Long-Covid: Gericht erkennt Schwerbehinderung an – GdB 50
Veröffentlicht: 09.07.2026 um 11:36 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Während Forschung und Gerichte neue Wege öffnen, hängt die Politik hinterher.
Thüringen: Versprochen, aber nicht geliefert
In Thüringen klafft eine Lücke zwischen Ankündigung und Umsetzung. Eine Landtagsinitiative vom März 2024 sollte Abhilfe schaffen. Doch ein spezifisches Ärzteverzeichnis für Betroffene existiert bis heute nicht. Auch eine Aufklärungskampagne? Fehlanzeige, so das Gesundheitsministerium.
Dabei steigen die Patientenzahlen rasant. 2024 wurden rund 9.000 Menschen ambulant wegen ME/CFS behandelt, 2025 waren es bereits knapp 10.000. Die stationären Fälle sanken dagegen von 1.400 auf 700. Kritiker werfen der Regierung vor, die Versorgung zu vernachlässigen. Die Landesärztekammer arbeitet noch an den nötigen Spezialisierungen.
Oberösterreich: Ein Zentrum entsteht
Andernorts tut sich mehr. Am Klinikum Wels-Grieskirchen ist für 2027 eine spezialisierte Anlaufstelle geplant. Das Budget: 1,2 Millionen Euro bis 2028, finanziert von Land und Sozialversicherung.
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Das Konzept setzt auf ein dreistufiges Modell. Ein Kernteam aus Fachärzten, Pflegekräften und Sozialarbeitern soll die Betreuung übernehmen. Ziel ist es, die jahrelange Odyssee vieler Patienten zu beenden und eine leitliniengerechte Diagnostik zu sichern.
Forschung: Der genetische Schlüssel
Die Wissenschaft macht Fortschritte. Der Epidemiologe Matthias Wielscher von der MedUni Wien erhielt den mit 450.000 Euro dotierten WE&ME Award. Er nutzt den DecodeME-Datensatz mit Daten von rund 17.000 Patienten.
Die Forscher suchen nach genetischen Varianten und Subtypen der Erkrankung. Ihr Ziel: personalisierte Therapien. Weitere Projekte werden vom Wissenschaftsfonds FWF mit 1,3 Millionen Euro gefördert. Biologische Marker sollen die „Black Box“ der Erschöpfungserkrankungen endlich öffnen.
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Gericht: Schwerbehinderung anerkannt
Die Justiz zieht mit. Das Sozialgericht Speyer sprach einem Long-Covid-Patienten einen Grad der Behinderung (GdB) von 50 zu. Der Mann hatte sich im März 2021 infiziert und leidet unter Erschöpfung, Schwindel und Konzentrationsstörungen.
Das Gericht stützte sich auf ein neurologisches Gutachten, das organische Ursachen bestätigte. Mit der Anerkennung als Schwerbehinderter erhält der Betroffene Schutzrechte: Kündigungsschutz, Zusatzurlaub und Steuervorteile. Ein Signal, dass die massiven Folgen chronischer Erschöpfung endlich ernst genommen werden.
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