Long COVID: Fast 48% der Patienten erleben Virus-Reaktivierung
Veröffentlicht am: 17.08.2026 um 19:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Erforschung von Langzeitfolgen nach einer Coronavirus-Infektion konzentriert sich zunehmend auf die Rolle bereits im Körper vorhandener, aber ruhender Krankheitserreger.
Eine umfassende Untersuchung, die unter anderem vom Boston Children's Hospital durchgeführt und in der Fachzeitschrift Nature veröffentlicht wurde, liefert neue Daten zur Häufigkeit und den Auswirkungen solcher Virus-Reaktivierungen bei hospitalisierten Patienten. Die Ergebnisse legen einen Zusammenhang zwischen der Reaktivierung latenter Viren und dem Auftreten von Long-COVID-Symptomen nahe.
Hohe Reaktivierungsrate bei hospitalisierten Patienten
Die Untersuchung stützt sich auf Daten von 1.154 ungeimpften Patienten, die im Zeitraum von Mai 2020 bis März 2021 in 20 US-Krankenhäusern und 15 beteiligten Institutionen aufgrund von COVID-19 behandelt wurden. Den Analysen zufolge kam es bei 47,9 % dieser Patienten innerhalb von 40 Tagen nach der Infektion zur Reaktivierung latenter Viren.
Insgesamt identifizierten die Forscher 11 verschiedene Viren, die erneut aktiv wurden. Dazu gehörten unter anderem das Epstein-Barr-Virus (EBV), das Zytomegalievirus (CMV), das Herpes-simplex-Virus Typ 1 (HSV-1) sowie Anelloviren (Anelloviridae).
Besonders auffällig war die Dynamik beim Epstein-Barr-Virus. Eine EBV-Reaktivierung wurde bei 27,1 % der COVID-positiven Patienten festgestellt, während dieser Wert in einer Vergleichsgruppe von COVID-negativen Patienten lediglich bei 12,5 % lag.
Bereits in den ersten acht Tagen nach der Infektion konnte bei 24 % der Betroffenen eine Reaktivierung von EBV nachgewiesen werden. Die Studienautoren hielten fest, dass diese Prozesse auch bei Patienten auftraten, die als immunkompetent gelten.
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Verbindung zu Entzündungsprozessen und Long COVID
Die Reaktivierung der Viren ging laut der Nature-Studie mit erhöhten Entzündungsmarkern im Blut einher. Die Forscher beobachteten zudem eine Korrelation mit typischen Long-COVID-Symptomen wie Fatigue und deutlichen körperlichen Beeinträchtigungen.
Insbesondere Transkripte von Anelloviridae wurden häufiger bei Patienten gefunden, die über langanhaltende physische Einschränkungen klagten, wobei dieser Zusammenhang auch nach statistischer Adjustierung bestehen blieb.
Diese Erkenntnisse werden durch frühere Forschungsarbeiten gestützt. Eine Studie aus dem Jahr 2025 zeigte bereits eine EBV-Reaktivierung bei 28,6 % der Long-COVID-Patienten, verglichen mit 11,3 % in der Kontrollgruppe. Ergänzend dazu untersuchte eine britische Längsschnittstudie, deren Ergebnisse im Journal of Sleep Research veröffentlicht wurden, die Persistenz von Schlafstörungen und Fatigue.
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Anhand von Daten der COVID Symptom Study Biobank aus dem Herbst 2021 und dem Frühjahr 2022 wurde deutlich, dass diese Beschwerden bei vielen Teilnehmern auch Monate nach dem Ende öffentlicher Einschränkungen fortbestanden.
Therapeutische Ansätze und Forschungsstand
Trotz der deutlichen statistischen Zusammenhänge betonen die beteiligten Wissenschaftler, dass mit den vorliegenden Daten kein kausaler Nachweis erbracht wurde. Es sei bislang nicht abschließend geklärt, ob die Virus-Reaktivierung die direkte Ursache für Long COVID ist oder ob beide Phänomene eine gemeinsame zugrunde liegende Ursache haben.
In Bezug auf mögliche Behandlungsformen lieferte der REVIVE-TOGETHER-Trial neue Anhaltspunkte. In dieser Untersuchung mit 399 Erwachsenen, die seit mindestens 90 Tagen an Long-COVID-Fatigue litten, wurde die Wirkung verschiedener Wirkstoffe geprüft. Dabei zeigte Fluvoxamin eine signifikante Verbesserung der Fatigue und der allgemeinen Lebensqualität, wobei die statistische Wahrscheinlichkeit der Wirksamkeit mit 99 % angegeben wurde.
Im Gegensatz dazu konnte für den Wirkstoff Metformin in diesem Kontext kein Effekt nachgewiesen werden. Die Forschung zur gezielten Behandlung der Virus-Reaktivierung und deren Folgen bleibt somit ein zentrales Feld der klinischen Entwicklung.
