Massagen, Akupunktur

Massagen und Akupunktur: Wirkung lÀsst nach 12 Wochen nach

Veröffentlicht: 11.07.2026 um 03:40 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Studie belegt nur kurzfristige Linderung durch passive Therapien. GKV-Ausgaben fĂŒr Heilmittel steigen auf 14,7 Milliarden Euro.

Massagen & Akupunktur: Grenzen der Wirksamkeit und steigende Kosten
HĂ€nde ĂŒben Akupressur auf die Schulter einer Person aus, mit sanftem Licht, das die therapeutische BerĂŒhrung hervorhebt. Illustration mit AI erstellt ĂŒbermittelt durch boerse-global.de

Doch Mediziner und aktuelle Studien zeigen: Die Anwendung hat klare Grenzen, und die Langzeitwirkung ist oft geringer als erwartet.

Wann Patienten besser aufpassen sollten

Trotz des Rufs als sanfte Wellness-Behandlung warnen Ärzte vor unbedachter Anwendung. Dr. Le Thien Kim Huu vom UniversitĂ€tsklinikum Ho-Chi-Minh-Stadt betont: Bei akutem Fieber, Infektionen oder Blutgerinnungsstörungen sind Massagen tabu. Auch bei schwerer Osteoporose, frischen KnochenbrĂŒchen oder schweren StĂŒrzen in der Vorgeschichte droht Verletzungsgefahr durch manuellen Druck.

Schwangerschaft sowie schwere Herz-, Leber- oder Niereninsuffizienzen gelten ebenfalls als Kontraindikationen. Patienten, die BlutverdĂŒnner nehmen, sollten besonders vorsichtig sein. Halten Schmerzen lĂ€nger als einige Tage an, verschlimmern sie sich nachts oder treten Symptome wie Morgensteifigkeit, Schwellungen, TaubheitsgefĂŒhle oder MuskelschwĂ€che auf, raten Fachleute dringend zu einer Ă€rztlichen AbklĂ€rung.

Kurzfristige Linderung – aber keine Wunderheilung

Eine internationale Meta-Analyse, Ende Juni 2026 im Fachjournal BMJ Medicine veröffentlicht, stellt die langfristige Wirksamkeit passiver Therapien infrage. Prof. Daniel Belavy von der Hochschule Bochum wertete Daten aus 551 Studien mit ĂŒber 71.000 Patienten aus. Ergebnis: Nicht-operative Behandlungen wie Massagen, Akupunktur und Bewegungstherapie lindern chronische RĂŒckenschmerzen zwar fĂŒr etwa 10 bis 12 Wochen. Nach einem Jahr sind jedoch keine klinisch relevanten Vorteile mehr nachweisbar.

Nur etwa ein Drittel des Behandlungserfolgs geht direkt auf die gewĂ€hlte Therapie zurĂŒck. Die Forscher betonen: Entscheidend sind Selbstmanagement und Gesundheitscoaching. In spezialisierten Einrichtungen, etwa in ZĂŒrich, setzt man daher vermehrt auf individuelle AnsĂ€tze, die auch Stressfaktoren und die psychische Komponente der Schmerzwahrnehmung berĂŒcksichtigen.

Technik als ErgÀnzung: TENS und Akupressurmatten

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Neben manuellen Therapien gewinnen technische Hilfsmittel an Bedeutung. Die transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS) wird bei RĂŒcken-, Nacken- und Gelenkschmerzen sowie MigrĂ€ne eingesetzt. Anbieter geben Erfolgsquoten von ĂŒber 60 Prozent an. Auf Ă€rztliche Verordnung ĂŒbernehmen Krankenkassen die Kosten oft.

FĂŒr zu Hause sind Akupressurmatten beliebt. Anastasia Kvasova, Therapeutin fĂŒr Endokrinologie, erlĂ€uterte Anfang Juli 2026: Der mechanische Druck fördert die Durchblutung und setzt Endorphine frei. Allerdings gibt es keine ĂŒberzeugenden Belege fĂŒr eine eigenstĂ€ndige Heilwirkung bei chronischen Leiden. Die Matten sollten nur ergĂ€nzend zur Physiotherapie und Haltungskorrektur genutzt werden.

Übrigens: Auch falsch eingestellte Klimaanlagen können durch direkten Luftzug MuskelkrĂ€mpfe und Nackensteifigkeit provozieren – ein saisonaler Faktor, der die Nachfrage nach Behandlungen beeinflusst.

Die Kostenexplosion bei Heilmitteln

Die steigende Nachfrage zeigt sich deutlich in den Finanzdaten der gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV). Laut Heilmittel-Report 2026 des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) stiegen die Ausgaben von 6,1 Milliarden Euro im Jahr 2014 auf 13,3 Milliarden Euro im Jahr 2024. FĂŒr 2025 wird ein weiterer Anstieg auf 14,7 Milliarden Euro erwartet.

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Ein wesentlicher Treiber: die Blankoverordnung, eingefĂŒhrt 2024. Therapeuten entscheiden dabei eigenstĂ€ndig ĂŒber Frequenz und Menge der Behandlung. Am Beispiel von Schulterbeschwerden zeigt sich: Blankoverordnungen machen nur 2,4 Prozent der FĂ€lle aus, aber 4,5 Prozent des Umsatzes. Die Kosten pro Fall liegen mit 714 Euro deutlich ĂŒber den 214 Euro einer Regelverordnung.

Wissenschaftler wie Prof. Christian Kopkow von der BTU Cottbus-Senftenberg fordern daher eine stĂ€rkere ÜberprĂŒfung der ErgebnisqualitĂ€t und eine konsequentere Anwendung medizinischer Leitlinien im Praxisalltag.

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