Lothian Birth Cohort: 866 Menschen zeigen Hinweise auf schnelleren Abbau
Veröffentlicht am: 17.10.2026 um 21:53 Uhr | Redaktion boerse-global.deWissenschaftler der UniversitÀt Edinburgh und des UK Dementia Research Institute haben in einer in der Fachzeitschrift Nature Medicine veröffentlichten Studie vom 16. Oktober 2026 einen Zusammenhang zwischen einer altersbedingten Dysfunktion von Oligodendrozyten und einem beschleunigten kognitiven Abbau festgestellt.
Die Ergebnisse liefern neue Hinweise darauf, wie zellulĂ€re VerĂ€nderungen der weiĂen Substanz die geistige LeistungsfĂ€higkeit im Alter beeinflussen können.
Oligodendrozyten sind Gliazellen im zentralen Nervensystem, die fĂŒr die Bildung der isolierenden Myelinschicht um Nervenfasern zustĂ€ndig sind. Den Forschungsergebnissen zufolge können diese Zellen im Alter dysfunktional werden und abnormale Mengen an Myelin produzieren. Dieser Vorgang schĂ€digt die umliegenden Nervenfasern und steht in Verbindung mit einem schnelleren Nachlassen der geistigen FĂ€higkeiten.
Daten der Lothian Birth Cohort liefern Einblicke
Als Datengrundlage diente den Forschern die sogenannte Lothian Birth Cohort 1936. Innerhalb dieser Langzeitstudie mit 1.091 Teilnehmern absolvierten 866 Personen nach Erreichen des 70. Lebensjahres zusÀtzliche kognitive Tests. Im Altersbereich zwischen 70 und 82 Jahren untersuchten die Wissenschaftler dabei das GedÀchtnis, die Geschwindigkeit der Informationsverarbeitung sowie das rÀumliche VerstÀndnis der Probanden.
Die Auswertungen zeigten, dass die biologischen VerÀnderungen mit dem Tempo des geistigen Abbaus korrelierten und nicht mit dem Testergebnis zu einem bestimmten einzelnen Alter.
Bei Personen mit schnellerem kognitivem Verfall fanden sich in postmortalen Hirngewebeproben MyelinschĂ€den sowie eine abnorm verdickte Myelinschicht, mehr Oligodendrozyten und dĂŒnnere Nervenfasern. Bei stĂ€rkerem Abbau lieĂen sich zudem insgesamt weniger groĂe Nervenfasern sowie abnorme Myelinablagerungen feststellen.
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Die Rolle des NRF2-Signalwegs
Ein zentraler Befund der Untersuchung betrifft den NRF2-Spiegel. Bei Personen mit stĂ€rkerem geistigem Abbau wiesen die Oligodendrozyten niedrigere Werte dieses Regulators auf. Um diese Beobachtung experimentell zu ĂŒberprĂŒfen, fĂŒhrte das Team der UniversitĂ€t Edinburgh und des UK Dementia Research Institute Versuche an MĂ€usen durch.
Eine gezielte Reduktion von NRF2 in den Oligodendrozyten fĂŒhrte bei den Tieren zu ĂŒbermĂ€Ăigem Myelin, dem Verlust groĂer Nervenfasern und einer messbar schlechteren kognitiven Leistung.
Der NRF2-Pfad dient bereits in der Medizin als Angriffspunkt fĂŒr bestehende Arzneimittel, unter anderem bei der Behandlung von Multipler Sklerose. Bei dieser Erkrankung konnte eine gesteigerte AktivitĂ€t von NRF2 die Kognition verbessern. Vor diesem Hintergrund wird eine mögliche Wiederverwendung entsprechender Substanzen fĂŒr die Behandlung des altersbedingten Abbaus als denkbar erachtet.
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Offene Fragen und methodische Grenzen
Bislang ist jedoch unklar, inwieweit sich dieser Signalweg tatsÀchlich eignet, um dem kognitiven Verfall bei Àlteren Menschen entgegenzuwirken. Ein prÀventiver Schutz vor der Hirnalterung durch Medikamente, die NRF2 beeinflussen, ist bislang nicht belegt.
Zudem betonten die Wissenschaftler methodische EinschrÀnkungen: Die vorliegende Studie belegt keine direkte ursÀchliche Wirkung, und die Anzahl der untersuchten menschlichen Hirngewebeproben war begrenzt. Finanziert wurde die Forschungsarbeit vom UK MRC beziehungsweise UKRI MRC sowie den Canadian Institutes of Health Research (CIHR).
