MB.Drive Assist Pro: Mercedes bringt Level 2++ in Stadtverkehr
27.05.2026 - 09:26:05 | boerse-global.deStuttgart/München – Mercedes-Benz will noch in diesem Jahr sein neues Fahrassistenz-System MB.Drive Assist Pro in deutschen Großstädten einführen. Der Autobauer setzt damit auf eine intelligente Technik für den Stadtverkehr – und bleibt gleichzeitig auf der sicheren Seite des Gesetzes.
Das System ist als SAE Level 2++ klassifiziert – eine „Hände weg, Augen auf"-Lösung. Der Fahrer bleibt rechtlich verantwortlich, darf aber zeitweise die Hände vom Lenkrad nehmen. Anders als reine Autobahn-Assistenten ist MB.Drive Assist Pro für den komplexen Stadtverkehr ausgelegt und führt das Fahrzeug von einem Startpunkt zum Ziel innerhalb der Stadtgrenzen.
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Technische Basis: 30 Sensoren und Nvidia-Power
Die Hardware des Systems ist beeindruckend: 30 Sensoren arbeiten zusammen, darunter zehn Kameras, fünd Radareinheiten und zwölf Ultraschallsensoren. Herzstück ist das hauseigene Betriebssystem MB.OS, das die Daten in Echtzeit verarbeitet.
Für den westlichen Markt entwickelte Mercedes die Technik gemeinsam mit dem Chip-Spezialisten Nvidia. Das unterscheidet das System von der Version für China, die bereits seit Herbst 2025 verfügbar ist und auf der Partnerschaft mit Momenta basiert.
Ein entscheidender Vorteil: Mercedes verzichtet auf teure Lidar-Sensoren, die noch bei früheren Level-3-Systemen verbaut wurden. Stattdessen setzt der Hersteller auf eine kostengünstigere Kamera-Radar-Kombination – ein Schritt, der die Technik für breitere Kundenschichten erschwinglich machen soll.
Trotz der „Hände-frei"-Funktion bleibt der Fahrer in der Pflicht. Das System fordert regelmäßig eine kurze Berührung des Lenkrads, sonst schaltet es ab. Wer nicht reagiert, verliert die Assistenz.
Start in Stuttgart und München – Ausweitung 2027
Die Einführung erfolgt zunächst in Stuttgart und München, bevor Mercedes das System Anfang 2027 deutschlandweit ausrollen will. Die notwendige Hardware wird in der GLC- und S-Klasse serienmäßig verbaut sein. Für andere Modelle wie die C-Klasse und den CLA sind Over-the-Air-Updates vorgesehen – so können Kunden die Funktionen nachträglich freischalten lassen.
Allerdings gibt es Einschränkungen: Nicht alle Einstiegsvarianten des CLA verfügen über die erforderliche Hardware. Die Preise für die Softwareaktivierung oder ein Abomodell stehen noch nicht fest.
Strategischer Kurswechsel: Weg vom Level 3, hin zur Breite
Mit MB.Drive Assist Pro vollzieht Mercedes eine strategische Kehrtwende. Der Hersteller hatte zuvor stark auf das Drive-Pilot-System gesetzt, das als Level 3 zertifiziert war – aber nur auf Autobahnen bei maximal 60 km/h funktionierte. Die hohen Produktionskosten, der begrenzte Einsatzbereich und die verhaltene Nachfrage ließen das System zum Nischenprodukt werden.
Der neue Ansatz erinnert an die Strategie von Tesla, die ebenfalls auf kamerabasierte Systeme setzt. Der Unterschied: Mercedes kombiniert Kameras mit Radar und Ultraschall. Branchenbeobachter sehen darin den richtigen Schritt. „Level-2++-Systeme bieten echten Nutzen im Alltag – ohne die rechtlichen Fallstricke der vollständigen Automatisierung", heißt es aus Fachkreisen.
Auch die Wettbewerber ziehen nach: BMW arbeitet an ähnlichen Lösungen für den Stadtverkehr. Der Trend geht klar zu „beaufsichtigter Autonomie", bei der der Fahrer die letzte Verantwortung trägt.
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Rechtlicher Rahmen: Europa zieht nach
Die Einführung des Stadt-Assistenten fällt in eine Zeit des Umbruchs. Experten rechnen damit, dass überwachtes autonomes Fahren und bestimmte Level-4-Funktionen in Deutschland und Europa ab Anfang 2027 eine breitere rechtliche Grundlage erhalten. Das würde den Weg für die geplante nationale Ausweitung ebnen.
Der langfristige Horizont bleibt jedoch klar: Echte Level-4-Autonomie – bei der das Fahrzeug in den meisten Situationen ohne menschlichen Eingriff auskommt – wird nach Einschätzung von Marktforschern frühestens zwischen 2035 und 2040 massentauglich.
Ausblick: Ein Test für die Branche
Der Start in Stuttgart und München wird genau beobachtet. Der Erfolg von MB.Drive Assist Pro könnte darüber entscheiden, wie schnell andere Hersteller ähnliche Systeme auf den Markt bringen. Für Mercedes geht es um nicht weniger als die Positionierung als führender Anbieter softwaredefinierter Fahrzeuge im Premiumsegment.
Die entscheidende Frage: Sind Autofahrer bereit, für Komfort-Funktionen im Stadtverkehr zu zahlen – auch wenn sie jederzeit wieder selbst eingreifen müssen? Die Antwort darauf wird die Branche in den kommenden Monaten erhalten.
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