Lehrkräfte, Druck

Lehrkräfte unter Druck: 24 Prozent erleben mehrmals wöchentlich Erschöpfung

Veröffentlicht am: 12.10.2026 um 12:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Studien zeigen lange Arbeitszeiten und Erschöpfung, während Interessenvertretungen eine systematische Erfassung der Lehrerarbeitszeit verlangen.

Lehrkräfte in Deutschland: Hohe Arbeitslast trifft auf Erschöpfung
Ein leerer, stiller Klassenraum in der Abenddämmerung mit leeren Schulbänken und einer unbeschriebenen Wandtafel. Illustration mit AI erstellt.

Die Diskussion über die Arbeitsbelastung an deutschen Schulen gewinnt an Schärfe. Berichte aus der Praxis sowie wissenschaftliche Erhebungen verdeutlichen, dass der Berufsalltag vieler Pädagoginnen und Pädagogen von langen Arbeitswochen und spürbarem Druck geprägt ist.

Neben der reinen Unterrichtsverpflichtung binden Vor- und Nachbereitung sowie organisatorische Aufgaben erhebliche zeitliche Kapazitäten, was sich unmittelbar auf das Wohlbefinden des Personals auswirkt.

Diskrepanz zwischen Unterrichtsdeputat und tatsächlicher Arbeitszeit

Einblicke in den Schulalltag illustrieren die Verdichtung der Anforderungen. Eine Gymnasiallehrerin aus Hessen berichtete laut einem Medienbericht, dass sie vor zwei unterrichtsfreien Ferienwochen problemlos 50 bis 60 Stunden pro Woche arbeite.

Bei einem Vollzeitdeputat unterrichte sie 25 Stunden, zu denen jedoch umfangreiche Vor- und Nachbereitungen sowie zusätzliche Verpflichtungen hinzukämen. Zudem äußerte sie Zweifel daran, ob sich ohne den Status der Verbeamtung überhaupt noch ausreichend Menschen für diesen Beruf entscheiden würden.

Dass solche Erfahrungen kein Einzelfall sind, untermauern wissenschaftliche Zeiterfassungsstudien der Kooperationsstelle Göttingen. Diesen Untersuchungen zufolge arbeiten Gymnasial- und Gesamtschullehrkräfte einschließlich der anfallenden Ferienarbeit im Schnitt knapp 50 Stunden pro Schulwoche.

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Auch Arbeitszeitdaten der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) aus Berlin weisen auf eine dauerhafte Überlastung hin: Lehrkräfte in der Hauptstadt leisten demnach im Durchschnitt rund 100 Überstunden pro Jahr.

Hohe Zufriedenheit bei gleichzeitig starker Erschöpfung

Das Spannungsverhältnis zwischen persönlichem Engagement und beruflicher Belastung bildet auch das Deutsche Schulbarometer 2026 der Robert Bosch Stiftung ab, für das 1.547 Lehrkräfte befragt wurden.

Die Erhebung zeigt eine bemerkenswerte Ambivalenz: Zwar gaben 83 Prozent der befragten Lehrkräfte an, mit ihrem Beruf zufrieden zu sein, gleichzeitig berichteten jedoch viele über gravierende Belastungssymptome. Demnach erleben 24 Prozent der Befragten mehrmals pro Woche emotionale Erschöpfung, während 12 Prozent angaben, täglich unter diesem Zustand zu leiden.

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Debatte um systematische Erfassung der Arbeitszeit

Angesichts der anhaltenden Belastungsdiskussion fordern Interessenvertretungen verlässlichere Instrumente zur Dokumentation der geleisteten Stunden. Die GEW Niedersachsen stellt ihren Mitgliedern eine kostenlose Browser-Anwendung zur minutengenauen Zeiterfassung zur Verfügung, um fundierte Daten für gewerkschaftliche Forderungen zu sammeln.

Zudem verlangt die Organisation vom niedersächsischen Kultusministerium eine systematische Erfassung der Arbeitszeit im Landesdienst, während Bremen ein entsprechendes Pilotprojekt erwägt.

Rechtlich hatte das Bundesarbeitsgericht die Pflicht zur Arbeitszeiterfassung grundsätzlich bestätigt, diese gilt für verbeamtete Lehrkräfte jedoch nicht automatisch. Vor dem Hintergrund von knapp 280.000 Mitgliedern der GEW bundesweit bleibt die Frage nach transparenten Arbeitszeitmodellen und wirksamem Gesundheitsschutz ein zentrales Thema auf bildungspolitischen Konferenzen.

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