Lit-Met-Studie: Über 200 Patienten prüfen Lebertransplantation bei Metastasen
Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 17:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Neue wissenschaftliche Initiativen erweitern das Spektrum der Transplantationsmedizin und eröffnen Betroffenen veränderte Behandlungsperspektiven. Im Mittelpunkt eines Vorhabens am Universitätsklinikum Jena steht der Einsatz von Lebertransplantationen bei fortgeschrittenen Krebserkrankungen: Der Jenaer Transplantationschirurg Falk Rauchfuß leitet die internationale Studie des EU-Projekts Lit-Met, welche die Lebertransplantation als Behandlungsoption bei Dickdarmkrebs-Metastasen untersucht.
Zugleich erforschen Mediziner an der Medizinischen Hochschule Hannover neue zelltherapeutische Wege, um die Verträglichkeit implantierter Organe langfristig zu sichern.
Das Lit-Met-Projekt und chirurgische Optionen bei Lebermetastasen
In Deutschland verzeichnet Dickdarmkrebs jährlich etwa 55.000 Neudiagnosen. Bei rund der Hälfte der Betroffenen entwickeln sich im Verlauf Lebermetastasen, wobei eine chirurgische Teilentfernung der Leber lediglich bei etwa 20 bis 30 Prozent der Patienten möglich ist. Vor diesem Hintergrund koordiniert das Universitätsklinikum Jena die internationale transplantationsonkologische Studie im EU-Projekt Lit-Met.
Frühere Erkenntnisse stützen das Vorhaben: In einer gemeinsamen Untersuchung mit der Uniklinik Tübingen im Leberlebendspende-Programm wurden bei entsprechender Eignung Fünf-Jahres-Überlebensraten von bis zu 75 Prozent durch eine zweistufige Lebertransplantation erreicht.
Die nun anlaufende randomisierte prospektive Studie stellt die Lebertransplantation der klassischen Teilentfernung der von Metastasen betroffenen Leber gegenüber. Ab dem kommenden Jahr sollen über 200 Patienten in 30 europäischen Studienzentren an der Untersuchung teilnehmen.
Hinter dem Projekt Lit-Met steht ein Verbund von 21 Universitäten und klinischen Forschungseinrichtungen, koordiniert von der Universität Bologna. Der Europäische Forschungsrat fördert die Initiative mit zehn Millionen Euro.
Bei Dickdarmkrebs bilden sich bei etwa der Hälfte der Betroffenen Lebermetastasen — und nur bei rund 20 bis 30 Prozent ist eine chirurgische Teilentfernung möglich. Eine internationale Studie untersucht nun, ob eine Lebertransplantation für geeignete Patienten eine Perspektive sein kann. Unser kostenloser Ratgeber ordnet ein, was das für Betroffene und Angehörige bedeutet. Kostenlosen Ratgeber jetzt anfordern
Zelltherapie an der MHH für einen dauerhaften Organschutz
Während in Jena die onkologische Indikation im Vordergrund steht, zielt das Projekt „AgEndo“ an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) auf den langfristigen Funktionserhalt transplantierter Organe ab. Das Land Niedersachsen und die VolkswagenStiftung fördern das Projekt mit rund 2,4 Mio. Euro für drei Jahre.
Eine maßgeschneiderte Zelltherapie mit regulatorischen T-Zellen (Tregs) soll nach Herz- oder Lungentransplantationen bei Kindern dazu beitragen, die notwendige Immunsuppression zu verringern und die Organfunktion zu verlängern.
Für das Verfahren werden die Tregs aus dem Thymusgewebe des Empfängers gewonnen, im Labor vermehrt und gezielt auf das Spenderorgan ausgerichtet. Die Ergebnisse sollen die Grundlage für künftige klinische Studien bilden.
Wer auf ein Spenderorgan wartet, kennt die Ungewissheit — und bei Lebermetastasen kommt die Frage hinzu, ob überhaupt operiert werden kann. Ein begleiteter Weg durch die Entscheidung beginnt mit den richtigen Fragen: Welche Kriterien zählen, was bedeutet Eignung, wann ist eine Zweitmeinung sinnvoll? Unser Ratgeber gibt Ihnen dafür eine klare Struktur an die Hand. Fragenkatalog und Orientierung jetzt sichern
Langfristig ist der Einsatz der Methode auch bei weiteren Organtransplantationen, Autoimmunerkrankungen sowie der Graft-versus-Host-Erkrankung vorgesehen. Initiiert wurde das Vorhaben von PD Dr. Fatih Noyan und PD Dr. Alexander Horke; zum Antragstellerteam gehören zudem PD Dr. Sybille Landwehr-Kenzel, PD Dr. Nikolaus Schwerk und Prof. Dr. Martin Böhne.
Der Bedarf an verbesserten Therapieverfahren bleibt hoch: Die MHH gilt als Deutschlands größtes Transplantationszentrum und verzeichnet jährlich 300 bis 400 transplantierte Organe, während bundesweit derzeit etwa 8.200 Menschen auf Spenderorgane wie Nieren, Herzen, Lebern und Lungen warten.
