MAI-DxO: Microsoft-KI diagnostiziert in Science mehr als doppelt so prÀzise
Veröffentlicht am: 25.10.2026 um 16:05 Uhr | Redaktion boerse-global.deEin Forschungsteam von Microsoft hat am 22. Oktober 2026 in der Fachzeitschrift Science eine Studie zur sequenziellen Diagnostik mit Sprachmodellen vorgestellt. Demnach diagnostizierte das neue KI-System MAI-DxO bei ĂŒber 300 komplexen medizinischen FĂ€llen mehr als doppelt so prĂ€zise wie Allgemeinmediziner, die Zugriff auf Fachliteratur und das Internet hatten.
Deutlicher Vorsprung bei Benchmark-FĂ€llen
Die Forscher um Harsha Nori ĂŒberprĂŒften die LeistungsfĂ€higkeit des Systems unter anderem an 304 klinisch-pathologischen Fallbeschreibungen des New England Journal of Medicine (NEJM). MAI-DxO erzielte dabei eine Diagnosegenauigkeit von 83,2 Prozent. Allgemeinmediziner mit Zugang zu Referenzmaterial erreichten im selben Test 36,1 Prozent, wĂ€hrend Mediziner ohne Hilfsmittel auf 22,3 Prozent kamen.
In einer zweiten Auswertung von 325 NotaufnahmefĂ€llen aus der Datenbank MIMIC-IV-ED verzeichnete das Modell eine Trefferquote von 80,3 Prozent, verglichen mit 46,8 Prozent bei den Ărzten, was rund dem 1,7-Fachen entspricht.
Der beste menschliche Arzt erreichte bei den kuratierten TestfĂ€llen 51,8 Prozent und wurde vom System sowohl hinsichtlich der Genauigkeit als auch bei den Testkosten ĂŒbertroffen. Bereits 2025 hatte ein VorgĂ€ngersystem bis zu 85,5 Prozent auf schwierigen FĂ€llen erreicht.
Sequenzielle Methodik und Kostenanalyse
Technisch bildet MAI-DxO einen schrittweisen klinischen Entscheidungsprozess nach. Ein zentraler Orchestrator steuert ein Gremium spezialisierter KI-Agenten, die Anamnesefragen stellen, gezielt Tests anordnen und Hypothesen dynamisch abgleichen.
AuffĂ€llig war dabei, dass das Modell vor der Veranlassung erster Tests mehr anamnestische Informationen sammelte als menschliche Ărzte. Die Software basiert hauptsĂ€chlich auf GPT-5, wobei die Leistungsvorteile gegenĂŒber Einzelmodellen auch beim Einsatz von GPT-5.5 erhalten blieben.
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Harsha Nori von Microsoft AI Health betonte, dass die Untersuchung nicht nur die Trefferquote erfasse, sondern auch die Umsicht, mit der die diagnostische AbklÀrung ablaufe. Dr. Dominic King von Microsoft AI ergÀnzte, dass herkömmliche Multiple-Choice-Tests die RealitÀt nicht ausreichend abbildeten.
Bei den Testkosten bezifferten die Forscher den Aufwand des Modells auf die HĂ€lfte bis ein Drittel der Arztkosten. Eine kostenoptimierte Konfiguration erreichte 81 Prozent Genauigkeit bei geschĂ€tzten 2241 US-Dollar pro Fall gegenĂŒber 4725 US-Dollar bei den Ărzten, wobei es sich um Referenzpreise und keine realen Einsparungen handelt.
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Ăber verschiedene Budgeteinstellungen hinweg lag die Genauigkeit zwischen 79,6 Prozent und 84,5 Prozent bei Kosten von 1303 bis 8945 US-Dollar. Im Update-Setting mit 83,2 Prozent Genauigkeit beliefen sich die kalkulierten Ausgaben auf 5431 US-Dollar gegenĂŒber 4725 US-Dollar bei den Ărzten.
Bei den NotaufnahmefĂ€llen erforderte die 80,3-Prozent-Einstellung 4979 US-Dollar pro Fall im Vergleich zu 3400 US-Dollar bei den Ărzten; eine Budgetvariante erzielte 69,5 Prozent Genauigkeit bei 2037 US-Dollar.
Grenzen und geplante Erprobung
Das Microsoft-Team wies auf methodische EinschrÀnkungen hin. Der Test erfolgte rein textbasiert in einer kontrollierten Umgebung ohne realen Klinikbetrieb. Anstelle menschlicher Patienten simulierte ein Gatekeeper-Agent die Antworten aus den Akten.
Körperliche Untersuchungen und Bildgebungen waren nicht möglich, zudem erfolgte der Vergleich ausschlieĂlich mit Allgemeinmedizinern statt mit Fachteams. Die beteiligten Autoren sind ausnahmslos Microsoft-Angestellte mit Unternehmensanteilen, die Studie erhielt keine externen Mittel.
Aussagen zur realen klinischen Wirksamkeit oder zu Behandlungsergebnissen lassen sich laut den Forschern daraus nicht ableiten; die KI sei lediglich als ErgÀnzung gedacht.
Gleichwohl stellte Mustafa Suleyman, CEO von Microsoft AI, mögliche Implementierungen in Produktionsumgebungen fĂŒr das kommende Jahr in Aussicht. Konkrete Termine fĂŒr VerfĂŒgbarkeit oder Preise gibt es jedoch nicht. Als nĂ€chster Schritt ist eine prospektive Studie mit dem Beth Israel Deaconess Medical Center in Boston geplant, die den Einsatz zur Triage in Notaufnahme-Wartezimmern untersuchen soll.
Teile des Codes der Benchmark SDBench wurden veröffentlicht und sollen vollstĂ€ndig als Open Source bereitgestellt werden. Eine breite Nutzung hĂ€nge von kĂŒnftigen Studienergebnissen, behördlicher Aufsicht sowie Erstattungsfragen ab.
