ME/ CFS: 7,5 Millionen Euro für Grundlagenforschung in Deutschland
Veröffentlicht: 08.07.2026 um 10:20 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Über 650.000 Menschen in Deutschland leiden an postakuten Infektionssyndromen (PAIS) – vor allem Long-Covid und ME/CFS. Im Juli 2026 fließen nun neue Millionen in die Forschung.
EU-Projekt DISCOVER-ME: 7,5 Millionen Euro für die Grundlagenforschung
Das EU-Projekt DISCOVER-ME will die biologischen Mechanismen von ME/CFS entschlüsseln. Horizon Europe fördert das Vorhaben mit 7,5 Millionen Euro. Die Medizinische Universität Wien leitet die internationale Kooperation – Partner sind unter anderem das Imperial College London und die kanadische Western University.
Dort analysiert ein Team Blutproben von über 700 Patienten und 200 Kontrollpersonen. Die Forscher setzen auf Proteomik und künstliche Intelligenz. Parallel erhält der Epidemiologe Matthias Wielscher von der MedUni Wien 450.000 Euro durch den WE&ME Award. Sein Ziel: genetische Ursachen für ME/CFS identifizieren und Patientengruppen stratifizieren. So sollen künftig präzisere Therapien möglich werden. Allein in Salzburg schätzt man die Zahl der Betroffenen auf rund 5.000.
Wirtschaftliche Folgen: „Dramatisch hohe Kosten“
Die Langzeitfolgen von Infektionen werden zum ökonomischen Risiko. Der Wirtschaftswissenschaftler Nils Goldschmidt warnt vor „dramatisch hohen Folgekosten“ durch Arbeitsausfälle und Langzeitbehandlungen. Er kritisiert die mangelnde politische und gesellschaftliche Aufmerksamkeit für diese Dimension.
Erste Schritte zur Verbesserung der klinischen Versorgung gibt es dennoch. Im Klinikum Wels in Oberösterreich entsteht eine spezialisierte Ambulanz für PAIS und ME/CFS. Sie soll Patienten betreuen, die nach einer Corona-Infektion unter extremer Erschöpfung, Reizempfindlichkeit und Schmerzen leiden.
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Kognitive Rehabilitation: Subjektive Besserung, aber keine Wunder
Eine Studie im Fachjournal JAMA Network Open vom 1. Juli 2026 untersuchte kognitive Rehabilitation bei Long-Covid-Patienten. Die Teilnehmer erreichten ihre individuellen Ziele besser – standardisierte kognitive Tests zeigten jedoch keine signifikanten Verbesserungen. Adrian Black, ein Studienteilnehmer, berichtet von einer deutlichen Erleichterung im Alltag.
Parallel arbeitet die Wissenschaft an neuen Medikamenten. Die VolkswagenStiftung fördert ein Projekt der Universität des Saarlandes und des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung mit knapp einer Million Euro. Die Forscher Alexander Titz und Christian Sieben entwickeln breit wirksame antivirale Wirkstoffe. Diese sollen verhindern, dass Viren wie SARS-CoV-2 an Zelloberflächen andocken.
Ein Erfolg im Bereich der Immunologie könnte ebenfalls relevant sein. Am Universitätsklinikum Jena führte der Wirkstoff Teclistamab bei zwei Patientinnen mit einer autoimmunen Nervenerkrankung zu deutlicher Besserung. Die pathologischen Antikörper gingen zurück – publiziert in Nature Communications Anfang Juli 2026.
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Angehörige in der Wetterau organisieren sich
Die Belastung für Familien rückt stärker ins Bewusstsein. In der hessischen Wetterau gründete Hausarzt Wolfgang Pilz im Juli 2026 eine Selbsthilfegruppe für Angehörige von ME/CFS-Patienten. In Hessen leben schätzungsweise 65.000 Betroffene – rund ein Zehntel der bundesweiten Fallzahlen.
Die Initiative fordert einen verbindlichen Versorgungsauftrag für ambulante Strukturen und mehr psychologische Begleitung. Als Vorbild dienen Leitfäden aus Österreich. Sie bieten spezifische Hilfestellungen für die Pflege schwer erkrankter Patienten. Vor allem brauche es klare Ansprechpartner im Gesundheitssystem – um die jahrelangen Odysseen durch verschiedene Fachrichtungen zu beenden.
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