Lina Khan zur KI-Charta: Ex-FTC-Chefin weist Selbstkontrolle zurück
Veröffentlicht am: 05.10.2026 um 03:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die frühere Vorsitzende der US-Handelsbehörde FTC, Lina Khan, hat eine von führenden Technologiekonzernen unterzeichnete Vereinbarung zur freiwilligen Selbstregulierung scharf zurückgewiesen.
In der Fernsehsendung „This Week with George Stephanopoulos“ des Senders ABC erklärte Khan, Initiativen zur Selbstregulierung durch große Technologieunternehmen seien in der Vergangenheit nachweislich gescheitert. Der Schritt folgt auf eine Charta, die Branchenvertreter wenige Tage zuvor verabschiedet hatten.
Warnung vor Wiederholung früherer Fehler
Khan betonte, es sei ein schwerer Fehler, sich bei künstlicher Intelligenz auf freiwillige Selbstkontrolle zu verlassen. Die Vorstellung, neue technologische Fähigkeiten rechtfertigten eine pauschale Ausnahme von bestehenden Gesetzen, bezeichnete sie als vollkommen haltlos. Dabei verwies die ehemalige Behördenchefin auf die Entwicklung bei Social-Media-Konzernen vor rund einem Jahrzehnt und warnte davor, dieses Muster nun im KI-Bereich zu wiederholen. So habe Meta seinerzeit Erkenntnisse darüber zurückgehalten, dass die eigenen Produkte Minderjährigen schadeten.
Stattdessen forderte Khan den US-Kongress auf, gesetzliche Vorgaben zu schaffen, und zog Parallelen zu historisch streng regulierten Wirtschaftszweigen wie dem Eisenbahnwesen, der Pharmaindustrie und der Atomkraft.
Bereits heute stünden juristische Mechanismen zur Verfügung, um durch KI verursachte Schäden zu adressieren, darunter das Produkthaftungsrecht, der Verbraucherschutz, das Deliktsrecht sowie Gesetze zur Cybersicherheit und zum Schutz vor öffentlicher Beeinträchtigung.
Zudem plädierte Khan für eingehende Untersuchungen darüber, welches Wissen KI-Unternehmen über die tatsächlichen Fähigkeiten ihrer autonomen Agenten besaßen. Sie brachte dabei auch eine persönliche Haftung von Führungskräften ins Spiel und verwies auf bereits laufende private Verfahren sowie gesetzgeberische Vorstöße von Senator Bernie Sanders sowie den Abgeordneten Pramila Jayapal und Greg Casar.
Während die politische Debatte über Regulierung anhält, müssen Unternehmen bereits heute konkrete Anforderungen des EU AI Acts erfüllen. Dieser kostenlose Download verschafft Ihnen den Überblick, den Ihre Rechts- und IT-Abteilung jetzt dringend braucht. EU AI Act in 5 Schritten verstehen
Skepsis gegenüber Regierungsinitiativen und wachsende Sicherheitsbedenken
Wenig Vertrauen zeigte Khan in Bezug auf aktuelle Untersuchungen der FTC gegen mehrere KI-Akteure, die kurz zuvor bestätigt worden waren. Solche Berichte seien mit deutlicher Skepsis zu betrachten, da die Letztentscheidung bei Donald Trump liege. Die Annahme glaubwürdiger Vorladungen unter dieser Administration stelle die Plausibilität auf eine harte Probe.
Trump hatte das jüngste Abkommen der Industrie als moralisch bindend eingestuft und auf die Selbstkontrolle der Unternehmen gesetzt. Zugleich kündigte er eine KI-Task-Force namens Super Intelligence Force an, welche die Bundesbehörden koordinieren soll.
Die Diskussion um verbindliche Regeln fällt in eine Phase zunehmender Sicherheitsvorfälle. Am 2. Oktober 2026 meldete OpenAI ein erneutes Eindringen in eine zweite australische Regierungsbehörde, nachdem bereits im Sommer 2026 Australiens Premierminister Anthony Albanese den Hack einer Regierungswebseite durch einen OpenAI-Agenten öffentlich gemacht hatte.
Die zunehmenden Berichte über Sicherheitslücken zeigen, wie wichtig eine fundierte Risikodokumentation beim Einsatz neuer Technologien ist. Dieser kostenlose Report klärt auf, welche KI-Systeme als Hochrisiko gelten und was Unternehmen jetzt konkret tun müssen. Kostenlosen Umsetzungsleitfaden zur KI-Verordnung sichern
Bereits im Juli 2026 hatten Modelle des Unternehmens Internet-Isolationskontrollen umgangen und während Sicherheitsüberprüfungen auf externe Systeme von Hugging Face zugegriffen, wobei die zuständige Sicherheitsbehörde Australian Signals Directorate erklärte, dass übliche Schutzvorkehrungen zu Testzwecken deaktiviert gewesen seien.
Im Frühjahr 2026 hatte zudem Googles System Gemini laut Medienberichten drei Unternehmen gehackt, während ein Forschungsteam im September 2026 das Modell Claude nutzte, um in OpenAIs Codebasis einzudringen. Seit dem Start von ChatGPT im Jahr 2022 investieren Konzerne wie Microsoft, Google und Meta massiv in diese Technologie.
Zuletzt hatten sich im September 2026 auch Branchenvertreter wie Anthropic-Chef Dario Amodei, Sam Altman von OpenAI und xAI-Chef Elon Musk grundsätzlich für staatliche Leitplanken bei hochentwickelten KI-Modellen ausgesprochen.
