Lehrkräfte-Burnout, Belastung

Lehrkräfte-Burnout: 46 Prozent berichten hohe psychische Belastung

Veröffentlicht am: 07.08.2026 um 11:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Hohe psychische Belastung und Teilzeitquoten gefährden die Unterrichtsversorgung an deutschen Schulen. Die Lage spitzt sich weiter zu.

Lehrkräfte-Burnout: Rekordbelastung und Teilzeitquote erreichen Höchstwerte
Ein leerer Klassenraum mit einem Stapel Papier auf einem Lehrerpult, symbolisch für die Arbeitsbelastung von Lehrkräften. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die psychische Überlastung des pädagogischen Personals erreicht neue Rekordwerte. Fast die Hälfte der Lehrkräfte fühlt sich hoch belastet, der Krankenstand steigt. Experten warnen vor einem akuten Risiko für die Unterrichtsversorgung.

Teilzeit auf Höchststand: Wer unterrichtet morgen?

Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes für das Schuljahr 2024/2025 zeichnen ein klares Bild: Von den 752.100 Lehrkräften an allgemeinbildenden Schulen arbeiten 44 Prozent in Teilzeit – der höchste Stand seit 2009. Besonders betroffen sind Frauen, von denen 51 Prozent ihre Stunden reduziert haben. Bei den Männern sind es 23 Prozent.

Dazu kommt die Altersstruktur: Jeder dritte Lehrende ist 50 Jahre oder älter. In Sachsen-Anhalt liegt dieser Anteil sogar bei 51 Prozent. Um die Lücken zu schließen, setzt das System verstärkt auf Quer- und Seiteneinsteiger – ihr Anteil stieg von 4 Prozent (2014/2015) auf 11 Prozent (2024/2025).

Was Lehrkräfte wirklich stresst

Die Belastungsfaktoren sind klar identifiziert. Eine Befragung unter 1.020 Lehrkräften im Februar 2026 zeigt: Für 45 Prozent ist das Schülerverhalten der größte Stressfaktor. 39 Prozent nennen administrative Aufgaben, 38 Prozent kämpfen mit der Trennung von Beruf und Privatleben. Jede vierte Lehrkraft sieht in heterogenen Lerngruppen eine erhebliche Herausforderung.

Das Schulbarometer bestätigt den Trend: 2024 fühlten sich 35 Prozent hoch belastet, im Frühjahr 2026 sind es bereits 46 Prozent. Auch die Arbeitsorganisation wird kritischer gesehen als im Rest der Arbeitswelt: 37 Prozent negative Bewertungen stehen 30 Prozent im Bundesdurchschnitt gegenüber.

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Schulleitungen stehen vor dem Burnout

Der Druck trifft auch die Führungsebene hart. Der Schulleitungsmonitor 2026, für den 1.357 Schulleiter befragt wurden, zeigt: 45,5 Prozent fühlen sich geistig erschöpft. Über 43 Prozent arbeiten mehr als 50 Stunden pro Woche. Kein Wunder, dass 17,6 Prozent überlegen, ihre Leitungsfunktion abzugeben.

Der Personalmangel zeigt sich auch bei der Stellenbesetzung. In Südtirol blieben für das Schuljahr 2026/27 von 2.044 angebotenen Stellen 1.130 unbesetzt. Besonders dramatisch ist die Lage in den MINT-Fächern: Für Mathematik und Physik konnten nur 5,9 Prozent der Stellen besetzt werden, in Informatik 11,8 Prozent.

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Digitalisierung: Chance und Zumutung zugleich

Die digitale Transformation spaltet die Lehrerschaft. 95 Prozent sehen darin grundsätzlich eine Chance, doch 80 Prozent kritisieren fehlende politische Unterstützung. Bei der KI-Nutzung gibt es Fortschritte: 58 Prozent nutzen KI für schulische Zwecke (2024: 51 Prozent), aber nur 46 Prozent haben eine offizielle Schullizenz. Mehr als ein Viertel weicht auf private Konten aus.

78 Prozent fordern verpflichtende Fortbildungen. Und die Smartphone-Problematik bleibt virulent: 83 Prozent der Lehrkräfte sehen die übermäßige Handynutzung als dringliches Problem im Schulalltag.

Was sich ändern muss

Die Folgen der Krise betreffen längst auch die Schüler: 16 Prozent fühlen sich in der Schule wenig wohl, 25 Prozent zeigen psychische Auffälligkeiten. Ein im August 2026 vorgestelltes Fachbuch zum Wohlbefinden in der Schule will hier gegensteuern.

Erste Reformansätze gibt es: Mecklenburg-Vorpommern startete zum Wintersemester 2026/27 eine Lehramtsreform mit verstärkten Praxisphasen. Österreich plant Hitzeschutzmaßnahmen mit einheitlichen Warnstufen und baulichen Nachrüstungen bis Sommer 2027. Ob das reicht, um den Beruf wieder attraktiver zu machen, bleibt abzuwarten.

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