Low-Carb-Studie, HbA1c-Wert

Low-Carb-Studie: HbA1c-Wert sinkt um zehn Punkte

Veröffentlicht: 15.07.2026 um 18:29 Uhr, Redaktion boerse-global.de

FET identifiziert 15 Ernährungsoptionen, Deutschland plant Zuckersteuer ab 2028. Neue Studien zu Low Carb und Inkretin-Therapien vorgestellt.

Adipositas-Therapie: Neue Ernährungsstrategien und Abnehmspritzen im Fokus
Eine vielfältige Auswahl an frischem Obst, Gemüse und Vollkornprodukten auf einer modernen Küchenarbeitsplatte. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Experten setzen zunehmend auf differenzierte Ernährungsstrategien, politische Maßnahmen und medikamentöse Unterstützung.

15 Ernährungsoptionen im Überblick

Die Fachgesellschaft für Ernährungstherapie und Prävention (FET) hat Mitte Juli 2025 insgesamt 15 verschiedene Ernährungsoptionen zur Adipositas-Therapie identifiziert. Zu den Kernempfehlungen zählen die Reduktion hochverarbeiteter Lebensmittel und der Verzicht auf flüssige Kalorien.

Experten betonen zudem eine regelmäßige Mahlzeitenstruktur, mehr Ballaststoffe und proteinbetonte Kost. Auch mediterrane Ernährung, Intervallfasten und Mahlzeitenersatzprodukte gelten als wirksame Instrumente.

Parallel rücken psychologische Aspekte in den Fokus. Eine aktuelle Studie deutet darauf hin, dass intuitives Essen für bestimmte Patientengruppen eine echte Alternative zum Kalorienzählen sein kann. Ziel: die Körperwahrnehmung stärken und nachhaltig Gewicht regulieren – ohne strikten Verzicht.

Zuckersteuer kommt 2028

Auf internationaler Ebene hat ein Konsortium aus 64 Wissenschaftlern den Fahrplan „Healthy Eating & Active Living" (HEAL) vorgelegt. Die 101 Empfehlungen sollen eine vollwertige, überwiegend pflanzliche Ernährung und mehr Bewegung als Mindeststandard etablieren. Hintergrund: Nichtübertragbare Krankheiten verursachen weltweit rund 75 Prozent aller Todesfälle.

Deutschland zieht nach: Ab 2028 soll eine Zuckersteuer auf Softdrinks kommen – angelehnt an das britische Modell. Die gestaffelte Herstellerabgabe sieht vor:

  • Getränke mit unter 5 Gramm Zucker pro 100 Milliliter: steuerfrei
  • 5 bis 8 Gramm: 26 Cent pro Liter
  • Über 8 Gramm: 32 Cent pro Liter

Die erwarteten Einnahmen liegen bei rund 450 Millionen Euro jährlich.

Low Carb senkt Blutzucker drastisch

Besonders relevant sind Ernährungsinterventionen bei Patienten mit Typ-2-Diabetes. Eine im Fachjournal BMJ Nutrition veröffentlichte Studie untersuchte die Wirkung von Low-Carb-Coaching auf 48 Patienten mit einem Durchschnittsalter von 67 Jahren.

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Das Ergebnis nach sechs Monaten: Die Teilnehmer verloren im Schnitt 5,2 Kilogramm – der BMI sank von 30,6 auf 28,8 kg/m². Noch beeindruckender: Der HbA1c-Wert fiel von durchschnittlich 60,0 auf 49,7 mmol/mol. Die Forscher sehen einen klaren Zusammenhang zwischen Gewichtsverlust und Blutzuckernormalisierung. Blutdruck und Blutfette blieben stabil.

Abnehmspritzen: Weniger Gewicht, aber keine bessere Lebensqualität

Inkretin-basierte Therapien gewinnen an Bedeutung – doch sie haben ihre Schattenseiten. Eine Analyse von 262 klinischen Studien mit rund 100.000 Erwachsenen zeigte deutliche Gewichtsverluste: Tirzepatid brachte 14,9 Prozent Verlust nach einem Jahr, Semaglutid ebenfalls signifikante Werte.

Doch die Lebensqualität verbesserte sich nicht klinisch relevant. Hinzu kommen häufige Nebenwirkungen wie Magen-Darm-Beschwerden und Muskelabbau.

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Immerhin: Ab Mitte August 2026 kommt in der EU eine Semaglutid-Tablette auf den Markt. Sie muss täglich nüchtern eingenommen werden. Umfragen zufolge würden fast die Hälfte der Betroffenen die Tablette der Spritze vorziehen – vorausgesetzt, die Wirksamkeit bleibt vergleichbar.

Stigmatisierung bleibt großes Problem

Trotz medizinischer Fortschritte: Die gesellschaftliche Stigmatisierung ist eine enorme Hürde. Das „Adipositas-Barometer" für die Schweiz zeigt die Diskrepanz: 79 Prozent der Bevölkerung erkennen Adipositas als Krankheit an – doch 64 Prozent der Betroffenen berichten von Diskriminierung durch Gesundheitsfachpersonal.

Auch juristische Hürden erschweren den Zugang zu Therapien. Das Landessozialgericht Niedersachsen-Bremen entschied im Mai 2026: Gesetzliche Krankenkassen müssen die Kosten für Abnehmspritzen nicht übernehmen – solange keine akute Lebensgefahr besteht.

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