Lieblingsmusik, MRT

Lieblingsmusik beim MRT: Studie zeigt weniger Schmerz beim Kanülenstich

Veröffentlicht am: 11.10.2026 um 05:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine Studie am Universitätsspital Zürich verbindet persönliche Musikauswahl mit geringeren Schmerzangaben beim Einstich vor MRT-Untersuchungen.

Universitätsspital Zürich setzt auf Lieblingsmusik gegen Kanülenschmerz
Ein ruhiger, modern gestalteter Krankenhausflur mit sanfter Beleuchtung und minimalistischer Architektur. Illustration mit AI erstellt.

Das Universitätsspital Zürich plant, das Abspielen von Musik bei Venenpunktionen künftig verstärkt einzusetzen. Die Maßnahme richtet sich insbesondere an ängstliche oder klaustrophobische Personen vor bildgebenden Untersuchungen.

Hintergrund dieses Schritts sind wissenschaftliche Erkenntnisse eines Forschungsteams um Andrei Cristinel Dragnea und Meritxell Garcia Alzamora, die im Fachjournal Frontiers in Pain Research veröffentlicht wurden. Die Untersuchung analysierte, in welchem Ausmaß das Hören von bevorzugter Musik den Schmerz beim Einstich einer Kontrastmittel-Kanüle vor Magnetresonanztomografien (MRT) dämpfen kann.

Messbare Linderung durch individuelle Musikauswahl

Für die Erhebung wurden die Teilnehmenden in vier Versuchsbedingungen unterteilt: 51 Personen hörten ihre persönliche Lieblingsmusik, 52 Probanden die Mozart-Sonate KV 448 für zwei Klaviere in D-Dur in einer Einspielung von Alfred Brendel und Walter Klien, 50 Teilnehmende das Entspannungsstück Quelle des Ich Bin von Peter Uwe Piotter und 51 Personen erhielten die Kanüle ohne musikalische Begleitung.

Die Gruppe mit individueller Musikauswahl wies auf einer Skala von 0 bis 10 sowohl nach 30 Sekunden als auch nach 2 Minuten signifikant niedrigere Schmerzwerte auf als die Kontrollgruppe ohne Musik.

Dieser Effekt zeigte sich sowohl bei Personen mit als auch ohne bestehenden Ausgangsschmerz. Bei den insgesamt 71 Patienten, die bereits vor dem Eingriff über Schmerzen klagten, trat die lindernde Wirkung der Lieblingsmusik zudem unmittelbar nach dem Nadelstich signifikant hervor.

Die ausgewählten Lieder der Probanden deckten dabei ein breites Spektrum ab, das von Beethovens 5. Sinfonie über Someone Like You von Adele und Tunak Tunak Tun von Daler Mehndi bis hin zu Hells Bells von AC/DC reichte.

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Vergleich mit Klassik und Entspannungsklängen

Die Wirkung standardisierter Musikstücke fiel im Vergleich dazu schwächer aus. Bei der Mozart-Sonate KV 448 zeigte sich eine signifikante Schmerzlinderung lediglich bei Patienten mit Ausgangsschmerz nach zwei Minuten, während der Wert nach 30 Sekunden die Signifikanzschwelle knapp verfehlte. In dieser speziellen Untergruppe befanden sich 15 Personen mit Vorschmerz.

Die Entspannungsmusik führte zu keinem signifikanten Unterschied gegenüber der Gruppe ohne Musikbeschallung. Das Forschungsteam führte dies darauf zurück, dass diese Klänge langsam, leise und wenig dynamisch aufgebaut seien und von den Teilnehmenden womöglich kaum bewusst wahrgenommen wurden. Direkte Vergleiche zwischen der Lieblingsmusik und den beiden vordefinierten Musikarten erbrachten statistisch keine signifikanten Differenzen.

Methodische Grenzen und Einsatz in der Praxis

Die Forschenden weisen auf methodische Einschränkungen der Erhebung hin. Die Gruppengrößen waren verhältnismäßig klein, und die Zuteilung erfolgte pseudorandomisiert anhand der zeitlichen Reihenfolge der MRT-Termine statt über eine echte Zufallsverteilung.

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Zudem handelte es sich lediglich um einen kurzen, meist leichten Einstich mit kleiner Nadel in die Ellenbeuge, weshalb sich die Resultate nicht ohne Weiteres auf stärkere oder längere medizinische Eingriffe übertragen lassen.

Seniorautorin Meritxell Garcia Alzamora sprach sich dafür aus, Patienten das Musikhören während der Prozedur zu empfehlen, vor allem jenen, die generell gerne Musik hören. Gleichzeitig forderten die Studienautoren weiterführende Untersuchungen an schmerzhafteren Behandlungen, während die Klinik die Erkenntnisse bereits zur gezielten Entlastung von Angstpatienten im Routinebetrieb nutzen möchte.

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