Mathematik-Leistung: PISA zeigt Rückgang um 22 Punkte weltweit
Veröffentlicht am: 09.09.2026 um 02:21 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Angesichts internationaler Leistungsvergleiche und sich wandelnder pädagogischer Anforderungen rücken neue Methoden der Mathematikvermittlung verstärkt in den Fokus. Die Pädagogische Hochschule Oberösterreich stellt hierzu spezifische Materialien und Spiele bereit, die darauf abzielen, mathematische Kompetenzen gezielt zu fördern.
Dieser Ansatz steht im Kontext einer breiteren Entwicklung, die Mathematik nicht mehr rein abstrakt, sondern zunehmend handlungsorientiert und spielerisch vermittelt.
Herausforderungen durch aktuelle Leistungsdaten
Der Bedarf an effektiven Förderkonzepten wird durch aktuelle Erhebungen unterstrichen. Die Ergebnisse der PISA-Studie 2025, die am 8. September 2026 veröffentlicht wurden, zeigen für den OECD-Raum einen deutlichen Leistungsrückgang. Im Zeitraum von 2015 bis 2025 sank die Punktzahl im Bereich Mathematik um 22 Punkte, während sie im Lesen um 28 Punkte zurückging.
Insgesamt wurden 760.000 Schüler aus 91 Ländern getestet. Der Anteil leistungsschwacher Jugendlicher stieg auf 20 Prozent an, verglichen mit 16 Prozent im Jahr 2022. Zu den internationalen Spitzenreitern gehören weiterhin Singapur, Korea, Japan und Estland.
Katja Scharenberg, Professorin an der LMU, betonte im Zusammenhang mit diesen Daten, dass reine Ranglisten-Vergleiche kritisch zu sehen seien. Vielmehr müsse die Aufmerksamkeit auf soziale Ungleichheiten und die Bedeutung einer frühen Förderung gelenkt werden. In Deutschland nahmen an der Untersuchung 6.700 Schüler aus 245 Schulen teil.
Praktische Konzepte und individuelle Förderung
In der pädagogischen Praxis werden vermehrt Projekte umgesetzt, die Schwellenängste abbauen sollen. Ein Beispiel für die praktische Anwendung mathematischer Geometrie zeigte sich am Hannah-Arendt-Gymnasium in Lengerich. Die Schülerin Marit Prigge konstruierte im Rahmen der Schülerakademie Mathematik Münster (SAMMS) platonische Körper und eine Sierpinski-Pyramide aus insgesamt 4.500 Zahnstochern.
Professor Sebastian Wartha von der PH Karlsruhe verfolgt im Rahmen des Karlsruher Mathesommers einen dialogorientierten Ansatz. In Kleingruppen von maximal sechs Kindern wird insbesondere der Zahlenraum bis 10 thematisiert. Ein zentrales Element ist dabei die Fehlerkultur: Fehler werden als Lerngelegenheit betrachtet, und die Kinder werden explizit dazu angeregt, über ihre mathematischen Gedankengänge zu sprechen.
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Auch digitale und physische spielerische Ansätze gewinnen an Bedeutung. Die Lehrerin Nicky Secchi bietet mit der „MathMagicSchool-Suite“ eine kostenlose Software für Grundschulen an, die mathematische Fähigkeiten durch narrative Missionen vermittelt.
Ergänzend dazu werden auch bewegungsorientierte Methoden diskutiert; so thematisierte ein Online-Workshop Anfang September 2026 das Jonglieren als Mittel zur Förderung von Lernprozessen. Die Stadt Lünen setzt zudem auf haptische Vermittlung und stellt Schulen das Brettspiel „Schwamm drunter!“ zur Verfügung, das mathematisches Verständnis mit Themen der Klimaanpassung verknüpft.
Politische Rahmenbedingungen und institutionelle Anpassungen
Auf politischer Ebene werden die Weichen für eine systematischer Förderung gestellt. Das Bundeskabinett verabschiedete am 2. September 2026 das „Startchancen- und Qualitätsentwicklungsgesetz“. Dieses sieht ab 2027 verpflichtende Sprach- und Entwicklungstests für alle Vierjährigen vor.
Der Bund stellt hierfür im Zeitraum von 2027 bis 2034 insgesamt 9,25 Milliarden Euro bereit, ergänzt durch ein Investitionsprogramm über 4 Milliarden Euro für die Jahre 2026 bis 2029.
In den Bundesländern werden Lehrpläne bereits angepasst. In Sachsen-Anhalt ist seit August 2026 ein neuer Grundschul-Lehrplan in der Erprobung, der neben der schriftlichen Division das halbschriftliche Rechnen und das Problemlösen betont.
Vierjährige sollen künftig verpflichtende Sprach- und Entwicklungstests erhalten – ein Zeichen, wie wichtig frühe Förderung ist. Doch Sie müssen nicht warten: Mit einfachen Alltagsübungen können Sie die mathematischen Fähigkeiten Ihres Kindes schon heute stärken. 5 Methoden für frühe Zahlenförderung jetzt sichern
Auch die Integration digitaler Bildung und Demokratieerziehung ist Teil dieses vierjährigen Erprobungsmodells. In Niedersachsen wird zudem ein von der EU finanziertes Rahmenmodell von UNICEF erprobt, das in 13 Kindertagesstätten die sprachlichen und mathematischen Kompetenzen stärken soll.
Flankiert werden diese Entwicklungen durch wissenschaftliche Fachbegegnungen wie die DMV-Jahrestagung an der Universität Konstanz, die vom 7. bis 10. September 2026 stattfindet. Neben der Verleihung der Cantor-Medaille an Gerhard Huisken widmet sich die Tagung mit einem speziellen „Teachers Day“ explizit der Schnittstelle zwischen Forschung und Schulpraxis.
