LIFE-Studie: Bewegungsprogramm bewahrt Senioren vor Verlust der Gehfähigkeit
Veröffentlicht am: 24.10.2026 um 21:09 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie Sicherung von Selbstständigkeit, gesellschaftlicher Teilhabe und Mobilität im Alter gewinnt auf kommunaler Ebene zunehmend an Bedeutung. Am 21. Oktober 2026 richtete das Landratsamt Emmendingen das zweite Fachforum „Bürgerschaftliches Engagement und Quartiersarbeit“ aus, das unter dem Leitgedanken „Beweglich, mobil, in Gemeinschaft – gut leben im Alter“ stand.
Die Veranstaltung verdeutlichte exemplarisch, wie regionale Netzwerke und freiwillige Strukturen dazu beitragen können, Versorgungs- und Begegnungslücken im ländlichen Raum zu schließen.
Praxisnahe Hilfen und Fördermöglichkeiten im Landkreis Emmendingen
Im Zentrum des Fachforums in Emmendingen standen konkrete Praxisansätze aus den Gemeinden. Präsentiert wurden unter anderem der ehrenamtliche Fahrdienst des Vereins „generation gemeinsam Gottenheim“, das Begegnungscafé im Kurhaus Freiamt sowie das „Seniorenforum Brückenbauer“ aus Deißlingen.
Diese Modelle zeigen auf, wie bürgerschaftliches Engagement dazu beitragen kann, die alltägliche Mobilität aufrechtzuerhalten und soziale Isolation zu verringern.
Über Finanzierungswege für derartige Initiativen informierte Sabrina Göb von der Agentur Pflege engagiert, die Fördermöglichkeiten für ehrenamtliche Projekte in den Bereichen Pflege und Selbsthilfe darlegte. Das Forum selbst ist Teil der Kommunalen Pflegekonferenz des Landkreises Emmendingen.
Das Format besteht seit 2020 und erhält Fördermittel des Landes Baden-Württemberg. Für das erste Halbjahr 2027 kündigte der Landkreis bereits das nächste Fachforum an, das sich digitalen Hilfsangeboten wie Handysprechstunden und dem Einsatz von Digitallotsen widmen soll.
Kommunale Rahmenkonzepte und altersfreundliche Strukturen
Die Entwicklungen in Emmendingen spiegeln einen bundesweiten Trend wider, bei dem Städte und Kreise Quartiersstrukturen systematisch an die Bedürfnisse älterer Menschen anpassen. So sind beispielsweise die Städte Kiel und Oldenburg dem Globalen Netzwerk für altersfreundliche Städte und Gemeinden der Weltgesundheitsorganisation beigetreten.
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In Kiel koordinieren unter anderem Nachbarschaftsnetzwerke in allen Stadtteilen sowie kommunale Hausbesuche entsprechende Angebote. Oldenburg arbeitet bereits seit 2012 an einer altersgerechten Stadtentwicklung; 2025 verabschiedete der dortige Rat einstimmig die handlungsleitende Agenda „Selbstbestimmt und mittendrin!“, die Maßnahmen für soziale Teilhabe, Wohnen und Mobilität bündelt.
Auch das Forum Seniorenarbeit Nordrhein-Westfalen des Kuratoriums Deutsche Altershilfe befasste sich in einem Workshop mit der sozialräumlichen Gestaltung alter(n)sgerechter Stadt- und Quartiersstrukturen, um praxisorientierte Instrumente für die kommunale Vernetzung zu erarbeiten.
Bedeutung von Bewegung und Prävention für den Erhalt der Selbstständigkeit
Dass Initiativen zur Mobilitätsförderung im Alter eine zentrale medizinische und gesellschaftliche Wirkung entfalten, betonen auch Fachverbände. Michael Denkinger, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie, verwies darauf, dass Altern keine Krankheit sei und sogenannte Verjüngungsmittel keinen wissenschaftlichen Nachweis für eine lebensverlängernde Wirkung beim Menschen böten.
Als gesichert wirksam gelten demnach regelmäßige Bewegung wie Ausdauer- und Beinkrafttraining, eine ausgewogene Ernährung sowie verlässliche soziale Kontakte.
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Diesen Befund untermauern auch wissenschaftliche Untersuchungen: Die LIFE-Studie an mehr als 1.600 körperlich eingeschränkten Personen im Alter von 70 bis 89 Jahren belegte, dass strukturierte Bewegungsprogramme die funktionelle Selbstständigkeit erhielten. Bei etwa jedem 19. Teilnehmenden konnte der Verlust der Gehfähigkeit abgewendet werden.
Angebote zur Mobilitätsstärkung, wie sie auch Krankenkassen mit Programmen für Tagespflegen oder lokale Verkehrswachten mit Rollator-Schulungen unterstützen, bilden somit das praktische Fundament, um älteren Bürgern ein langes und eigenständiges Verbleiben im gewohnten Wohnumfeld zu ermöglichen.
