezes/University of Massachusetts Amherst/dpa
    Der Nacktkehl-Glockenvogel stößt metallische Schreie aus. - Bild: João Menezes/University of Massachusetts Amherst/dpa
  • Der Ruf des Rotfußseriema wird als lautes Jaulen beschrieben. - Bild: João Menezes/EurekAlert/dpa
    Der Ruf des Rotfußseriema wird als lautes Jaulen beschrieben. - Bild: João Menezes/EurekAlert/dpa
  • Die Forscher untersuchten die Rufe von Vögeln im Amazonasgebiet. (Archivbild) - Bild: Larissa Schwedes/dpa
    Die Forscher untersuchten die Rufe von Vögeln im Amazonasgebiet. (Archivbild) - Bild: Larissa Schwedes/dpa
Der Nacktkehl-Glockenvogel stößt metallische Schreie aus. - Bild: João Menezes/University of Massachusetts Amherst/dpa Der Ruf des Rotfußseriema wird als lautes Jaulen beschrieben. - Bild: João Menezes/EurekAlert/dpa Die Forscher untersuchten die Rufe von Vögeln im Amazonasgebiet. (Archivbild) - Bild: Larissa Schwedes/dpa

Der Nacktkehl-Glockenvogel und der Rotfußseriema gehören einer Studie zufolge zu den lautesten Vögeln der Welt.

Rufe lauter als Presslufthammer

Bei Messungen in Brasilien erreichten die Rufe der beiden Arten mehr als 120 Dezibel. Damit waren sie lauter als eine laufende Kettensäge oder ein Presslufthammer. Der Nacktkehl-Glockenvogel (Procnias nudicollis) stößt metallische Schreie aus; der Ruf des Rotfußseriema (Cariama cristata) wird als lautes Jaulen beschrieben.

Mit weiteren Analysen könnten beide Arten dem Weißkehl-Glockenvogel Konkurrenz machen, der bislang als lautester Vogel gilt.

123 Arten untersucht

US-Forscher der University of Massachusetts in Amherst untersuchten insgesamt 123 Vogelarten in ihrem Bundesstaat und in Brasilien. Bei 113 Arten wurde der Schallpegel nach Angaben der Wissenschaftler erstmals erfasst.

Zwischen den Arten lagen die Werte um bis zu 58 Dezibel auseinander. Ein Kolibri kam auf 64 Dezibel – ungefähr die Lautstärke eines normalen Gesprächs. Die Ergebnisse veröffentlichten die Forscher im Fachmagazin «Evolution».

Messung mit Laser und Schallpegelmesser

Co-Autor Jeff Podos hatte den Weißkehl-Glockenvogel (Procnias albus) bereits 2019 im Fachjournal «Current Biology» zum lautesten Vogel der Welt erklärt. Der Wert von gut 125 Dezibel sei später vom Guinnessbuch der Rekorde bestätigt worden.

Weil Vogelrufe schwer zu messen sind, liegen aus der Vergangenheit nur wenige Daten vor. Podos und Co-Autor João Menezes nutzten für die aktuelle Studie speziell für Golfer entwickelte Laser-Entfernungsmesser sowie tragbare Schallpegelmesser.

Körperbau verstärkt den Schall

Die lautesten Vögel der untersuchten Arten waren in der Regel größer und hatten kräftigere Muskeln. Dadurch könnten sie die Luft stärker komprimieren und explosionsartig hohe Lautstärken erzeugen.

Zudem verfügten sie über größere Schnabelöffnungen. Diese wirkten ähnlich wie ein weiter Schalltrichter bei Musikinstrumenten und verstärkten den Ton.

Grund für extreme Rufe bleibt offen

Warum manche Vögel besonders laut rufen, ist weiterhin unklar. Die Ornithologen hatten zunächst vermutet, dass die lautesten Arten schlechte Flieger sein könnten, sich in besonders dichten Wäldern bemerkbar machen müssten oder mit ihren Rufen über große Entfernungen Partner anlockten.

Dafür fanden sie jedoch keine Belege. Nach Einschätzung der Forscher sind Daten von deutlich mehr Arten nötig, um die ökologischen und evolutionären Zusammenhänge zu bestimmen.

Warum Dezibelwerte bei Vögeln schwer vergleichbar sind

Die neuen Messungen schließen eine wichtige Lücke in der Bioakustik. Für die Lautstärke eines Vogelrufs ist nicht nur der Schalldruck entscheidend, sondern auch der Abstand zum Tier, die Richtung des Rufs, die Umgebung und die verwendete Messtechnik. In Wäldern können Reflexionen und Abschirmungen den gemessenen Wert zusätzlich beeinflussen.

Der Vergleich mit Kettensägen oder Presslufthämmern dient deshalb vor allem der Einordnung für Menschen. Ein kurzzeitiger Ruf von mehr als 120 Dezibel ist nicht automatisch mit einer dauerhaft einwirkenden Lärmquelle gleichzusetzen. Für die Vögel selbst dürfte die Lautstärke dennoch eine erhebliche körperliche Leistung voraussetzen: Größere Muskeln, starke Luftkompression und weit geöffnete Schnäbel wirken dabei zusammen.

Was die Ergebnisse für die Forschung bedeuten

Mit 123 untersuchten Arten erweitert die Studie die bislang schmale Datengrundlage deutlich. Dass bei 113 Arten erstmals Schallpegel erfasst wurden, zeigt zugleich, wie wenig systematisch Vogelrufe bisher über verschiedene Lebensräume hinweg verglichen worden sind.

Offen bleibt, welchen evolutionären Vorteil extreme Lautstärke bringt. Denkbar sind die Übertragung über große Distanzen, die Kommunikation in dichter Vegetation oder die Partnerwahl; für die in der Studie geprüften Annahmen fanden die Forscher jedoch keine Belege. Weitere Messungen könnten klären, ob besonders laute Rufe an Lebensraum, Körperbau, Sozialverhalten oder Fortpflanzungsstrategien gekoppelt sind. Für den Artenschutz liefern solche Daten außerdem Referenzwerte, mit denen sich Veränderungen von Lebensräumen und akustischen Bedingungen besser untersuchen lassen.

Disclaimer...

de | wissenschaft | 70198618 |