Long-COVID: G-BA erlaubt ab 11. Juni vier neue Wirkstoffe
13.06.2026 - 10:41:38 | boerse-global.de
Neben klassischen Medikamenten testen Forscher zunehmend physikalische und hormonelle Ansätze.
Kühlung gegen depressive Symptome
Eine Pilotstudie der Penn State University setzt auf Kälte. Die im April 2026 in „Acta Psychologica“ veröffentlichte Untersuchung nutzte eine spezielle Kühlkappe. Bei Probanden zwischen 18 und 26 Jahren führte eine 30-minütige Anwendung bei 0,5 Grad Celsius zu messbar höheren Alpha-Wellen im EEG. Das deutet auf einen entspannten Wachzustand hin. Die Teilnehmer berichteten über eine deutlichere Symptomreduktion als die Kontrollgruppe.
Hormone als Zusatztherapie
Die Charité Berlin erforscht den Einsatz des Steroidhormons DHEA (Dehydroepiandrosteron). Eine multizentrische Studie an neun Standorten untersucht, ob sich damit therapieresistente Depressionen besser behandeln lassen. Das Projekt wird mit 2,3 Millionen Euro gefördert. Ziel sind belastbare Daten für eine personalisierte Therapie, die das Immun- und Stresssystem der Patienten berücksichtigt.
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Die Universität Regensburg intensiviert die Forschung zur repetitiven transkraniellen Magnetstimulation (rTMS). Dabei stimulieren gezielte Magnetwellen den dorsolateralen präfrontalen Kortex. Die COIL-/STOP-D-Studie prüft, ob eine einwöchige Intensivbehandlung mit 25 Sitzungen bei schweren Verläufen Erfolge erzielt.
Lebensstil: Was hilft wirklich – und was nicht
Das Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik hat gängige Annahmen überprüft. Die Auswertung schwedischer Zwillingsregister aus den Jahren 2012 und 2022 fand keinen kausalen Zusammenhang zwischen häufigem Musikhören und besserer psychischer Gesundheit. Die Autoren betonen: Alltäglicher Medienkonsum ist nicht mit gezielter Musiktherapie gleichzusetzen.
Eine chinesische Querschnittsstudie in „Frontiers in Psychiatry“ zeigt dagegen klare Vorteile für ausreichenden Schlaf. Bei über 12.000 Senioren korrelierte eine Schlafdauer von sieben bis neun Stunden mit einem signifikant geringeren Risiko für depressive Symptome.
Auch Kaffee könnte schützen. Eine Langzeitstudie der Universität Fuzhou begleitete rund 460.000 Teilnehmer über 13 Jahre. Ergebnis: Zwei bis drei Tassen pro Tag senken das Risiko für depressive Episoden. Forscher der Texas A&M University führen das auf Kaffeesäure und Chlorogensäure zurück, die Entzündungsprozesse regulieren.
Migräne: Wetter als Auslöser
Die University of Cincinnati hat zwei spezifische Wetterlagen identifiziert, die bei bis zu 50 Prozent der Patienten Migräneattacken auslösen: das Herannahen von Kaltfronten mit Niederschlag sowie Hochdruckgebiete mit hoher Temperatur und Luftfeuchtigkeit.
Zur Prävention empfehlen Experten eine frühe, konsequente Therapie – sonst droht Chronifizierung. Neben CGRP-Antikörpern und Betablockern kommen ergänzend Akupunktur, kognitive Verhaltenstherapie und pflanzliche Wirkstoffe wie Pfefferminzöl infrage.
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Cannabis-Wirkstoff als Opioid-Alternative
Für Patienten mit chronischen Schmerzen zeichnet sich eine neue Option ab. Ein Wirkstoff auf Cannabis-Basis soll im Herbst 2026 in Deutschland auf den Markt kommen. Er könnte eine Alternative zu herkömmlichen Opioiden bieten.
Neue Regeln für Long-COVID
Seit dem 11. Juni 2026 gelten neue Regelungen des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA). Sie erlauben den Off-Label-Use von vier Wirkstoffen bei Long- und Post-COVID. Dazu gehören Agomelatin bei Fatigue sowie Vortioxetin bei kognitiven Beeinträchtigungen und Depressionen.
Social Prescribing: Arzt verschreibt soziale Hilfe
In Karlsruhe läuft ein Pilotprojekt zum „Social Prescribing“. Hausärzte verschreiben dort soziale Interventionen wie Ernährungsberatung oder soziale Unterstützung. Ziel ist es, gesundheitliche Folgen von Altersarmurt abzumildern. Die Ergebnisse des sechsmonatigen Projekts sollen in einen für 2027 geplanten Aktionsplan einfließen.
