Mammografie: KI erkennt Herzerkrankungen mit 86% Genauigkeit
Veröffentlicht am: 30.08.2026 um 18:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Aktuelle Forschungsergebnisse, die Ende August 2026 auf dem Kongress der European Society of Cardiology (ESC) in MĂŒnchen vorgestellt wurden, deuten auf ein erweitertes Einsatzgebiet fĂŒr radiologische Brustkrebs-Screenings hin.
Ein von israelischen Wissenschaftlern entwickeltes Modell auf Basis kĂŒnstlicher Intelligenz (KI) ist in der Lage, aus herkömmlichen Mammografien Anzeichen fĂŒr schwerwiegende Herzerkrankungen abzuleiten. Diese Entwicklung könnte die Mammografie kĂŒnftig zu einem dualen Screening-Instrument aufwerten, das neben onkologischen auch kardiovaskulĂ€re Risiken identifiziert.
Datengrundlage und methodische Vorgehensweise
Die zugrunde liegende retrospektive Studie der UniversitÀt Tel Aviv basiert auf einem umfangreichen Datensatz. Das eingesetzte Deep-Learning-Modell analysierte insgesamt 97.364 Mammografien von 29.921 Frauen.
Das Durchschnittsalter der untersuchten Patientinnen lag bei 54 Jahren (Median: 54 Jahre). Ziel der Untersuchung war es, Muster in den Aufnahmen zu identifizieren, die ĂŒber die reine Krebsdiagnostik hinausgehen und RĂŒckschlĂŒsse auf den Zustand des Herz-Kreislauf-Systems zulassen.
Innerhalb der untersuchten Probandengruppe wiesen 16 Prozent der Frauen einen Bluthochdruck auf. Jeweils 2,5 Prozent der Teilnehmerinnen litten unter einer koronaren Herzkrankheit beziehungsweise hatten bereits einen Schlaganfall erlitten. Die Forscher konzentrierten sich bei der Analyse insbesondere auf mammÀre Arterienverkalkungen, da diese in engem Zusammenhang mit allgemeinen kardiovaskulÀren Risiken stehen.
Hohe ZuverlÀssigkeit bei der Risikoidentifikation
Die LeistungsfÀhigkeit des KI-Modells wurde mittels des AUROC-Wertes (Area Under the Receiver Operating Characteristic) gemessen, der die TrennschÀrfe diagnostischer Verfahren beschreibt. Dabei erreichte das System bei der Erkennung von SchlaganfÀllen eine ZuverlÀssigkeit von 86 Prozent (AUROC 0,86).
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Das Risiko fĂŒr Bluthochdruck wurde mit einer Genauigkeit von 79 Prozent (AUROC 0,79) identifiziert, wĂ€hrend die koronare Herzkrankheit beziehungsweise HerzischĂ€mie mit einer ZuverlĂ€ssigkeit von 78 Prozent (AUROC 0,78) erkannt wurde.
Diese Werte belegen nach Ansicht der beteiligten Fachleute, dass die KI-gestĂŒtzte Auswertung von Bilddaten in der Lage ist, physiologische VerĂ€nderungen zu detektieren, die dem menschlichen Auge bei einer Standardbetrachtung der Mammogramme entgehen könnten. Da die Diagnosen auf bereits vorhandenem Bildmaterial basieren, erfordert die Methode keine zusĂ€tzlichen Untersuchungen fĂŒr die Patientinnen.
Potenziale fĂŒr die prĂ€ventive Gesundheitsversorgung
Branchenexperten und Mediziner sehen in dieser Technologie ein hohes Skalierungspotenzial fĂŒr die öffentliche Gesundheitsvorsorge. Da Mammografien in vielen LĂ€ndern bereits fester Bestandteil flĂ€chendeckender Screening-Programme sind, lieĂe sich die Herz-Kreislauf-Vorsorge ohne signifikanten logistischen Mehraufwand in bestehende AblĂ€ufe integrieren.
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Die routinemĂ€Ăige Anwendung solcher Algorithmen könnte dazu beitragen, Frauen mit einem erhöhten Risiko fĂŒr Herzinfarkte oder SchlaganfĂ€lle frĂŒhzeitig einer spezialisierten kardiologischen AbklĂ€rung zuzufĂŒhren.
Trotz der vielversprechenden Ergebnisse weisen Fachleute darauf hin, dass fĂŒr eine endgĂŒltige klinische Implementierung noch weitere Schritte erforderlich sind. Insbesondere eine prospektive Validierung der Ergebnisse gilt als notwendige Voraussetzung, um die ZuverlĂ€ssigkeit der KI-Prognosen unter Realbedingungen dauerhaft zu bestĂ€tigen.
Sollte sich das Verfahren in weiteren Studien bewĂ€hren, könnte die Mammografie kĂŒnftig eine zentrale Rolle in der kardiovaskulĂ€ren PrĂ€ventivmedizin fĂŒr Frauen einnehmen.
