MĂ€nnergesundheit: Digitaler Stress und Altersdiskriminierung im Fokus
Veröffentlicht am: 08.08.2026 um 02:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Burn-out, Digitalisierung, Altersdiskriminierung: Die Arbeitswelt setzt MĂ€nner zunehmend unter Druck. Eine Schweizer Untersuchung zeigt nun, wo die gröĂten Belastungsfaktoren liegen â und wie Betriebe gegensteuern können.
Beruf und Studium als Hauptstressoren
MĂ€nner nennen ihre berufliche Situation und das Studium als Hauptursache fĂŒr psychischen Druck. Das belegt eine Untersuchung des SRF vom 7. August. MĂ€nnercoach Christoph Walser definiert Burn-out als ein ĂbermaĂ an Belastungen, das konsequent zu geistiger und körperlicher Erschöpfung fĂŒhrt.
Ein wesentliches Hindernis bei der BewĂ€ltigung: die gesellschaftliche Stigmatisierung. Scham und ein Mangel an mĂ€nnlichen Vorbildern erschweren den offenen Umgang mit psychischen Krisen. Psychologe Christian Baumgartner von der Uniklinik ZĂŒrich betont deshalb die essenzielle Rolle der Erholung, um chronischem Stress entgegenzuwirken.
Wie belastend die Erwartungshaltung am Arbeitsplatz sein kann, zeigt ein virales Beispiel aus dem Finanzsektor: Ein Interview mit einem ETF-HĂ€ndler an der ZĂŒrcher Bahnhofstrasse löste in sozialen Medien eine breite Debatte ĂŒber Statusdruck und berufliche IdentitĂ€t aus. Der HĂ€ndler berichtete von extrem hohen Einkommensstrukturen und einer sich stĂ€ndig wandelnden Marktdynamik.
Betriebe sind in der Pflicht
Um psychischen Erkrankungen systematisch zu begegnen, gewinnen strukturierte GefĂ€hrdungsbeurteilungen an Bedeutung. Ein Handbuch der Bundesanstalt fĂŒr Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) vom 31. Juli verweist auf die seit der ArbSchG-Novelle 2013 geltende Verpflichtung, psychische Belastungen im Betrieb zu berĂŒcksichtigen.
Die Gemeinsame Deutsche Arbeitsschutzstrategie (GDA) nennt konkrete Gestaltungsziele: ausreichender Handlungsspielraum, Regulierung der Arbeitsmenge, GewĂ€hrleistung von Pausen sowie soziale UnterstĂŒtzung durch Vorgesetzte und Kollegen.
Parallel entstehen regionale Initiativen. In der Seenplatte bauen der Awo-Kreisverband Mecklenburg-Strelitz und die AOK Nordost derzeit ein Netzwerk fĂŒr betriebliches Gesundheitsmanagement auf. Ein erstes Treffen zur UnterstĂŒtzung kleiner und mittlerer Betriebe ist fĂŒr den 1. September geplant.
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Digitaler Stress und die Lage der Ăber-55-JĂ€hrigen
Neben klassischen Stressoren rĂŒckt der sogenannte digitale Stress in den Vordergrund. Der Steuerberaterverband DĂŒsseldorf veranstaltet am 20. November eine Fachveranstaltung zu Strategien der Resilienzförderung im Umgang mit digitalen Belastungsfaktoren.
Gleichzeitig verschĂ€rft sich die Situation fĂŒr Ă€ltere Arbeitnehmer. Ein NZZ-Bericht vom 6. August beleuchtet die prekĂ€re Lage von BeschĂ€ftigten ĂŒber 55 Jahren auf dem Schweizer Arbeitsmarkt. Trotz FachkrĂ€ftemangels haben ĂŒber 20 Prozent der 55- bis 64-JĂ€hrigen Schwierigkeiten bei der Reintegration. Unternehmen suchen oft nach idealisierten Kandidatenprofilen und benachteiligen Ă€ltere Bewerber systematisch. Der Ausschluss fĂŒhrt bei den Betroffenen hĂ€ufig zu existenziellem Druck und psychischer InstabilitĂ€t.
Wenn der Körper streikt
Die Forschung zeigt zudem eine enge Kopplung zwischen hormonellen Faktoren und der mĂ€nnlichen Psyche. Der ZĂŒrcher Urologe Michael Kurz warnt vor ĂŒberhöhten LeistungsansprĂŒchen im Kontext von MĂ€nnlichkeitsidealen. Ein kritisches Feld: der Umgang mit Testosteronmangel.
Professor Frank Sommer von der UniversitĂ€t Hamburg weist auf eine gefĂ€hrliche Wechselwirkung hin: Die Anwendung von Abnehmspritzen bei bestehendem Testosteronmangel kann zu signifikantem Muskelverlust fĂŒhren. In einer Studie ĂŒber 26 Wochen entfielen 38 Prozent des Gewichtsverlusts auf fettfreie Masse â sofern keine begleitenden MaĂnahmen wie Krafttraining oder Hormonsubstitution erfolgten.
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Extreme Arbeitsbelastung kann zudem in spezifischen Krankheitsbildern mĂŒnden. Ein Fallbericht ĂŒber einen 32-jĂ€hrigen Coach verdeutlicht das PhĂ€nomen der Ergophobie â einer pathologischen Angst vor der Arbeit. Sie tritt als Folgeerscheinung von Dauerstress auf, insbesondere bei neurodivergenten Menschen. Die Psychotherapeutin Astrid Neuy-Lobkowicz ordnet solche Entwicklungen als Konsequenz langjĂ€hriger Ăberreizung ein, die im Extremfall zur vollstĂ€ndigen ArbeitsunfĂ€higkeit fĂŒhren kann.
Auch Ă€uĂere Umweltfaktoren fordern den Arbeitsschutz heraus: Gewerkschaften im Tessin forderten nach ĂŒber 100 hitzebedingten Notaufnahme-Einweisungen die EinfĂŒhrung wissenschaftlich fundierter Interventionsschwellen. Die Forderung hatte die Einsetzung einer staatlichen Task Force zur Folge.
