Lesekompetenz, Schüler

Lesekompetenz: Ein Viertel der Schüler verfehlt Mindeststandards

Veröffentlicht: 03.06.2026 um 04:50 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Studien belegen sinkende Lesekompetenz bei Schülern. Neue Ansätze wie Power-Pausen und dialogisches Lesen sollen gegensteuern.

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Rund ein Viertel der Schüler erreicht nicht die Mindeststandards beim Lesen.

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Power-Pausen statt Dauerlernen

Kurze Bewegungseinheiten sollen die Konzentration retten. Anfang Juni 2026 wurde ein Modell mit 30 sogenannten Power Pausen vorgestellt. Die Einheiten dauern drei bis zehn Minuten und sollen alle 20 bis 30 Minuten in den Lernalltag eingebaut werden.

Parallel gewinnen Neurospiele für Drei- bis Sechsjährige an Bedeutung. Sie trainieren Motorik, Wahrnehmung und logisches Denken. Bewährt hat sich auch das Marburger Konzentrationstraining (MKT): Kinder lernen in Gruppen, Ablenkungen auszublenden und ihre Impulse zu kontrollieren. Immer mehr Therapeuten bieten die Kurse in den Ferien an.

Vorlesen ist der Schlüssel

Sprachwissenschaftlerin Uta Quasthoff von der TU Dortmund schwört auf dialogisches Lesen. Kinder werden aktiv in den Vorleseprozess einbezogen – das steigert den Lernerfolg massiv.

Die Zahlen sind alarmierend: Die IGLU-Studie 2021 zeigte, dass die Lesekompetenz in Deutschland seit 2001 gesunken ist. Die PISA-Studie 2022 bestätigte: Über ein Viertel der 15-Jährigen kann nicht ausreichend lesen. Der Vorlesemonitor 2024 ergab zudem, dass 32 Prozent der Eltern ihren Kindern selten oder nie vorlesen. Digitale Formate wie Lesevideos zu Naturthemen sollen gegensteuern.

Ganztag: Bessere Noten, aber nicht mehr Kompetenz?

Der Ausbau der Ganztagsbetreuung zeigt überraschende Ergebnisse. Eine Studie von Arnim Seidlitz (IAB) und Larissa Zierow (HS Reutlingen) auf Basis von NEPS-Daten fand heraus: Die Deutschnoten und Übergangschancen aufs Gymnasium verbessern sich. Doch standardisierte Tests in Deutsch und Mathematik zeigen keine statistisch belastbaren Effekte.

Positiv: Kinder im Ganztag sind seltener von Mobbing betroffen und zufriedener mit der Schule.

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Inklusive Begabungsförderung: Ein Projekt zeigt, wie es geht

Im Juni 2026 endete das Projekt „Karg Campus Kita Niedersachsen“. Acht Kindertagesstätten entwickelten mit 650.000 Euro Förderung neue Wege für inklusive Begabungsförderung. Soziologe Aladin El-Mafaalani betont: Es geht sowohl um Ausgleich von Benachteiligungen als auch um frühzeitige Erkennung besonderer Fähigkeiten.

In Taunusstein wurden reizarme Rückzugsräume für Integrationskinder eingerichtet – ein praktisches Beispiel für Wahrnehmungsförderung.

Die Schattenseite: Überförderung macht krank

Werden Kinder zu stark gefördert, drohen psychische Probleme. Erziehungswissenschaftlerin Margrit Stamm von der Universität Fribourg warnt: Überversorgung und zu starke Kontrolle durch die Eltern führen zu Unwohlsein und Erschöpfung.

Das Projekt „Urban Mental Health“ in Bochum-Wattenscheid setzt präventiv an. Unter Leitung von Prof. Dr. Silvia Schneider (Ruhr-Universität Bochum) arbeiten Fachkräfte an Brennpunktschulen, um Schüler psychisch zu stärken – bevor Erkrankungen entstehen. Kosten: rund 250.000 Euro pro Jahr. Hintergrund: Der DAK-Kinderreport belegt ein anhaltend hohes Niveau psychischer Erkrankungen bei Jugendlichen.

Google hilft beim Abschalten

Sogar Tech-Konzerne mischen mit. Android 17 bringt die Funktion „Pause Point“. Sie zwingt Nutzer beim Öffnen potenziell ablenkender Apps zu einer zehnsekündigen Wartezeit und schlägt Alternativen wie Atemübungen vor.

Österreich investiert in Bildungsgerechtigkeit

Das österreichische Bildungsministerium startet den „Chancenbonus“ ab Schuljahr 2026/27. Mit 65 Millionen Euro jährlich werden rund 400 Standorte in sozial herausfordernden Lagen gefördert. 800 Vollzeitstellen für Lehrkräfte, Schulpsychologen und Sozialpädagogen sollen die individuelle Förderung intensivieren.

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