Magersucht: LEAP2-Hormon sagt Rückfallrisiko von 40% voraus
Veröffentlicht: 14.07.2026 um 20:34 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Doch aktuelle Studien zeigen: Die Mittel bergen erhebliche Risiken – besonders für Menschen mit Essstörungen.
Jeder Dritte mit Essstörung nutzt die Präparate
Eine Studie in JAMA Psychiatry vom 14. Juli 2026 liefert alarmierende Zahlen. Dr. Nicholas C. Peiper und sein Team befragten 436 Teilnehmer mit Essstörungen. Ergebnis: Rund 32,1 Prozent hatten bereits GLP-1-Präparate verwendet.
Besonders brisant: Etwa 10,1 Prozent der Probanden zeigten ein Missbrauchsverhalten. Knapp 10 Prozent griffen auf nicht regulierte Compoundierungen der Wirkstoffe zurück.
Fachleute fordern daher, dass Hausärzte vor der Verschreibung systematisch nach Essstörungen suchen. Nur so lasse sich eine Verschärfung der Symptome bei vulnerablen Patientengruppen verhindern.
Hormoneller Marker sagt Rückfallrisiko bei Magersucht voraus
Eine französische Studie in Translational Psychiatry (Juli 2026) untersuchte 30 Patientinnen mit Anorexia Nervosa. Das Team um Dr. Virginie Tolle identifizierte das Hormon LEAP2 als potenziellen Marker für Behandlungserfolg.
Hohe LEAP2-Werte zu Therapiebeginn korrelierten signifikant mit einem höheren Rückfallrisiko. Die Forscher wiesen zudem nach, dass das Verhältnis zwischen Ghrelin und LEAP2 die Impulskontrolle beeinflusst.
Die Rückfallrate bei Magersucht liegt innerhalb der ersten sechs Monate nach Behandlung bei rund 40 Prozent. Die neuen Erkenntnisse könnten helfen, Hochrisikopatientinnen frühzeitig zu identifizieren.
Lebensqualität steigt trotz Gewichtsverlust kaum
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Eine Meta-Analyse im British Medical Journal (Juli 2026) wertete 262 Studien mit fast 100.000 Erwachsenen aus. Die stärksten Gewichtsverluste über ein Jahr erzielten Tirzepatid (14,9 Prozent) und CagriSema (14,8 Prozent). Semaglutid erreichte als Injektion 9,8 Prozent, oral 10,9 Prozent.
Doch die Autoren stellten fest: Keine klinisch relevante Verbesserung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität ließ sich dokumentieren. Nur Semaglutid in Spritzenform senkte das Risiko für Todesfälle, Herzinfarkte und Herzschwäche.
Häufige Nebenwirkungen: Magen-Darm-Beschwerden, Müdigkeit und Muskelmasseverlust.
Warum jeder Zehnte nicht auf die Therapie anspricht
Zwischen 10 und 30 Prozent der Anwender reagieren kaum auf GLP-1-Präparate. Sie erreichen nach sechs Monaten weniger als fünf Prozent Gewichtsverlust.
Die Gründe dafür sind vielfältig: Anwendungsfehler, emotionaler Hunger, Insulinresistenz, Schlafstörungen und genetische Veranlagungen. Rund zehn Prozent der Betroffenen tragen eine sogenannte PAM-Mutation, die die Hormonwirkung beeinflusst.
Ein seltener, aber schwerer Fall im New England Journal of Medicine zeigt die Risiken: Eine 63-jährige Patientin entwickelte unter Semaglutid einen Magenbezoar – einen harten Klumpen aus unverdauten Nahrungsresten. Die Ärzte lösten ihn mit 1,5 Litern Diät-Cola auf und vermieden so eine Operation.
Neue Wirkstoffe ohne Muskelabbau in Sicht
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Die Forschung konzentriert sich auf Nachfolgepräparate mit weniger Nebenwirkungen. Das Peptid BRP wirkt selektiv über den Hypothalamus und führte in Tierversuchen zu Gewichtsverlust ohne Muskelmasseverlust.
Klinische Studien am Menschen werden jedoch erst in den nächsten fünf bis zehn Jahren erwartet.
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