Magnesium-Einnahme, BfR

Magnesium-Einnahme: BfR und EFSA empfehlen höchstens 250 mg tÀglich

Veröffentlicht am: 05.10.2026 um 13:24 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Bei ausgewogener ErnÀhrung reicht die Versorgung meist aus; Studien zeigen begrenzten Nutzen gegen KrÀmpfe und Risiken bei hohen Dosen.

MagnesiumprÀparate: Wann ErgÀnzungen sinnvoll sind und welche Risiken bestehen
Eine Auswahl gesunder Lebensmittel wie KĂŒrbiskerne, Mandeln, dunkle Schokolade und Avocado auf einem Holztisch. Illustration mit AI erstellt.

Magnesium erfĂŒllt im menschlichen Organismus zentrale Aufgaben bei der Muskel- und Nervenfunktion, der Regulation der zellulĂ€ren Erregbarkeit sowie in zahlreichen Energieprozessen. Trotz dieser essenziellen Bedeutung weisen Fachleute darauf hin, dass eine zusĂ€tzliche Einnahme ĂŒber NahrungsergĂ€nzungsmittel fĂŒr den Großteil der Bevölkerung nicht erforderlich ist.

Die Nachfrage im Handel wĂ€chst dennoch spĂŒrbar: Finnische HĂ€ndler wie die Olo-Apotheke verzeichneten fĂŒr das laufende Jahr einen Absatzzuwachs bei MagnesiumprĂ€paraten von mehr als 100 Prozent, wĂ€hrend S-ryhmĂ€ ein Plus von rund 25 Prozent, Kesko knapp 30 Prozent und Sokos 40 Prozent meldeten.

Referenzwerte und Versorgung ĂŒber Lebensmittel

FĂŒr die tĂ€gliche Zufuhr definieren die Deutsche Gesellschaft fĂŒr ErnĂ€hrung (DGE) und die EuropĂ€ische Behörde fĂŒr Lebensmittelsicherheit (EFSA) einen Richtwert von 350 mg fĂŒr erwachsene MĂ€nner sowie 300 mg fĂŒr Frauen. Die US-amerikanischen National Institutes of Health (NIH) empfehlen 400 bis 420 mg fĂŒr MĂ€nner und 310 bis 320 mg fĂŒr Frauen.

Bei einer ausgewogenen ErnĂ€hrung lĂ€sst sich dieser Bedarf in der Regel problemlos ĂŒber Nahrungsmittel abdecken. Zu den ergiebigen Quellen zĂ€hlen unter anderem:

  • KĂŒrbiskerne (550 mg je 100 g) und Mandeln (270 mg je 100 g)
  • Dunkle Schokolade (228 mg je 100 g)
  • Spinat (87 mg je 100 g) und Vollkornbrot (82 mg je 100 g)
  • Limabohnen (74 mg je 100 g) sowie Thunfisch (64 mg je 100 g)
  • Avocado (29 mg je 100 g), Banane (27 mg je 100 g) und Joghurt (19 mg je 100 g)

Indikationen im Sport und bei Vorerkrankungen

Eine gezielte Einnahme ist vor allem dann angezeigt, wenn eine Unterversorgung medizinisch diagnostiziert wurde. Wie die Internistin und Endokrinologin Milla RosengĂ„rd-BĂ€rlund betont, sind Symptome wie KrĂ€mpfe oder Abgeschlagenheit allein kein Beleg fĂŒr ein Defizit.

Klinisch relevante MÀngel treten vor allem infolge von Resorptionsstörungen bei chronischen Darmerkrankungen, einseitiger ErnÀhrung oder durch die Einnahme bestimmter magnesiumausscheidender Arzneimittel auf.

Im Freizeit- und Breitensport fĂŒhrt eine Supplementierung vor dem Training nach EinschĂ€tzung des Sportwissenschaftlers Ingo Froböse ohne bestehenden Mangel zu keiner Leistungssteigerung.

Nach intensiver Belastung könne die Einnahme hingegen sinnvoll sein, um Mineralstoffverluste durch starkes Schwitzen auszugleichen und die Speicher rascher aufzufĂŒllen. Saskia Geurts von der Organisation NPN merkt an, dass Magnesium bei Wechseljahresbeschwerden unterstĂŒtzen und flankierend zu Bewegung und Proteinzufuhr den Muskelabbau begrenzen könne.

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Bei Bluthochdruck empfiehlt die Gesellschaft fĂŒr Magnesiumforschung eine Zufuhr von 300 bis 600 mg tĂ€glich, da Gaben von 10 bis 20 mmol (wobei 20 mmol einer Menge von 360 mg entsprechen) den diastolischen Blutdruck in mehreren Untersuchungen um durchschnittlich 10 mmHg senkten.

Studienlage zu KrÀmpfen, Verbindungen und Risiken

Gegen nĂ€chtliche WadenkrĂ€mpfe – von denen laut Angaben in American Family Physician 50 bis 60 Prozent der Erwachsenen und nach DGN-Leitlinie jĂ€hrlich bis zu 50 Prozent der ĂŒber 65-JĂ€hrigen betroffen sind – erweist sich die Einnahme oft als wenig wirksam.

Ein Cochrane-Review aus dem Jahr 2020 ĂŒber elf Studien mit 735 Probanden zeigte bei gewöhnlichen KrĂ€mpfen Ă€lterer Menschen keinen klinisch bedeutsamen Nutzen im Vergleich zu Placebos; regelmĂ€ĂŸiges Dehnen vor dem Schlafen gilt hier als besser belegt.

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Bei der Wahl des PrĂ€parats spielen chemische Formen eine Rolle: Eine 2026 von Sanem Gultekin und Merve Tomas in der Fachzeitschrift Food Science and Biotechnology publizierte Übersichtsarbeit hielt fest, dass organische Salze wie Citrat oder Chelate allgemein löslicher und besser bioverfĂŒgbar sind als Magnesiumoxid.

Behörden wie das Bundesinstitut fĂŒr Risikobewertung (BfR) und die EFSA empfehlen fĂŒr NahrungsergĂ€nzungsmittel eine Höchstmenge von 250 mg Magnesium pro Tag, wĂ€hrend das NIH fĂŒr Supplemente und Medikamente 350 mg pro Tag ansetzt.

Eine Stichprobe der Verbraucherzentrale ergab jedoch, dass mehr als die HĂ€lfte der untersuchten Produkte diese Orientierungswerte mit Dosen von ĂŒber 400 mg ĂŒbertraf. Überdosierungen fĂŒhren hĂ€ufig zu weichem Stuhl, Übelkeit oder Durchfall; schwerwiegende LĂ€hmungserscheinungen nennt die Deutsche Herzstiftung erst ab einer extremen Zufuhr von 2.500 mg pro Tag.

Bei Nierenfunktionsstörungen sowie bei der gleichzeitigen Einnahme von SchilddrĂŒsenhormonen oder bestimmten Antibiotika ist fachlicher Rat einzuholen und ein Einnahmeabstand von mindestens ein bis zwei Stunden einzuhalten.

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