ME/ CFS: EU-Projekt mit 7,5 Millionen Euro startet Suche nach Biomarkern
01.07.2026 - 00:02:45 | boerse-global.de
Am 1. Juli startet DISCOVER-ME – ein 7,5-Millionen-Euro-Projekt unter Leitung der MedUni Wien. Ziel: die Diagnostik und Therapie von ME/CFS grundlegend verbessern. Die EU fördert die Initiative über vier Jahre aus dem Programm Horizon Europe.
70 Millionen Betroffene weltweit
Die Zahlen sind erschreckend: Bis zu 70 Millionen Menschen leiden an Myalgischer Enzephalomyelitis, auch bekannt als Chronisches Fatigue-Syndrom. Über 60 Prozent sind nicht arbeitsfähig, rund 20 Prozent dauerhaft bettlägerig.
In Europa verursacht die Krankheit jährliche Kosten von rund 40 Milliarden Euro. Besonders problematisch: In Deutschland, Österreich und der Schweiz vergehen im Schnitt fünf Jahre bis zur Diagnose. Allein in Österreich sind etwa 73.600 Menschen betroffen.
Forscher suchen Biomarker und Subtypen
Das internationale Konsortium unter Eva Untersmayr-Elsenhuber wertet rund 2.000 Datensätze aus. Mehr als 700 Patientenproben und 200 Kontrollen werden analysiert. Der Fokus liegt auf Immunsystem, Stoffwechsel, Hormonhaushalt und Mitochondrien-Funktion.
Die Forscher wollen biologische Marker identifizieren und klinische Subtypen definieren. Das soll die oft jahrelange Odyssee der Betroffenen verkürzen.
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Alte Medikamente, neue Hoffnung
Ein vielversprechender Ansatz: Drug-Repurposing. Rund 9.000 bereits zugelassene Wirkstoffe werden auf ihre Wirksamkeit bei ME/CFS getestet. 20 bis 50 Kandidaten sollen für künftige Behandlungsstrategien übrig bleiben.
Beteiligt sind renommierte Institutionen wie das Imperial College London, die Universität Uppsala, die University of Galway und das französische CNRS Paris.
Neue Versorgungspfade in Österreich
Parallel zum Forschungsstart gab es Ende Juni politische Fortschritte. Bund, Länder und Sozialversicherungen einigten sich auf einen neuen Versorgungspfad für post-infektiöse Syndrome (PAIS) – inklusive ME/CFS und Post-Covid.
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Die bestehende S1-Leitlinie wird zur S2+-Leitlinie ausgebaut. Die Sozialversicherungen übernehmen eine tragende Rolle bei der strukturierten medizinischen Betreuung.
Offen bleibt die Regelung der sozialen Absicherung, besonders bei Invaliditätspensionen. Die Ergebnisse aus DISCOVER-ME könnten hier künftig als objektive Grundlage für Gutachten dienen.
