Lynch-Syndrom, ASS

Lynch-Syndrom: Nur 6,9 Prozent nutzen ASS gezielt zur KrebsprÀvention

Veröffentlicht am: 08.10.2026 um 19:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Bonner Befragte nutzen Koloskopien regelmĂ€ĂŸig, wĂ€hrend nur 6,9 Prozent ASS gezielt zur Vorbeugung von Krebs einnehmen.

Lynch-Syndrom: Umfrage zeigt seltene ASS-Nutzung zur KrebsprÀvention
Ein minimalistischer, heller medizinischer Untersuchungsraum mit einer leeren Untersuchungsliege in ruhiger AtmosphÀre. Illustration mit AI erstellt.

Das Lynch-Syndrom gehört zu den hĂ€ufigsten erblichen Veranlagungen fĂŒr Krebserkrankungen und betrifft schĂ€tzungsweise etwa 1 von 300 Menschen. Die genetische VerĂ€nderung erhöht insbesondere das Risiko fĂŒr Darm- und GebĂ€rmutterkrebs sowie weitere Tumorarten deutlich.

Eine Erhebung der UniversitĂ€t Bonn im Rahmen der LYNX-Umfrage zeigt nun detaillierte Einblicke in die Vorsorgepraxis der Betroffenen: Obwohl eine hohe Bereitschaft fĂŒr vorbeugende Maßnahmen besteht, wird die tĂ€gliche Einnahme von AcetylsalicylsĂ€ure (ASS) zur ChemoprĂ€vention bislang nur selten angewendet. Die entsprechenden Ergebnisse wurden im Fachjournal Lancet Gastroenterology & Hepatology veröffentlicht.

Hohes Bewusstsein fĂŒr Koloskopien, ZurĂŒckhaltung bei Medikamenten

Laut den Ergebnissen der Bonner LYNX-Umfrage verfĂŒgen Betroffene ĂŒber ein ausgeprĂ€gtes Wissen hinsichtlich der FrĂŒherkennung: 97 % der Befragten gaben an, die offiziellen Screening-Empfehlungen zu kennen. Zudem ließen fast alle Befragten regelmĂ€ĂŸig Koloskopien durchfĂŒhren, um krankhafte VerĂ€nderungen der Darmschleimhaut frĂŒhzeitig erkennen zu lassen.

Deutlich zurĂŒckhaltender fĂ€llt die Praxis dagegen bei medikamentösen AnsĂ€tzen aus. Lediglich 10,4 % der Teilnehmenden nahmen zum Zeitpunkt der Erhebung AcetylsalicylsĂ€ure ein. Gezielt zur Vorbeugung von Krebserkrankungen nutzten den Wirkstoff sogar nur 6,9 % der Gesamtgruppe.

Diese ZurĂŒckhaltung steht im Kontrast zu frĂŒheren wissenschaftlichen Untersuchungen: So belegte die CAPP2-Studie, dass eine tĂ€gliche Gabe von 600 mg ASS das Darmkrebsrisiko langfristig senken konnte.

Neuere Erkenntnisse der CaPP3-Studie deuten zudem darauf hin, dass eine geringere Dosis von 100 mg tĂ€glich ein Ă€hnliches PrĂ€ventionsprofil bei weniger Nebenwirkungen aufweisen könnte, wenngleich eine formale Äquivalenz nicht in allen statistischen Analysen nachgewiesen wurde.

Differenzierte Studienlage zum Nutzen von Aspirin

Die Anwendung von AcetylsalicylsÀure in der Onkologie bleibt Gegenstand intensiver Forschung, da der Nutzen stark vom jeweiligen Krankheitsstadium abhÀngt.

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WĂ€hrend frĂŒhe VorsorgeansĂ€tze bei genetischer Vorbelastung positive Tendenzen zeigen, kamen Untersuchungen im fortgeschrittenen Stadium zu anderen Ergebnissen: Eine skandinavische Untersuchung, die ASAC-Studie mit 428 Patienten nach der Behandlung von Darmkrebs mit Lebermetastasen, zeigte bei tĂ€glicher Aspirin-Einnahme ĂŒber bis zu drei Jahre weder ein verringertes RĂŒckfall- noch ein niedrigeres Sterberisiko.

Stattdessen traten vermehrt schwere Nebenwirkungen wie Blutungen, Herzinfarkte und GeschwĂŒre auf. Andere Untersuchungen wie die ALASCCA-Studie verzeichneten hingegen bei bestimmten Patienten mit nicht metastasiertem Darmkrebs und spezifischen genetischen Profilen weniger RĂŒckfĂ€lle.

Wachsende Offenheit fĂŒr neuartige Impfkonzepte

Neben etablierten Medikamenten richten Betroffene ihren Blick zunehmend auf immunologische Verfahren. Die LYNX-Umfrage der UniversitĂ€t Bonn verdeutlicht ein großes Interesse an kĂŒnftigen PrĂ€ventionsmethoden: Rund drei Viertel der befragten Personen konnten sich die Teilnahme an einer klinischen Studie zu einer prĂ€ventiven mRNA-Krebsimpfung vorstellen.

Nach Erhalt weiterfĂŒhrender Informationen stieg dieser Anteil auf rund 80 %. Mehr als 92 % der Befragten gaben an, sich im Falle einer kĂŒnftigen Zulassung eine solche Schutzimpfung zu wĂŒnschen.

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Dass solche AnsĂ€tze erforscht werden, belegt unter anderem eine in Nature Medicine veröffentlichte frĂŒhe klinische Studie zum Impfstoffkandidaten Nous-209 mit 45 Teilnehmenden, der bei allen Probanden eine Immunantwort auslöste.

Koloskopien ein Jahr nach der Impfung deuteten bei Personen mit starker Immunreaktion auf weniger Gewebevorstufen hin. Zur BestĂ€tigung der klinischen Wirksamkeit sind hierfĂŒr jedoch grĂ¶ĂŸere randomisierte Vergleichsstudien erforderlich.

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