Live-Standort, Datenschutz

Live-Standort teilen: Diese Risiken sollten Freunde und Familien kennen

Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 04:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Live-Standort teilen kann Treffen erleichtern und Angehörige beruhigen. Fachleute warnen jedoch vor falscher Sicherheit, Überwachungsdruck und dem Verlust sensibler Bewegungsdaten.

  • Was passiert, wenn Menschen sagen, dass sie ihren Live-Standort nicht teilen wollen? Sind die anderen dann misstrauisch oder beleidigt? (Symbolbild) - Bild: Jens Kalaene/dpa
    Was passiert, wenn Menschen sagen, dass sie ihren Live-Standort nicht teilen wollen? Sind die anderen dann misstrauisch oder beleidigt? (Symbolbild) - Bild: Jens Kalaene/dpa
  • Seinen Live-Standort zu teilen, kann praktisch sein, etwa wenn man sich auf einem Musikfestival, einer Demonstration oder einer anderen Großveranstaltung mit Freunden treffen will. (Symbolbild) - Bild: Jens Kalaene/dpa
    Seinen Live-Standort zu teilen, kann praktisch sein, etwa wenn man sich auf einem Musikfestival, einer Demonstration oder einer anderen Großveranstaltung mit Freunden treffen will. (Symbolbild) - Bild: Jens Kalaene/dpa
  • Freunde und Familie können den Live-Standort verfolgen und wissen, dass man gut angekommen ist. (Symbolbild) - Bild: Jens Kalaene/dpa
    Freunde und Familie können den Live-Standort verfolgen und wissen, dass man gut angekommen ist. (Symbolbild) - Bild: Jens Kalaene/dpa
  • Aus den Standort-Daten von Personen kann man auch viel herauslesen. (Symbolbild) - Bild: Jens Kalaene/dpa
    Aus den Standort-Daten von Personen kann man auch viel herauslesen. (Symbolbild) - Bild: Jens Kalaene/dpa
Was passiert, wenn Menschen sagen, dass sie ihren Live-Standort nicht teilen wollen? Sind die anderen dann misstrauisch oder beleidigt? (Symbolbild) - Bild: Jens Kalaene/dpa Seinen Live-Standort zu teilen, kann praktisch sein, etwa wenn man sich auf einem Musikfestival, einer Demonstration oder einer anderen Großveranstaltung mit Freunden treffen will. (Symbolbild) - Bild: Jens Kalaene/dpa Freunde und Familie können den Live-Standort verfolgen und wissen, dass man gut angekommen ist. (Symbolbild) - Bild: Jens Kalaene/dpa Aus den Standort-Daten von Personen kann man auch viel herauslesen. (Symbolbild) - Bild: Jens Kalaene/dpa

Viele Menschen teilen über ihr Smartphone ihren Live-Standort mit Familie und Freunden, doch die Funktion bringt neben praktischen Vorteilen auch Risiken für Sicherheit, Privatsphäre und persönliche Freiheit.

Standortteilen ist für viele Alltag

Eine repräsentative Befragung im Auftrag des Digitalverbands Bitkom zeigt, dass 14 Prozent von mehr als 1.400 Befragten den Standort bereits dauerhaft mit einer Partnerin oder einem Partner geteilt haben. Bei den 16- bis 29-Jährigen sei es fast jede und jeder Vierte. Als Gründe nannten die Befragten vor allem ein größeres Sicherheitsgefühl und praktische Vorteile; 54 Prozent lehnten das dauerhafte Teilen grundsätzlich ab.

Praktisch bei Treffen und auf dem Heimweg

Bei Festivals, Demonstrationen oder anderen Großveranstaltungen kann der Live-Standort helfen, sich ohne lange Telefonate zu finden. Auch auf schwierigen Touren, nachts auf dem Heimweg oder bei einem ersten Treffen mit einer Online-Bekanntschaft kann die Funktion das Sicherheitsgefühl erhöhen.

Die polizeiliche Kriminalprävention von Bund und Ländern weist darauf hin, dass vertraute Personen dadurch schneller handeln könnten, wenn jemand von seinen üblichen Bewegungen abweiche oder in Schwierigkeiten gerate. Martina Plackmann betont zugleich, das Teilen erhöhe vor allem die gefühlte Sicherheit, nicht automatisch die tatsächliche.

Falsche Sicherheit und sozialer Druck

Der Medienethiker Christian Schicha warnt davor, dass sich Menschen durch die Technik sogar in falscher Sicherheit wiegen könnten. Selbstverteidigung, Pfefferspray oder die Begleitung durch eine andere Person könnten in bestimmten Situationen sinnvoller sein.

Das Teilen kann außerdem Missverständnisse, Misstrauen und Rechtfertigungsdruck auslösen. Wer den Standort nicht mehr teilen möchte, könnte sich mit der Erwartung konfrontiert sehen, dies erklären zu müssen. Zugleich gehen spontane Nachrichten oder Anrufe verloren, durch die Nähe und Anteilnahme entstehen.

Standortdaten verraten Bewegungsmuster

Aus Standortdaten lassen sich Aufenthaltsorte, Wege und mögliche Kontakte ableiten. Diese Informationen können für Werbung interessant sein. Bei kleineren Apps sehen Experten besondere Risiken; auch Smartwatches zur Überwachung von Kindern seien beim Datenschutz stark vom jeweiligen Hersteller abhängig.

Überwachung kann zur Gewohnheit werden

Markus Reuter von Netzpolitik.org warnt, private Überwachung könne staatliche Überwachung erleichtern, wenn weitreichende Datenbestände bereits vorhanden seien. Eine dauerhafte Beobachtung könne zudem dazu führen, dass Menschen ihr Verhalten unbewusst an den vermuteten Erwartungen anderer ausrichten.

Eine US-Studie zum Tracking junger Erwachsener zeigt neben einem häufig stärkeren Sicherheitsgefühl auch eine Kehrseite: Knapp ein Viertel der befragten Eltern gab an, dass die Überwachung sie manchmal eher beunruhige.

Standortdaten sind besonders aussagekräftig

Ein geteilter Live-Standort zeigt nicht nur den aktuellen Aufenthaltsort. Aus wiederkehrenden Bewegungen lassen sich Wohn- und Arbeitsorte, Besuche bei Ärzten oder religiösen Einrichtungen sowie soziale Kontakte ableiten. Damit gehört Standortinformation zu den Daten, die tief in die Privatsphäre eingreifen können.

Freiwilligkeit bleibt entscheidend

Praktisch ist die Funktion vor allem dann, wenn sie zeitlich begrenzt und für einen konkreten Zweck eingesetzt wird – etwa bei einer Wanderung, auf einem Festival oder auf dem Heimweg. Dauerhaftes Teilen verändert dagegen die Beziehung: Aus freiwilliger Information kann eine Erwartung werden, deren Beendigung Misstrauen oder Konflikte auslöst.

Technik ersetzt keine Absprachen

Für den Alltag bedeutet das: Nutzer sollten regelmäßig prüfen, mit welchen Personen und Apps sie ihren Standort teilen, welche Berechtigungen aktiv sind und wie lange Daten gespeichert werden. Auch der Schutz des Kontos und die Vertrauenswürdigkeit einer App spielen eine Rolle. Ein Live-Standort kann im Notfall helfen, garantiert aber weder Sicherheit noch eine schnelle Reaktion. Die wichtigste Grenze bleibt deshalb die freie Zustimmung aller Beteiligten.

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