Lebensmittel-Zusatzstoffe: FDA beendet 68 Jahre alte Selbstauskunft-Praxis
Veröffentlicht am: 10.08.2026 um 21:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die US-amerikanische Lebens- und Arzneimittelbehörde FDA bereitet eine grundlegende Neuausrichtung der Aufsicht über Inhaltsstoffe in Nahrungsmitteln vor. Im Zentrum steht ein Regelungsvorschlag, der Lebensmittelhersteller künftig dazu verpflichten soll, ihre Einstufungen von Zusatzstoffen als sicher an die Behörde zu melden. Damit würde eine Praxis enden, die seit dem Jahr 1958 besteht und Unternehmen weitgehende Freiheiten bei der Bewertung der Sicherheit ihrer Produkte einräumt.
Abkehr von der freiwilligen Selbstauskunft
Bislang konnten Hersteller Inhaltsstoffe unter dem sogenannten GRAS-Status (Generally Recognized As Safe) eigenständig als sicher bewerten, ohne die FDA zwingend darüber zu informieren. Der nun angekündigte Vorschlag sieht vor, diese Meldungen zur Pflicht zu machen. Ziel der FDA sei es, durch diesen Schritt mehr Transparenz zu schaffen und das Vertrauen der Verbraucher in die Sicherheit von Lebensmittelzusatzstoffen zu stärken.
Flankiert wird dieses Vorhaben durch Bestrebungen auf politischer Ebene. Laut Berichten aus dem August 2026 verfolge der US-Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. einen Plan, um ein jahrzehntealtes Schlupfloch im Gesetz zu schließen. Dieses habe es Unternehmen bisher ermöglicht, Chemikalien einzusetzen, ohne die Behörden vorab in Kenntnis zu setzen. Während nationale Medien über diese Pläne berichteten, liegen bislang keine unabhängigen Bestätigungen durch internationale Nachrichtenagenturen für den konkreten Zeitplan des Vorhabens vor.
Definitionen für ultrahochverarbeitete Lebensmittel
Die FDA will die seit 1958 geltende Selbstauskunft bei Zusatzstoffen beenden – künftig sollen GRAS-Einstufungen gemeldet werden. Für Hersteller und Exporteure heißt das: Jetzt Prozesse anpassen, bevor die neuen Pflichten verbindlich werden. Unser Report liefert die wichtigsten Schritte. Jetzt kostenlosen Compliance-Report anfordern
Ein weiterer Schwerpunkt der aktuellen Regulierungsbemühungen ist die Kategorisierung von Nahrungsmitteln. Die FDA plane demnach, eine offizielle Definition für ultrahochverarbeitete Lebensmittel festzulegen. Parallel dazu haben das US-Gesundheitsministerium (HHS) und das US-Landwirtschaftsministerium (USDA) bereits eine entsprechende Definition für diese Produktgruppe vorgelegt.
Zusätzlich zu den Regelungen für verarbeitete Waren beabsichtigt die FDA, neue Leitlinien für den Bereich frischer Erzeugnisse zu veröffentlichen. Diese sollen sich spezifisch auf die Handhabung und Sicherheit von frisch geschnittenem Obst und Gemüse beziehen.
Verschärfte Anforderungen für natürliche Antioxidantien
Wer Zusatzstoffe in die USA exportiert, muss sich auf strengere FDA-Vorgaben einstellen – von Stabilitätstests bis zur Migrationsbewertung. Unser Leitfaden zeigt, wie Sie Ihre Einreichungen über eSubmitter 3.2 erfolgreich gestalten. Leitfaden für FDA-Meldungen jetzt sichern
Bereits in einer Aktualisierung vom 8. August 2026 wurden die Anforderungen für die Meldung natürlicher Antioxidantien präzisiert. Für eine erfolgreiche Einreichung fordert die Behörde nun den Nachweis vollständiger Stabilitätstests sowie eine detaillierte Bewertung der Migration von Stoffen. Die Übermittlung dieser strukturierten Toxikologiedaten muss über das System eSubmitter 3.2 erfolgen.
Diese technischen Verschärfungen haben auch internationale Auswirkungen. Insbesondere Exporteure aus Drittstaaten, wie etwa chinesische Hersteller, müssen ihre Prozesse anpassen, um den neuen Compliance-Vorgaben gerecht zu werden. Die Behörde wies in diesem Zusammenhang auf die Notwendigkeit hin, die Zeitpläne für die Einhaltung der Richtlinien entsprechend zu korrigieren. Durch die Kombination aus strengeren Meldepflichten und präzisen technischen Vorgaben strebt die FDA eine lückenlosere Überwachung des US-Lebensmittelmarktes an.
