Lehrkräftemangel: Fast 50% der Lehrer arbeiten nur noch Teilzeit
Veröffentlicht: 11.07.2026 um 04:40 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Lehrkräftemangel, steigende Arbeitsbelastung und umfassende Reformvorhaben setzen die Schulen massiv unter Druck. Aktuelle Daten aus mehreren Bundesländern zeigen das Ausmaß der Probleme.
NRW plant die größte Abitur-Reform seit Jahren
In Nordrhein-Westfalen hat der Schulausschuss Anfang Juli eine umfassende Reform der gymnasialen Oberstufe gebilligt. Die Neuregelungen treten ab dem Schuljahr 2027/28 in Kraft und betreffen erstmals das Abitur 2030. Kernpunkte: ein fünftes Abiturfach als Präsentationsprüfung, neue Projektkurse und verkürzte Klausurzeiten.
Die Kultusverwaltung verspricht Unterstützungsangebote. Doch die Lehrerverbände reagierten am 9. Juli mit scharfer Kritik. Sie warnen vor einem massiven Mehraufwand – ohne zusätzliche Zeit oder neues Personal. Ein Novum: Künstliche Intelligenz darf bei schriftlichen Leistungen genutzt werden, sofern die Nutzung transparent gemacht wird.
Fast die Hälfte aller Lehrer arbeitet nur noch Teilzeit
Ein alarmierendes Signal kommt aus Rheinland-Pfalz. Das Statistische Landesamt meldet: Im Schuljahr 2025/26 arbeitete fast die Hälfte der 41.800 Lehrkräfte in Teilzeit. Besonders drastisch ist die Entwicklung bei den unter 30-Jährigen. Innerhalb von zehn Jahren stieg die Zahl der Teilzeitkräfte in dieser Altersgruppe um 139 Prozent auf rund 2.000.
Die Zahl der Vollzeitstellen sank bei den Jungen dagegen um 23 Prozent – obwohl die Gesamtzahl der Lehrkräfte im Land seit 2015/16 um 14 Prozent zulegte. Branchenanalysten sehen im „Teilzeit-Boom“ einen klaren Hinweis: Junge Lehrer versuchen, ihre Arbeitsbelastung durch Stundenreduzierung zu steuern.
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Sachsen-Anhalt: Unterrichtsausfall hat sich verdreifacht
Besonders prekär ist die Lage in Sachsen-Anhalt. Der Unterrichtsausfall hat sich dort innerhalb von 20 Jahren auf 8,6 Prozent verdreifacht. Die personelle Schere öffnet sich weiter: 2025 verzeichnete das Land rund 1.670 Abgänge aus dem Schuldienst – aber nur 1.547 Neueinstellungen.
Die Prognosen sind düster: Bis 2036 werden etwa zwei Drittel der Lehrkräfte, die 2021 im Dienst waren, in den Ruhestand gehen. Die Folgen zeigen sich bereits jetzt. Mit einer Schulabbrecherquote von 13,4 Prozent hat Sachsen-Anhalt den höchsten Wert bundesweit. 2025 verließen über 2.000 Jugendliche die Schule ohne Abschluss.
Prekäre Beschäftigung und fehlende Digitalstrategie
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Neben der hohen Arbeitsbelastung schrecken unsichere Beschäftigungsverhältnisse junge Menschen vom Lehrerberuf ab. In Baden-Württemberg fordert der Berufsschullehrerverband ein Ende der „Sommerarbeitslosigkeit“ für Referendare. Nach dem Vorbereitungsdienst werden angehende Lehrer regelmäßig über die Ferien entlassen und müssen Bürgergeld beantragen, bevor sie im neuen Schuljahr wieder eingestellt werden.
Befristet beschäftigte Lehrkräfte werden im Land seit 2023 auch über die Sommerpause bezahlt. Eine entsprechende Regelung für Referendare steht trotz Ankündigungen im Koalitionsvertrag noch aus.
Auch bei der digitalen Infrastruktur hakt es. Im Zusammenhang mit dem Digitalpakt 2 fordern Bildungsökonomen einen kontinuierlichen Austausch zwischen Staat und Bildungswirtschaft. Nur so lasse sich die digitale Transformation an Schulen langfristig stabilisieren. Ausgaben für IT-Infrastruktur sollen rückwirkend zum 1. Januar 2026 anrechenbar sein.
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