Lewy-Körperchen-Demenz: Neflamapimod verfehlt primÀren Studienendpunkt
Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 16:55 Uhr | Redaktion boerse-global.deDas in Boston ansÀssige biopharmazeutische Unternehmen CervoMed Inc. hat die Ergebnisse der placebokontrollierten Phase seiner Phase-2b-Studie RewinD-LB zum Wirkstoffkandidaten Neflamapimod im Fachjournal Alzheimer's Research & Therapy (DOI 10.1186/s13195-026-02239-6) veröffentlicht.
In der Gesamtauswertung konnte die Untersuchung den primĂ€ren klinischen Endpunkt jedoch nicht bestĂ€tigen, womit frĂŒhere Resultate aus der Phase 2a nicht repliziert wurden.
Studiendesign und Resultate der Gesamtkohorte
Die 16-wöchige randomisierte und placebokontrollierte Untersuchung mit der Kennung NCT05869669 umfasste 159 Teilnehmende mit wahrscheinlicher Lewy-Körperchen-Demenz (DLB).
Die Rekrutierung erfolgte zwischen August 2023 und Juni 2024 an 43 Studienzentren in den USA, GroĂbritannien und den Niederlanden. Das mittlere Alter lag bei 71,4 Jahren (Standardabweichung 6,1), wobei 85,6 Prozent der Probanden mĂ€nnlich waren. Personen mit einem Plasma-p-tau181-Wert von 27,2 pg/mL oder höher waren von der Teilnahme ausgeschlossen.
Die Verteilung erfolgte auf 79 Probanden unter einer Dosis von 40 mg Neflamapimod dreimal tÀglich sowie 80 Teilnehmende in der Placebogruppe. Im primÀren Endpunkt, der Clinical Dementia Rating-Sum of Boxes (CDR-SB), ergab sich in der Intention-to-Treat-Population eine mittlere Differenz zum Placeboarm von -0,02 (95%-Konfidenzintervall -0,41 bis 0,37).
Auch bei den sekundĂ€ren klinischen Endpunkten â darunter der Timed Up and Go, die ADCS-CGIC sowie eine studienspezifische kognitive Testbatterie â zeigten sich keine Unterschiede. Ebenso blieben VerĂ€nderungen bei den Biomarkern Plasma-GFAP und Neurofilament light chain aus.
Eine Substudie mittels Magnetresonanztomografie an 18 Teilnehmenden wies hingegen eine statistisch signifikante Zunahme des rechten basalen Vorderhirnvolumens gegenĂŒber Placebo auf. StudienabbrĂŒche aufgrund unerwĂŒnschter Ereignisse traten bei 2,5 Prozent (2 von 79) in der Neflamapimod-Gruppe und bei 1,3 Prozent (1 von 80) unter Placebo auf.
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Einfluss von Alzheimer-Kopathologie und Wirkstoffspiegeln
Detailliertere Analysen verdeutlichen differenzierte Effekte je nach biologischen Ausgangswerten. Bei Patientengruppen ohne Alzheimer-Kopathologie, gemessen an niedrigeren pTau181-Werten im Blut, zeigte sich eine placebobereinigte CDR-SB-Differenz von -0,51 Punkten (95%-KI -1,16 bis 0,13) bei Werten unter 23 pg/mL (54 Behandelte gegenĂŒber 56 unter Placebo). Bei Werten unter 21 pg/mL lag der Unterschied bei -0,70 Punkten (95%-KI -1,42 bis 0,01) bei 46 Patienten unter Neflamapimod und 44 unter Placebo.
Zudem war ein Behandlungseffekt nur bei Blutspiegeln oberhalb des Studienmedians von 3,64 ng/mL nachweisbar; in diesem Bereich waren die Effekte vergleichbar mit der Phase 2a, wÀhrend unterhalb des Medians kein Effekt festgestellt wurde.
Als mögliche Ursachen fĂŒr das Ausbleiben der Replikation in der Gesamtkohorte fĂŒhrten die Studienautoren einen höheren Anteil an Alzheimer-Kopathologie als ursprĂŒnglich angestrebt sowie unerwartet niedrige Plasmaspiegel an.
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Laut CervoMed trug eine geringer als beabsichtigte Wirkstoffexposition der Kapseln dazu bei, dass die Resultate der Phase 2a nicht in der gesamten Population bestÀtigt werden konnten.
ErgĂ€nzend erschien eine zweite Begutachtung in der Fachzeitschrift Cells. Dieser Publikation zufolge hemmte Neflamapimod die durch IL-1? induzierte Freisetzung der Zytokine IL-6 und IL-8 in humanen mononukleĂ€ren Zellen des peripheren Blutes (PBMC) mit einer halbmaximalen wirksamen Konzentration (EC50) von etwa 3 ng/mL. FĂŒr eine pharmakologische AktivitĂ€t wurde ein Talspiegel-Schwellenwert von rund 4 ng/mL ermittelt.
Relevanz fĂŒr die weitere Entwicklung
Lewy-Körperchen-Demenz gilt nach der Alzheimer-Krankheit als zweithÀufigste progrediente neurodegenerative Demenzerkrankung; bislang existieren weder in den USA noch in der EuropÀischen Union zugelassene Therapien.
John-Paul Taylor von der Newcastle University, leitender PrĂŒfarzt der Studie im Vereinigten Königreich, erklĂ€rte, dass der vorliegende Datensatz trotz des verfehlten primĂ€ren Endpunkts ermutigende Evidenz liefere und eine weitere klinische Evaluation rechtfertige. Vor diesem Hintergrund sucht CervoMed nach einem strategischen Partner zur DurchfĂŒhrung einer Phase-3-Studie.
