Lkw-Fahrermangel: 750.000 Stellen bis 2028 unbesetzt
Veröffentlicht am: 18.09.2026 um 19:21 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Automobilindustrie forciert zunehmend die tiefe Integration autonomer Fahrsysteme direkt in die Fertigungsprozesse. Ein zentrales Vorhaben in diesem Segment ist das Programm von International Motors, das bereits Ende Oktober 2025 angekündigt wurde. In Zusammenarbeit mit PlusAI entwickelt das Unternehmen werkseitig installierte Level-4-Trucks.
Die technologische Grundlage bildet hierbei die Plattform NVIDIA DRIVE AGX Hyperion, die mit dem Thor-System-on-a-Chip (SoC) und der Softwarelösung PlusAI SuperDrive ausgestattet ist. Bisher wurden jedoch weder ein konkreter Produktionsstart noch Preisangaben für diese Fahrzeuge veröffentlicht.
Technologische Basis und die Bedeutung realer Validierungsdaten
Die Skalierung solcher Systeme hängt maßgeblich von der Validierung ab. Branchenexperten wie der CEO von Nauto betonten im Mai 2026, dass für eine sichere Einführung autonomer Systeme reale Daten im Umfang von hunderten Milliarden Meilen erforderlich seien.
Ein Start dieser Technologien werde demnach zunächst auf stark frequentierten Korridoren wie der Interstate 10 erwartet. Für die kommenden zwei Jahre wird eine Flotte von rund 100.000 bis 200.000 selbstfahrenden Fahrzeugen projiziert, was einen Bruchteil der insgesamt etwa 12 Millionen Lastkraftwagen in den USA darstellt.
Parallel dazu treiben andere Hersteller ähnliche Hardware-Strategien voran. Volvo Autonomous Solutions betreibt bereits autonome Lkw ab dem Werk in Palmer, Texas, und plant einen vollständig fahrerlosen Betrieb ab Anfang 2027. Bis Ende 2027 soll die dortige Flotte auf bis zu 300 Fahrzeuge anwachsen.
Aurora Innovation konnte bis Juni 2026 nachweisen, dass ihre Systeme seit Beginn des fahrerlosen Betriebs im Vorjahr fast 440.000 Meilen ohne sicherheitsrelevante Kollisionen zurückgelegt haben.
Marktdynamik und strategische Allianzen in Europa und Asien
Neben dem schweren Güterverkehr rücken auch Personentransporte und die Mittelstreckenlogistik in den Fokus. Im September 2026 wurde eine strategische Partnerschaft zwischen Lucid und dem Mobilitätsdienstleister Bolt bekannt.
Während in Edermünde seit dem 15. September ein kabinenloser Level-4-Elektro-Truck ohne Fahrer und ohne Sicherheitsoperator an Bord Paletten zwischen Lager und Verteilzentrum bewegt, bleiben europaweit rund 502.000 Lkw-Fahrerstellen unbesetzt. Wer jetzt prüft, ob autonome Transporte auf eigenen Routen tragen, braucht belastbare Antworten zu Genehmigungsweg und Kostenstruktur. Kostenlosen Leitfaden zu autonomen Logistik-Pilotprojekten anfordern
Ziel ist der Einsatz von bis zu 25.000 vollautonomen Lucid-Fahrzeugen in europäischen Städten. Diese sollen auf einer kommenden Midsize-Plattform basieren und ebenfalls NVIDIA DRIVE Thor nutzen. Bolt strebt an, bis zum Jahr 2035 insgesamt 100.000 autonome Fahrzeuge auf seiner Plattform zu betreiben, wobei erste Robotaxis laut Unternehmensangaben nicht vor 2028 in Europa erwartet werden.
In Asien zeigt GAC Commercial Vehicle auf der IAA Transportation 2026 technologische Fortschritte. Der T9 Robotruck nutzt Level-4-Technik von Pony.ai und ist mit umfangreicher Sensorik, darunter neun LiDAR-Systemen, ausgestattet.
Laut Herstellerangaben konnten die Hardwarekosten im Vergleich zur Vorgeneration um 70 Prozent gesenkt werden, während die Transportkosten pro Tonnenkilometer im autonomen Betrieb um etwa 30 Prozent sanken. Hyundai hingegen bestätigte Mitte September 2026 eine Verschiebung der eigenen Fahrassistenz-Plattform Atria von Ende 2027 auf die zweite Hälfte des Jahres 2029.
Pilotprojekte und die Skalierung fahrerloser Logistiklösungen
Ein Meilenstein für den deutschen Markt wurde am 15. September 2026 verzeichnet. In Edermünde starteten Lidl Deutschland und Einride den Betrieb eines kabinenlosen Level-4-Elektro-Trucks.
Das Fahrzeug operiert ohne Fahrer oder Sicherheitsoperator an Bord auf einer Route zwischen einem Lager und einem Verteilzentrum. Die Genehmigung durch das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) ermöglicht dieses Projekt, das zunächst auf vier Monate angelegt ist und über 3.000 Paletten transportieren soll.
Der Fachkräftemangel ist kein Zukunftsszenario: Schätzungen zufolge könnten bis 2028 rund 750.000 Lkw-Fahrerstellen in Europa unbesetzt sein, und ein erheblicher Teil der heutigen Fahrer geht in den kommenden Jahren in Rente. Autonome Systeme sind bislang nur in geografisch definierten Gebieten und mit externer technischer Aufsicht zugelassen — wer die eigene Flotte absichern will, muss diese Bedingungen kennen. Leitfaden zur KBA-Genehmigung autonomer Transporte sichern
Der Bedarf an solchen Lösungen wird durch den zunehmenden Fachkräftemangel unterstrichen. Schätzungen der IRU vom Juni 2026 zufolge waren bereits im Jahr 2025 rund 502.000 Lkw-Fahrerstellen in Europa unbesetzt. Branchenprognosen gehen davon aus, dass diese Zahl bis 2028 auf etwa 750.000 steigen könnte.
Strategische Partnerschaften wie jene zwischen DXC Technology und dem Schweizer Unternehmen LOXO zielen darauf ab, die Level-4-Autonomie speziell für die Logistik der letzten Meile zu skalieren, um diesen personellen Engpässen zu begegnen.
