Makuladegeneration: Kamuvudine K8 bremst LĂ€sionswachstum um 54 Prozent
Veröffentlicht am: 16.10.2026 um 04:18 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie altersbedingte Makuladegeneration sowie verwandte Netzhauterkrankungen gehören zu den hĂ€ufigsten Ursachen fĂŒr schweren Sehverlust im höheren Lebensalter. Aktuelle Entwicklungen in der Ophthalmologie bringen deutliche VerĂ€nderungen in der Behandlung mit sich.
Wie mehrere Berichte aus Fachkreisen darlegen, reichen die AnsĂ€tze mittlerweile von langwirksamen Injektionen und neuartigen Wirkstoffdepots ĂŒber Gentherapien bis hin zu subretinalen Mikrochips.
Differenzierung zwischen trockener und feuchter Verlaufsform
Die altersbedingte Makuladegeneration schÀdigt gezielt die Makula, den Bereich des schÀrfsten Sehens. Typische Symptome sind verschwommenes Sehen im Zentrum des Blickfeldes, verzerrte oder wellige Linien, leere Flecken sowie ein verringertes Farbsehen. Das periphere Sehen bleibt in der Regel erhalten. Diagnostisch spielen Untersuchungen nach Pupillenerweiterung und insbesondere die optische KohÀrenztomographie (OCT) eine zentrale Rolle.
Die trockene Form tritt am hÀufigsten auf und verlÀuft meist langsamer. Neue medikamentöse AnsÀtze zielen darauf ab, das Fortschreiten von Atrophien zu bremsen.
So zeigte eine vorlÀufige Phase-II-Studie, die auf einer fachtagung in New Orleans vorgestellt wurde, dass ein bioerodierbares Implantat mit dem dualen Inflammasom-Inhibitor Kamuvudine K8 das LÀsionswachstum bei geografischer Atrophie nach sechs Monaten um 54 Prozent reduzierte.
Bei 25 von 30 Patienten verlangsamte sich das Wachstum im behandelten Auge im Vergleich zum unbehandelten Auge. Bei feuchter AMD wiederum fĂŒhren krankhafte BlutgefĂ€Ăe zu rascheren Verschlechterungen, weshalb standardmĂ€Ăig intraokulare Anti-VEGF-Wirkstoffe verabreicht werden. AREDS2-PrĂ€parate kommen nach augenĂ€rztlicher Empfehlung nur bei bestimmten Zwischen- oder SpĂ€tstadien infrage.
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LĂ€nger wirksame Wirkstoffe und Depot-Systeme
Ein zentrales Thema bei der Behandlung neovaskulĂ€rer VerlĂ€ufe bleibt die Entlastung der Patienten von hĂ€ufigen Injektionen. Auf dem Euretina-Kongress in Wien betonte Prof. Francesco Bandello vom San Raffaele in Mailand, dass lĂ€nger wirksame Substanzen Schwankungen der MakulaflĂŒssigkeit vermeiden sollen.
Zudem gewĂ€nnen OCT und OCT-Angiographie fĂŒr das Monitoring und eine personalisierte Therapieentscheidung weiter an Bedeutung. KĂŒnftige Gentherapien könnten demnach eine kontinuierliche Produktion von Anti-VEGF-Proteinen direkt im Auge ermöglichen.
Auf der Tagung der Retina Society wurden Daten der Phase-III-Studie SOL-1 zum intravitrealen Hydrogel-Wirkstoff Axitinib von Ocular Therapeutix vorgestellt. Das Hydrogel setzt den Wirkstoff ĂŒber neun bis zwölf Monate kontinuierlich frei.
In der Studie erreichte das PrĂ€parat den primĂ€ren Endpunkt des Seherhalts und ĂŒbertraf Aflibercept bei neovaskulĂ€rer AMD in einem direkten Ăberlegenheitsvergleich. Der HauptprĂŒfer Dilsher S. Dhoot von den California Retina Consultants berichtete zugleich ĂŒber GlaskörpertrĂŒbungen, die im Zusammenhang mit dem Abbau des Hydrogels beobachtet wurden.
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Subretinale Netzhautimplantate und Optogenetik
Bei weit fortgeschrittenem Verlust der Sehkraft kommen zunehmend technische und optogenetische Verfahren zum Einsatz. Am Campus LĂŒbeck des UniversitĂ€tsklinikums Schleswig-Holstein wurde erstmals einer 80-jĂ€hrigen Patientin, die seit mehr als zehn Jahren an AMD erblindet war, ein zwei mal zwei Millimeter groĂer chip unter die Netzhaut implantiert.
In Verbindung mit einer Mikrokamerabrille werden verbliebene Nervenzellen stimuliert. Fachleute erwarten, dass die Patientin kĂŒnftig wieder mittelgroĂe Buchstaben erkennen kann.
Ein Ă€hnliches System, das Prima-System von Science Corporation, nutzt einen 30 Mikrometer dĂŒnnen Chip derselben FlĂ€che, der Bilder einer Spezialbrille ĂŒber Nahinfrarotlicht empfĂ€ngt. Die Wahrnehmung wird als kontrastreich, scharf und schwarz-weiĂ beschrieben, allerdings mit einem eng begrenzten Gesichtsfeld.
In der PRIMAvera-Studie mit 38 Personen mit geografischer Atrophie zeigten 32 nach zwölf Monaten ausgewertete Patienten deutliche funktionelle Verbesserungen: 26 Teilnehmer erkannten mindestens zehn Buchstaben mehr, und 27 konnten im hÀuslichen Umfeld wieder Zeichen oder Wörter lesen.
Daten nach 36 Monaten bestĂ€tigten bei 14 von 18 untersuchten Patienten einen Zugewinn von mindestens 15 Buchstaben. Neben der Anwendung bei geografischer Atrophie, fĂŒr die das System in der EU ein CE-Kennzeichen trĂ€gt, wurde der Chip im Rahmen der PRIMAlia-Studie am Sydney Eye Hospital auch erstmals bei einem Patienten mit Morbus Stargardt implantiert.
ErgÀnzend eröffnen optogenetische Gentherapien neue Wege bei erblichen Netzhauterkrankungen wie Retinitis pigmentosa. Eine Phase-1-Studie mit zehn Teilnehmenden zeigte im New England Journal of Medicine, dass eine Injektion des ChrimsonR-Gens intakte Ganglienzellen lichtempfindlich machen kann.
In Kombination mit einer Spezialbrille, die Lichtpulse aussendet, erzielten sechs von neun ausgewerteten Personen eine klinisch bedeutsame Orientierungsverbesserung. Das Lesen von Texten oder das Erkennen von Gesichtern blieb jedoch weiterhin nicht möglich.
