MASLD: ENT1-Mangel schĂŒtzt MĂ€use vor Fettansammlung und Fibrose
Veröffentlicht am: 20.10.2026 um 19:18 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie metabolische Dysfunktion-assoziierte steatotische Lebererkrankung, kurz MASLD, gilt als die weltweit hĂ€ufigste chronische Erkrankung der Leber. Eine im Fachjournal âMetabolismâ erschienene wissenschaftliche Arbeit der UniversitĂ€t Barcelona identifiziert nun das Transportprotein ENT1 als einen bisher wenig beachteten Faktor in der Pathogenese dieser LeberverĂ€nderungen.
Die Forschungsarbeit unter der Leitung von Sandra PĂ©rez-Torras von der UniversitĂ€t Barcelona sowie der Ko-Leitung von Sonia FernĂĄndez-Veledo vom Institut fĂŒr biomedizinische Forschung CatSud untersucht die molekularen Mechanismen, ĂŒber die das Protein den Krankheitsverlauf beeinflusst.
ENT1 reguliert Nukleosidspiegel im Lebergewebe
Das Membranprotein ENT1 ĂŒbernimmt im Organismus den Transport von Nukleosiden in Leberzellen, darunter insbesondere Adenosin. Durch die Regulierung dieser Botenstoffe greift das Protein unmittelbar in den zellulĂ€ren Stoffwechsel ein.
Um die spezifische Funktion zu entschlĂŒsseln, untersuchten die Wissenschaftler Tiermodelle. Bei MĂ€usen, denen ENT1 fehlte, stellten die Forscher reduzierte Adenosin-Spiegel im Lebergewebe fest. Dieser Mangel an ENT1 ging mit deutlichen Schutzeffekten einher: Die Tiere wiesen einen ausgeprĂ€gten Schutz vor ĂŒbermĂ€Ăiger Fettansammlung, EntzĂŒndungsprozessen und fortschreitender Fibrose auf.
DarĂŒber hinaus zeigten die gentechnisch verĂ€nderten MĂ€use eine verbesserte Glukosetoleranz sowie eine erhöhte InsulinsensitivitĂ€t, was auf eine zentrale Rolle des Proteins bei stoffwechselbedingten LeberschĂ€den hinweist.
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Expressionsmuster bei Patienten und Verbindung zu Insulinresistenz
ErgĂ€nzend zu den tierexperimentellen Daten wurden Genexpressionsdaten und Gewebeproben von Patienten analysiert. Diese Auswertungen belegen, dass das Expressionsmuster von ENT1 eng an das jeweilige Krankheitsstadium gekoppelt ist. In frĂŒhen Stadien von MASLD ist die Expression des Transportproteins deutlich erhöht, wĂ€hrend sie im weiteren Verlauf der Erkrankung und mit zunehmender Progression wieder absinkt.
Zudem steht die erhöhte ENT1-Expression in der frĂŒhen Krankheitsphase in direktem Zusammenhang mit metabolischen Parametern: Sie korreliert mit gesteigerten Insulinspiegeln sowie einem höheren HOMA-IR-Wert, der als Standardindikator fĂŒr eine vorliegende Insulinresistenz dient.
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Potenzial als therapeutisches Ziel und methodische EinschrÀnkungen
Aufgrund dieser Beobachtungen diskutieren die Autoren ENT1 als potenzielles therapeutisches Ziel. Entsprechende Hemmstoffe befinden sich bereits in der klinischen Entwicklung. Dennoch betonen die Forscher, dass der tatsĂ€chliche therapeutische Nutzen von ENT1-Inhibitoren bei MASLD bislang ungeprĂŒft ist.
Zwar existieren spezifische Hemmstoffe, deren Wirksamkeit bei der Fettlebererkrankung ist jedoch nicht belegt. Weitere Untersuchungen, insbesondere an Menschen und innerhalb gröĂerer Studienkohorten, seien zwingend erforderlich.
Gleichzeitig verweist die wissenschaftliche Debatte auf methodische Limitationen der Arbeit. So weist die Veröffentlichung keine spezifischen EffektstĂ€rken oder exakten GruppengröĂen aus.
Fachkollegen Ă€uĂerten zudem methodische EinwĂ€nde hinsichtlich der Gewebeanalysen: Der fĂŒr den Nachweis des ENT1-Abfalls herangezogene Vergleich von nicht-tumorösem Lebergewebe mit Tumorproben schrĂ€nke die Aussagekraft ĂŒber den tatsĂ€chlichen RĂŒckgang des Proteins im Krankheitsverlauf ein.
