Lipoproteina, Bevölkerung

Lipoprotein(a): 20% der Bevölkerung haben erhöhte Werte

Veröffentlicht am: 09.08.2026 um 16:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Aktualisierte ESC/EAS- und ACC/AHA-Empfehlungen sehen Lp(a)-Tests fĂŒr alle Erwachsenen vor. Neue Therapieoptionen und Lebensstil-Interventionen rĂŒcken in den Vordergrund.

Lp(a)-Werte im Fokus: Neue Leitlinien fordern einmaliges Screening fĂŒr alle Erwachsenen
Ein medizinisches Herzmodell auf einem Schreibtisch in einer modernen Arztpraxis als Symbol fĂŒr kardiovaskulĂ€re Vorsorge. Illustration mit AI erstellt ĂŒbermittelt durch boerse-global.de

Lipoprotein(a), kurz Lp(a), gilt in der medizinischen Forschung als ein wesentlicher, genetisch bedingter und unabhĂ€ngiger Risikofaktor fĂŒr atherosklerotische kardiovaskulĂ€re Erkrankungen (ASCVD) sowie fĂŒr die kalzifizierende Aortenstenose. Da etwa 20 % der Bevölkerung einen Lp(a)-Wert von ĂŒber 50 mg/dl (entspricht etwa 105 nmol/l) aufweisen, haben internationale Fachgesellschaften ihre Leitlinien zur Diagnostik und Therapie in den vergangenen Monaten signifikant angepasst.

Genetische Grundlagen und Screening-Vorgaben

Die Konzentration von Lp(a) im Blut wird maßgeblich durch die Anzahl der KIV-2-Wiederholungen im LPA-Gen sowie durch spezifische genetische Varianten wie rs3798220 und rs10455872 bestimmt. Diese Faktoren erhöhen das Risiko fĂŒr koronare Herzkrankheiten deutlich. Im Gegensatz zu anderen Lipidwerten variiert der Lp(a)-Spiegel im Laufe des Lebens nur geringfĂŒgig, kann jedoch durch physiologische VerĂ€nderungen wie die Wechseljahre oder durch Erkrankungen wie Infektionen und Nierenleiden beeinflusst werden.

Die aktualisierten Empfehlungen der European Society of Cardiology (ESC) und der European Atherosclerosis Society (EAS) fĂŒr das Jahr 2025 sowie die Richtlinien der US-amerikanischen FachverbĂ€nde ACC/AHA aus dem Jahr 2026 sehen ein einmaliges Lp(a)-Screening fĂŒr jeden Erwachsenen vor. Als kritischer Schwellenwert wurde ein Cut-off von 50 mg/dl (105 nmol/l) definiert. In einigen LĂ€ndern, wie etwa in Tschechien, wurde die Lp(a)-Messung bereits Anfang 2026 fest in die Vorsorgeuntersuchungen bei HausĂ€rzten fĂŒr Patienten mit hohem kardiovaskulĂ€rem Risiko integriert.

Einfluss von Lebensstil und ErnÀhrung

Obwohl Lp(a) primĂ€r genetisch determiniert ist, deuten klinische Beobachtungen darauf hin, dass der Lebensstil eine ergĂ€nzende Rolle spielen kann. Der Kardiologe JosĂ© AbellĂĄn wies in aktuellen Analysen darauf hin, dass die ErnĂ€hrung den Lp(a)-Spiegel moderat beeinflussen könne. Insbesondere der Ersatz von gesĂ€ttigten Fetten durch Zucker oder Transfette fĂŒhre zu einer Erhöhung der Werte. Im Gegensatz dazu zeige eine mediterrane ErnĂ€hrung, die reich an Olivenöl, NĂŒssen und fettem Fisch ist, das Potenzial, die Lp(a)-Konzentration leicht zu senken.

ErgĂ€nzend dazu unterstreichen Studien der UK Biobank mit ĂŒber 17.000 Teilnehmern die Bedeutung körperlicher AktivitĂ€t. Eine wöchentliche Belastung von 150 Minuten mit moderater bis intensiver IntensitĂ€t reduziere das kardiovaskulĂ€re Gesamtrisiko um 8 bis 9 %. FĂŒr eine deutlichere Reduktion von ĂŒber 30 % seien jedoch deutlich höhere UmfĂ€nge von 560 bis 610 Minuten pro Woche erforderlich.

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Neue Zielwerte und medikamentöse Behandlungsstrategien

Die medizinischen Leitlinien fĂŒr 2025 und 2026 markieren einen Paradigmenwechsel hin zu einer aggressiveren und frĂŒhzeitigeren Behandlung von DyslipidĂ€mien. Die ESC/EAS fĂŒhrten fĂŒnf Risikokategorien ein, wobei fĂŒr Patienten mit extremem Risiko ein LDL-Cholesterin-Zielwert (LDL-C) von unter 1,0 mmol/l empfohlen wird. Die PrimĂ€rprĂ€vention sieht einen Behandlungsbeginn bei LDL-C-Werten ab 1,8 mmol/l fĂŒr sehr hohe Risikoprofile vor.

In den USA nutzen die ACC/AHA-Richtlinien von 2026 den sogenannten PREVENT-Risikorechner, der auf Daten von ĂŒber 3 Millionen Patienten basiert. SchĂ€tzungen zufolge sind allein in den USA 87,5 Millionen Erwachsene – das entspricht 56,6 % der 30- bis 79-JĂ€hrigen ohne bestehende GefĂ€ĂŸerkrankung – fĂŒr eine Statintherapie in der PrimĂ€rprĂ€vention geeignet.

Zur medikamentösen Therapie werden neben Statinen verstĂ€rkt Kombinationen mit Ezetimib, PCSK9-Inhibitoren, Inclisiran oder BempedoinsĂ€ure empfohlen. PCSK9-Inhibitoren können den Lp(a)-Spiegel zusĂ€tzlich um etwa 20 % senken. FĂŒr spezielle Patientengruppen, wie Kinder ab fĂŒnf Jahren mit familiĂ€rer HypercholesterinĂ€mie (hoFH), steht zudem Evinakumab zur VerfĂŒgung.

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FĂŒr die Risikobewertung in GrenzfĂ€llen gewinnt der Koronarkalzium-Score an Bedeutung. Ein Wert von 0 erlaubt laut den aktuellen ACC/AHA-Leitlinien einen Aufschub der Statintherapie um zwei bis fĂŒnf Jahre, wĂ€hrend Werte ab 100 eine sofortige Behandlung erfordern. In der Schweiz betonen neue Leitlinien des UniversitĂ€tsspitals ZĂŒrich zudem die Notwendigkeit, das lebenslange Risiko statt nur eines 10-Jahres-Fensters zu betrachten.

Ein technologischer Ansatz zur Senkung der Lipidlast wird an der TU Dresden untersucht. In Studien konnte eine LDL-Apherese nicht nur das LDL-C pro Sitzung um 50 bis 70 % senken, sondern bei einer kleinen Patientengruppe auch die Belastung durch per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS) signifikant reduzieren, da diese Stoffe an die Lipidpartikel binden.

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