ME/ CFS-Forschung: 450.000 Euro für Genetik-Studie mit 17.000 Patienten
Veröffentlicht: 09.07.2026 um 07:40 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Während Gerichte die Rechte von Betroffenen stärken, liefert die Forschung neue Hoffnung.
Thüringen: Beschlüsse ohne Taten
In Thüringen klafft eine Lücke zwischen Politik und Realität. Eine Landtagsinitiative aus März 2024 versprach ein spezialisiertes Ärzteverzeichnis für ME/CFS und Long COVID sowie eine Aufklärungskampagne. Beides existiert bis heute nicht.
Das Gesundheitsministerium begründet die Verzögerung mit fehlenden Vorarbeiten: Man müsse erst definieren, wer überhaupt als Spezialist gelte. Eine Kampagne sei „derzeit nicht angedacht“.
Die Patientenzahlen steigen derweil rasant. 2025 wurden in Thüringen fast 10.000 ME/CFS-Patienten ambulant behandelt – 2024 waren es noch rund 9.000. Die stationären Fälle sanken dagegen von etwa 1.400 auf rund 700. Lena Saniye Güngör (Linke) kritisierte die Landesregierung scharf: Angesichts dieser Zahlen sei die schleppende Umsetzung unzureichend.
Gericht stärkt Betroffene
Ein Urteil des Sozialgerichts Speyer setzt neue Maßstäbe. Die Richter erkannten ein Post-Covid-Syndrom als Schwerbehinderung mit einem Grad der Behinderung (GdB) von 50 an. Der Kläger litt nach einer Infektion im März 2021 unter massiver Erschöpfung, Konzentrationsstörungen und Schwindel.
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Entscheidend: Das Fehlen organischer Befunde ist kein Ausschlussgrund. Da die versorgungsmedizinischen Grundsätze keine eigenen Kriterien für Long COVID enthalten, hat das rechtskräftige Urteil Signalwirkung.
Gleichzeitig wächst der Kostendruck. Die Ausgaben für Krankengeld liegen bei rund 21,6 Milliarden Euro. Geplante Neuregelungen könnten Langzeitpatienten unter Druck setzen – Experten zweifeln an der Methodik künftiger Unterscheidungen zwischen Patientengruppen.
Neue Ambulanz in Oberösterreich
Das Klinikum Wels plant eine spezielle Ambulanz für postakute Infektionssyndrome (PAIS) und ME/CFS. Sie soll eine zentrale Anlaufstelle für Patienten mit extremer Erschöpfung und Schmerzsymptomatik werden.
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Forschung: 450.000 Euro für Genetik-Studie
Der Wiener Epidemiologe Matthias Wielscher (MedUni Wien) erhielt einen Förderpreis der WE&ME-Stiftung über 450.000 Euro. Sein Ziel: die genetische Basis von ME/CFS entschlüsseln. Der Datensatz „DecodeME“ mit Informationen von 17.000 Patienten soll helfen, spezifische Subtypen zu identifizieren.
Insgesamt fließen über den FWF weitere 1,3 Millionen Euro in drei Forschungsprojekte. Sie sollen die Mechanismen hinter den Erschöpfungserkrankungen besser erklären.
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