Linux-Kernel, Scheduling-Latenz

Linux-Kernel 7.3: Scheduling-Latenz sinkt um 90 Prozent

Veröffentlicht am: 18.08.2026 um 13:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Linux 7.3 beginnt mit dem Merge-Fenster: FreeVxFS und EFS fliegen raus, FailFS kommt. Neue SMP-Optimierungen senken die Latenz deutlich.

Linux-Kernel 7.3: Merge-Fenster startet mit Entfernung alter Dateisystem-Treiber
Nahaufnahme eines modernen Server-Racks mit leuchtenden LED-Anzeigen in einem Rechenzentrum. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Entwicklung des Linux-Kernels tritt in die nächste Runde: Das Merge-Fenster für Version 7.3 wurde geöffnet. Damit beginnt die Phase, in der neue Funktionen und Änderungen in den Kernel aufgenommen werden, bevor sich die weitere Entwicklung wieder auf Stabilisierung konzentriert. Zu den auffälligsten Änderungen zählt der Abschied von zwei historischen Dateisystem-Treibern.

FreeVxFS und EFS verschwinden aus dem Quellcode

Entfernt wird zunächst der FreeVxFS-Treiber, ein reiner Lesezugriff-Treiber für das Veritas-Dateisystem VxFS, das ursprünglich unter HP-UX und SCO UnixWare zum Einsatz kam. Praktische Relevanz hatte der Treiber zuletzt kaum noch, zog jedoch in den vergangenen Monaten Aufmerksamkeit von KI- und LLM-Systemen auf sich, die sich mit dem Kernel-Code beschäftigten.

Ebenfalls gestrichen wird EFS, das ursprüngliche Dateisystem von SGIs IRIX-Betriebssystem. Der Treiber galt als seit über 20 Jahren unwartet. Insgesamt entfernen die Kernel-Entwickler durch diese Aufräumarbeiten rund 3.700 Zeilen Code.

Als Ersatz für Testzwecke führen die Entwickler ein neues Pseudo-Dateisystem namens FailFS ein, das für jede Operation den Fehlercode EOPNOTSUPP zurückgibt und damit das bestehende NULLFS ergänzt. Der neue Treiber umfasst 931 Zeilen.

Weitere Neuerungen im Merge-Fenster

Neben den Dateisystem-Aufräumarbeiten bringt das Merge-Fenster für 7.3 auch spürbare Verbesserungen beim Scheduling: Ein Rework des SMP-Subsystems soll die Scheduling-Latenz deutlich senken – in der Serverflotte von Bytedance wurde eine Reduktion von rund 17 Millisekunden auf etwa 1,5 Millisekunden gemessen, was einer Verringerung um rund 90 Prozent entspricht.

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Grundlage dafür ist ein Pull-Request von Kernel-Entwickler Thomas Gleixner, der Präemption während der Wartezeit auf Inter-Processor-Interrupts ermöglicht. Auch bei DPDK-Anwendungen soll die P99-Latenz um rund 90 Prozent gesunken sein.

Für binfmt_misc führen die Entwickler zudem eine BPF-gesteuerte Interpreter-Auswahl ein.

Bei den Dateisystemen selbst erhält XFS Unterstützung für das Flag FALLOC_FL_WRITE_ZEROES, mit dem sich Nullen effizient über NVMe-Deallocate- beziehungsweise SCSI-Befehle schreiben lassen. Das Flag existiert bereits seit Linux 6.17, zunächst umgesetzt in Ext4; XFS zieht nun nach. Die übrigen Änderungen an XFS beschränken sich auf Routine-Bugfixes.

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Einordnung

Die Streichung von FreeVxFS und EFS reiht sich in eine längere Tradition der Kernel-Pflege ein, bei der ungenutzte oder unwartete Legacy-Komponenten regelmäßig entfernt werden, um den Code schlanker und wartbarer zu halten.

Für Anwender dürften die Änderungen kaum spürbar sein, da beide Dateisysteme in der Praxis seit Jahren keine nennenswerte Rolle mehr spielten. Größere praktische Auswirkungen dürften eher die Scheduling-Verbesserungen haben, von denen insbesondere latenzsensitive Server-Workloads profitieren könnten.

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