Lithium-Pilotstudie, Teilnehmende

Lithium-Pilotstudie: Rund 40 Teilnehmende zeigen keinen messbaren Nutzen

Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 19:14 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Studien belegen bislang keinen vorbeugenden Effekt; zugleich sind Lithiumpräparate in Deutschland und der EU nicht als Nahrungsergänzung zugelassen.

Lithium gegen Gehirnalterung: Nutzen bleibt wissenschaftlich unbelegt
Nahaufnahme von kristallinen Mineralstrukturen auf einer dunklen, texturierten Gesteinsoberfläche bei natürlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

In sozialen Netzwerken wird Lithium zunehmend als Mittel gegen die Alterung des Gehirns thematisiert. Aktuelle Medienberichte weisen jedoch darauf hin, dass die wissenschaftliche Datenlage für einen solchen Einsatz derzeit als unzureichend einzustufen ist. Während der Stoff in der Psychiatrie seit Jahrzehnten etabliert ist, fehlen für einen präventiven Schutz des menschlichen Gehirns durch Lithium bislang belastbare Belege.

Forschungsergebnisse zu kognitiven Beeinträchtigungen

Wissenschaftliche Untersuchungen lieferten in den vergangenen Jahren unterschiedliche Anhaltspunkte zur Rolle von Lithium im Gehirn. Eine im August 2025 in der Fachzeitschrift Nature veröffentlichte Studie der Harvard University stellte fest, dass die Lithiumwerte im Gehirn von Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen geringer ausfielen als bei gesunden Vergleichsgruppen.

In Versuchen mit Mäusen beobachteten die Forscher zudem, dass ein Lithiummangel die Entstehung von Ablagerungen begünstigte, die typisch für eine Alzheimer-Erkrankung sind.

Trotz dieser Beobachtungen im Labor und im Tiermodell lassen sich diese Ergebnisse nicht ohne Weiteres auf die klinische Anwendung beim Menschen übertragen.

Eine im Frühjahr 2026 veröffentlichte Pilotstudie, an der rund 40 Personen teilnahmen, untersuchte die Gabe von Lithiumcarbonat über einen Zeitraum von zwei Jahren. In dieser Untersuchung konnte keine signifikante Wirkung des Stoffes auf den Krankheitsverlauf oder die kognitive Leistung nachgewiesen werden.

Untersuchungen zu Lithiumorotat und Bioverfügbarkeit

Neben dem medizinisch genutzten Lithiumcarbonat rückt in Diskussionen häufig Lithiumorotat in den Fokus, eine Verbindung aus Lithium und Orotsäure. Eine anerkannte Zufuhrempfehlung oder eine universelle Dosierung für die Supplementierung existiert für diese Verbindung bislang nicht.

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In einer kleineren Untersuchung mit neun gesunden männlichen Probanden wurde die Aufnahme von Lithiumorotat analysiert. Die Teilnehmer nahmen über einen Zeitraum von maximal 28 Tagen täglich 5 mg Lithium ein.

Zwar konnte das Element anschließend im Gehirn der Probanden nachgewiesen werden, was die Überwindung der Blut-Hirn-Schranke belegt, doch leiteten die beteiligten Fachleute daraus ausdrücklich keinen Beleg für eine therapeutische oder präventive Wirksamkeit ab.

Ein Problem bei frei verfügbaren Informationen und Produkten ist zudem die Kennzeichnung der Inhaltsstoffe. Die Angaben „1 mg“ oder „5 mg“ können sich entweder auf das reine elementare Lithium oder auf die Gesamtmasse der chemischen Verbindung beziehen, was die Vergleichbarkeit und Sicherheit erschwert.

Zudem kursieren Angebote für Lösungen mit 0,5 mg elementarem Lithium pro Milliliter und einer Reinheit von über 98,5 %, die jedoch ausdrücklich nicht für den Verzehr vorgesehen sind.

Gesundheitliche Risiken und regulatorischer Status

Die Verwendung von Lithium ist mit erheblichen gesundheitlichen Risiken verbunden, insbesondere bei einer unkontrollierten Einnahme. Höhere Dosierungen, wie sie bei der Anwendung von Lithiumcarbonat vorkommen können, bergen das Potenzial, die Funktion der Schilddrüse und der Nieren dauerhaft zu schädigen.

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Aufgrund dieser Sicherheitsbedenken und der fehlenden Zulassung als Nährstoff dürfen Lithium-Nahrungsergänzungsmittel in Deutschland sowie in der gesamten Europäischen Union nicht verkauft werden.

Fachleute warnen daher vor dem eigenständigen Experimentieren mit entsprechenden Präparaten. Solange klinische Langzeitstudien am Menschen fehlen, die einen klaren Nutzen gegenüber den Risiken belegen, bleibt der Einsatz von Lithium zur allgemeinen Förderung der Hirngesundheit spekulativ.

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