Marketing-Software, Funktionen

Marketing-Software: Nur 49 Prozent der Funktionen werden genutzt

Veröffentlicht am: 07.08.2026 um 10:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Unternehmen ersetzen zunehmend monolithische Software durch spezialisierte KI-Lösungen. Neue Dienste versprechen Effizienzgewinne und Kostensenkungen.

Software-Wandel: Deutsche Konzerne setzen auf schlanke Tools und KI-Agenten
Minimalistischer Büroschreibtisch mit Laptop, der eine vereinfachte KI-Oberfläche zeigt, für Software-Konsolidierung. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Ära der monolithischen Software-Suiten neigt sich dem Ende zu. Immer mehr Unternehmen setzen auf schlanke Einzweck-Tools und KI-Agenten statt auf überladene All-in-One-Plattformen. Der Trend könnte auch deutsche Konzerne vor große Umstrukturierungen stellen.

Die Zahlen sind ernüchternd: Nur noch 49 Prozent der Funktionen in Marketing-Software werden tatsächlich genutzt, wie Marktforscher von Gartner berechnen. Die Folge ist ein drastischer Rückgang der Technologie-Ausgaben im Marketing-Budget – von 26,6 Prozent im Jahr 2021 auf nur noch 19,4 Prozent in diesem Jahr. Für deutsche Unternehmen, die traditionell auf umfangreiche Software-Landschaften von SAP bis Salesforce setzen, wird die Frage nach dem tatsächlichen Nutzen ihrer digitalen Werkzeuge immer drängender.

„Software-Beschneidung" als neues Geschäftsmodell

Genau hier setzt der neue Dienst Re:Stack an, den das Unternehmen Bayes & Beyond am 5. August 2026 auf den Markt gebracht hat. Der Service prüft die Marketing-Tool-Landschaft von Firmen und konsolidiert überflüssige oder sich überschneidende Plattformen. Das Besondere: Bezahlt wird nur im Erfolgsfall – die Kosten entstehen also erst, wenn tatsächlich Einsparungen erzielt werden. Ein klares Signal, dass Unternehmen zunehmend auf Effizienz statt auf Feature-Überfluss setzen.

KI als neue Benutzeroberfläche

Parallel dazu verändert sich die Architektur von Software grundlegend. Statt komplexer Verwaltungsmenüs setzen immer mehr Anbieter auf KI-gesteuerte Chat-Oberflächen. Die Plattform AXL, die über sechs Jahre an einer Million Zeilen Code entwickelt hat, baut ihre gesamte Infrastruktur um: Künstliche Intelligenz wird zur primären Schnittstelle. Geschäftsinhaber steuern ihre Abläufe künftig per Dialog, statt sich durch verschachtelte Menüs zu klicken.

Auch das Startup FlashLabs – früher als FlashIntel bekannt – hat die Kurve gekriegt. Statt eines komplexen Ökosystems aus vielen KI-Agenten konzentriert sich das Unternehmen nun auf einen einzigen leistungsstarken „Super Agent". Die Führungsetage hat dafür das Team verkleinert. Die Abrechnung erfolgt künftig ergebnisorientiert statt nach Sitzplatz-Lizenz – ein Modell, das auch in deutschen Unternehmen für Diskussionen sorgen dürfte.

Nischen-Agenten schlagen Branchengrößen

Die Leistungsfähigkeit spezialisierter KI-Agenten zeigt ein aktuelles Beispiel: Das Startup Hark brachte am 5. August seinen Agenten Hark Handoff auf den Markt, der auf Hochgeschwindigkeits-Aufgaben spezialisiert ist. In Benchmarks auf der Plattform Online-Mind2Web erreichte er beachtliche 97,7 Punkte – und ließ damit Branchengrößen wie GPT 5.4 (92,8 Punkte), Claude Opus 4.8 und Gemini 2.5 Pro hinter sich. Mit einer Latenz von nur 0,8 Sekunden und deutlich niedrigeren Kosten will Hark, das kürzlich 700 Millionen Dollar einsammelte, die Konkurrenz unter Druck setzen.

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Schlanke Teams, hohe Umsätze

Der Trend zu schlanker Software geht einher mit einer neuen Unternehmenskultur: Immer mehr Firmen erzielen mit winzigen Teams enorme Umsätze. Branchenkenner verweisen auf Beispiele wie Midjourney, das mit nur etwa zehn Mitarbeitern beachtliche Jahresumsätze einfährt, oder Anysphere, dessen Erlöse innerhalb eines Jahres von 100 auf 300 Millionen Dollar stiegen – bei gerade einmal 20 Angestellten. Solche Beispiele befeuern Spekulationen über „Ein-Personen-Unicorns" – Startups mit Milliardenbewertung und nur einem einzigen Mitarbeiter.

Investoren stecken zudem zunehmend Geld in Technologien, die digitalen Ballast identifizieren. Die israelische firma PointFive sicherte sich 60 Millionen Dollar in einer Series-B-Finanzierung für ihre Plattform, die ineffiziente Cloud- und KI-Nutzung aufspürt. Kunden berichten von durchschnittlichen Einsparungen von 30 Prozent durch die Identifizierung verschwendeter Ressourcen.

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Digitalisierung allein genügt nicht

Doch der Hype um KI-Effizienz hat auch seine Schattenseiten. Während die Nutzung künstlicher Intelligenz in Unternehmen rasant steigt – in Australien etwa von 1 Prozent im Jahr 2022/23 auf 12 Prozent in 2024/25 –, zeigt eine Studie der Universität Katalonien: Digitalisierung allein garantiert keine Produktivitätsgewinne. Zwar können Technologien wie Robotik die Effizienz kleiner und mittlerer Unternehmen steigern, doch der Erfolg hängt entscheidend von der organisatorischen Anpassung ab. Neue Software-Schichten zu installieren, reicht offenbar nicht aus – ein wichtiger Hinweis auch für den deutschen Mittelstand.

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