LDL-Cholesterin, Erhöhte

LDL-Cholesterin: Erhöhte Werte steigern das GefĂ€ĂŸrisiko unabhĂ€ngig von Genen

Veröffentlicht am: 23.10.2026 um 01:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Studien verknĂŒpfen die LDL-Konzentration mit GefĂ€ĂŸrisiken und stĂŒtzen frĂŒhe Screenings sowie eine LDL-Senkung zur PrĂ€vention.
Eine klinische Zentrifuge in einer sterilen, modernen Laborumgebung bei natĂŒrlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Erhöhte Werte von LDL-Cholesterin sind der entscheidende Treiber fĂŒr die Entstehung atherosklerotischer GefĂ€ĂŸerkrankungen – und zwar unabhĂ€ngig davon, ob eine genetisch nachweisbare familiĂ€re HypercholesterinĂ€mie vorliegt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Register-Kohortenstudie, die Daten von 1991 bis 2022 an genetisch auf familiĂ€re HypercholesterinĂ€mie getesteten Patienten auswertete.

Die Untersuchung ergab fĂŒr erhöhtes LDL-Cholesterin eine Hazard Ratio von 1,17 (95%-Konfidenzintervall 1,13–1,22; P<0,001) bezĂŒglich kĂŒnftiger kardiovaskulĂ€rer Ereignisse. Zwischen Patienten mit und ohne spezifische Genmutation zeigte sich kein signifikanter Unterschied. Die Studienautoren schlussfolgerten mit einem Evidenzlevel 2, dass die absolute Konzentration des zirkulierenden LDL-Cholesterins den primĂ€ren Risikofaktor darstellt.

Subklinische GefĂ€ĂŸverĂ€nderungen beginnen im frĂŒhen Erwachsenenalter

Die GefĂ€ĂŸschĂ€digung setzt oft lange vor dem Auftreten klinischer Symptome ein. Bereits in der PESA-Studie aus dem Jahr 2017 wiesen 49,7 Prozent der 1.779 untersuchten Personen ohne konventionelle Hauptrisikofaktoren eine subklinische Atherosklerose auf. Höhere LDL-Werte waren selbst innerhalb des herkömmlichen Normbereichs mit einer stĂ€rkeren Ausdehnung der Plaques assoziiert.

Aktuelle Auswertungen der REACT-Studie mit 16.808 Erwachsenen im Alter von 18 bis 70 Jahren in DÀnemark und Spanien bestÀtigen diese Tendenz: Bei 57,1 Prozent der bildgebend untersuchten Teilnehmer wurde eine stille Atherosklerose festgestellt.

WĂ€hrend in der Altersgruppe der 18- bis 29-JĂ€hrigen rund jeder Dreizehnte betroffen war, stieg der Anteil bei den 60- bis 70-JĂ€hrigen auf neun von zehn Personen.

In den Dreißigern wiesen bereits jeder dritte Mann und jede fĂŒnfte Frau GefĂ€ĂŸverĂ€nderungen auf; unter 30 Jahren waren es fast 9 Prozent der MĂ€nner und 7 Prozent der Frauen. Nur 1,9 Prozent der Betroffenen mit nachgewiesenen Plaques waren zuvor ĂŒber gĂ€ngige Risikorechner wie SCORE2 als Hochrisikopatienten eingestuft worden.

Untersuchungen an der finnischen UniversitÀt Turku zeigten zudem, dass 40 Prozent der 30- bis 39-JÀhrigen mit Carotisplaques keine klassischen Risikofaktoren aufwiesen. Fachleute empfehlen daher eine Bestimmung der Lipid- und Blutdruckwerte bereits ab dem 20. Lebensjahr.

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Unterschiedliche Mechanismen atherogener Lipoproteine

Auf molekularer Ebene differenziert die Forschung zunehmend zwischen den verschiedenen Lipoproteinklassen. Eine groß angelegte Proteomik-Studie der UK-Biobank an mehr als 35.000 Personen identifizierte 2.918 Plasmaproteine und validierte die Ergebnisse in der MESA-Kohorte mit 5.915 Teilnehmern. Dabei zeigte sich, dass LDL primĂ€r ĂŒber Cholesterinablagerung und mechanische Plaquebildung wirkt.

Triglyzeridreiche Lipoproteine (TRL) und Lipoprotein(a) teilen sich hingegen 36 Proteine, die vor allem EntzĂŒndungswege und GefĂ€ĂŸumbauprozesse aktivieren.

Diese Immun- und Umbauprozesse mediieren 62 Prozent des TRL- und 14 Prozent des Lp(a)-Risikos. Obwohl bei bis zu der HÀlfte aller Herzinfarkt-Patienten das LDL-Cholesterin im Normbereich liegt, betonte Studien-Koautor Clemens Wittenbecher, dass die Senkung des LDL-Cholesterins die tragende SÀule der kardiovaskulÀren PrÀvention bleibt.

Weltweit fĂŒhrt die Weltgesundheitsorganisation jĂ€hrlich 17,9 Millionen TodesfĂ€lle auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen zurĂŒck, mehr als vier FĂŒnftel davon bedingt durch Herzinfarkte und SchlaganfĂ€lle.

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Relevanz fĂŒr Screening und Leitlinien

Die neuen Erkenntnisse spiegeln sich in aktualisierten Behandlungspfaden wider. Die DyslipidĂ€mie-Leitlinie von ACC, AHA und Partnergesellschaften fordert ein populationsweites Screening auf atherogene Lipoproteine ab einem jĂŒngeren Lebensalter sowie niedrigere Interventionsschwellen.

In Deutschland empfiehlt eine aktualisierte S3-Leitlinie von 20 Fachgesellschaften und Patientenvertretungen fĂŒr Kinder zwischen 5 und 11 Jahren ein Screening mittels LDL-Cholesterin-Messung, um familiĂ€re HypercholesterinĂ€mien frĂŒhzeitig zu erkennen, die etwa eines von 300 Kindern betreffen.

Dass eine medikamentöse LDL-Senkung auch im hohen Alter klinischen Nutzen bringt, belegt die STAREE-Studie an 9.971 ĂŒber 70-jĂ€hrigen Erwachsenen: Eine tĂ€gliche Gabe von 40 mg Atorvastatin senkte kardiovaskulĂ€re Ereignisse nach median 5,9 Jahren signifikant von 8,3 auf 6,0 Prozent (HR 0,70; 95%-KI 0,61–0,82).

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