MangelernÀhrung, TodesfÀlle

MangelernÀhrung: 55.000 vermeidbare TodesfÀlle pro Jahr in Kliniken

Veröffentlicht am: 21.08.2026 um 11:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Kliniken ĂŒbersehen MangelernĂ€hrung bei Millionen Patienten. Neue QualitĂ€tsvorgaben bis 2027 sollen Diagnose und Behandlung verbessern.

MangelernÀhrung in Kliniken: Nur ein Prozent der Betroffenen erhÀlt Diagnose
Ein unberĂŒhrtes Essens-Tablett auf dem Nachttisch in einem Krankenhauszimmer. Illustration mit AI erstellt ĂŒbermittelt durch boerse-global.de

Die medizinische Versorgung in deutschen KrankenhĂ€usern weist erhebliche Defizite bei der Identifizierung und Behandlung von MangelernĂ€hrung auf. Aktuelle Daten der Deutschen Gesellschaft fĂŒr ErnĂ€hrungsmedizin (DGEM) sowie Auswertungen von Krankenkassendaten verdeutlichen eine besorgniserregende Diskrepanz zwischen der tatsĂ€chlichen Betroffenheit von Patienten und der klinischen Diagnosepraxis.

WĂ€hrend SchĂ€tzungen davon ausgehen, dass etwa ein Drittel aller Klinikpatienten mangelernĂ€hrt ist, erhĂ€lt lediglich ein Prozent der Betroffenen eine entsprechende Diagnose. Diese Unterversorgung hat nicht nur medizinische, sondern auch gravierende ökonomische Folgen fĂŒr das Gesundheitssystem.

Systematische Defizite in der klinischen Diagnosepraxis

Die Identifizierung von Patienten mit ErnĂ€hrungsdefiziten scheitert in der Breite an fehlenden Strukturen. Den Erhebungen der DGEM zufolge fĂŒhren lediglich 35 von insgesamt 1.850 Kliniken in Deutschland ein systematisches Screening auf MangelernĂ€hrung durch.

Dieser Umstand fĂŒhrt dazu, dass der Großteil der FĂ€lle unentdeckt bleibt. In einer frĂŒheren Untersuchung, die 1.755 Patienten umfasste, wurde bei 33,9 Prozent der Teilnehmenden eine MangelernĂ€hrung festgestellt. Dennoch spiegelt sich diese RealitĂ€t nicht in den offiziellen Diagnosestatistiken wider.

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Vertreter der DGEM kritisieren in diesem Zusammenhang den Stellenwert der ErnĂ€hrung im klinischen Alltag. Dieser sei faktisch nicht existent, was die flĂ€chendeckende VernachlĂ€ssigung prĂ€ventiver Screenings erklĂ€re. Ohne eine verpflichtende Erfassung bleibt die MangelernĂ€hrung ein weitgehend unsichtbares PhĂ€nomen, das jedoch die Genesungschancen der Patienten maßgeblich beeintrĂ€chtigt.

Auswirkungen auf Sterblichkeit und Behandlungskosten

Die medizinischen Konsequenzen einer unzureichenden ErnÀhrungsversorgung sind durch Studien, die den Zeitraum von 2017 bis 2024 abdecken, fundiert belegt. Den Daten zufolge ist die Sterblichkeit bei Patienten mit MangelernÀhrung mehr als doppelt so hoch wie bei ausreichend ernÀhrten Personen.

WÀhrend die Sterblichkeitsrate in der Vergleichsgruppe bei 7,3 Prozent liegt, steigt sie bei mangelernÀhrten Patienten auf 18,2 Prozent an. Experten schÀtzen, dass bundesweit jÀhrlich etwa 55.000 TodesfÀlle durch eine rechtzeitige ErnÀhrungsintervention vermeidbar wÀren.

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Da klinische Screenings oft lĂŒckenhaft sind, ist es fĂŒr Gesundheitsbewusste umso wichtiger, die eigenen Blut- und Vitalstoffwerte selbst richtig deuten zu können. Ein spezialisierter Laborwerte-Check hilft dabei, MĂ€ngel rechtzeitig aufzudecken und Fehlinterpretationen zu vermeiden. Kostenlosen 25-Seiten-Report zum Laborwerte-Selbstcheck anfordern

Neben der erhöhten MortalitĂ€t verlĂ€ngern sich die Klinikaufenthalte und die Komplikationsraten steigen. Die Auswertung der Krankenkassendaten zeigt, dass auch die Wiederaufnahmerate bei mangelernĂ€hrten Patienten mit 44,9 Prozent deutlich ĂŒber dem Durchschnitt von 37,8 Prozent liegt.

Diese Faktoren schlagen sich unmittelbar in der Kostenstruktur nieder: Pro betroffener Person entstehen demnach Zusatzkosten von ĂŒber 4.000 Euro. Trotz dieser wirtschaftlichen Belastung fĂŒr die KostentrĂ€ger bleibt die Diagnose quote bei dem bereits genannten Wert von etwa einem Prozent der tatsĂ€chlich Betroffenen, die geschĂ€tzt 20 bis 30 Prozent der GesamtfĂ€lle ausmachen.

Geplante QualitÀtsvorgaben und regulatorische Schritte

Angesichts der belegten Versorgungsdefizite und der damit verbundenen Risiken fĂŒr die Patientensicherheit ist eine regulatorische Anpassung vorgesehen. Bisher ist ein Screening auf MangelernĂ€hrung in deutschen KrankenhĂ€usern nicht verpflichtend vorgeschrieben. Dies soll sich jedoch in absehbarer Zeit Ă€ndern.

Es ist geplant, bis zum Jahr 2027 verbindliche QualitĂ€tsvorgaben fĂŒr die klinische ErnĂ€hrung einzufĂŒhren. Eine entsprechende Richtlinie soll bis Ende 2027 vorliegen, um eine systematische Erfassung und Behandlung sicherzustellen.

Ziel dieser Maßnahmen ist es, die Diagnosequote signifikant zu erhöhen und die vermeidbaren TodesfĂ€lle sowie die hohen Zusatzkosten durch eine frĂŒhzeitige Intervention zu reduzieren. Bis zur Umsetzung dieser Vorgaben bleibt die ErnĂ€hrungsmedizin jedoch ein Bereich, der in der klinischen Praxis nur in AusnahmefĂ€llen systematisch berĂŒcksichtigt wird.

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