MECFS-Forschung, Wien

ME/ CFS-Forschung: Wien investiert zwei Millionen Euro in zwei Projekte

Veröffentlicht am: 14.10.2026 um 02:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Zwei Forschungsprojekte erhalten rund zwei Millionen Euro; die geplante Wiener Ambulanz soll ab Sommer 2027 schrittweise starten.

Wien fördert ME/CFS-Forschung und plant neues PAIS-Zentrum
Ein steriler, moderner klinischer Forschungsraum mit medizinischer Ausrüstung in einer Universitätsklinik. Illustration mit AI erstellt.

In Österreich rücken postakute Infektionssyndrome (PAIS) und ME/CFS verstärkt in den Fokus der medizinischen Versorgung und Wissenschaft. Wie aus Berichten vom 13.10.2026 hervorgeht, investiert die Stadt Wien rund zwei Millionen Euro in zwei Forschungsprojekte an der MedUni Wien und bereitet parallel dazu die Eröffnung eines spezialisierten PAIS-Zentrums vor.

Millioneninvestitionen für Ursachenforschung an der MedUni Wien

Die Finanzierung der wissenschaftlichen Vorhaben erfolgt über zwei sogenannte Consolidation Grants in Höhe von jeweils rund 1 Million Euro, die gemeinsam durch den Wiener Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiefonds (WWTF) und die WE&ME Stiftung an die MedUni Wien vergeben werden. Es handelt sich um die bislang größten Einzelförderungen für die ME/CFS-Forschung in Österreich. Seit 2024 haben der WWTF und die WE&ME Stiftung zusammen bereits rund 3,1 Millionen Euro für diesen Forschungsbereich bereitgestellt.

Die beiden geförderten Projekte sind auf eine Laufzeit von jeweils 36 Monaten ausgelegt:
- Das Projekt ME-RESET unter der Leitung von Lukas Haider, Martin Krššák und Katharina Kollndorfer erhält ein Fördervolumen von 999.930 Euro.

Untersucht wird die Sauerstoffmangel-Energieversorgung im Gehirn und in der Muskulatur mithilfe einer randomisierten Studie auf Basis von Multiorgan-MRT und MR-Spektroskopie.
- Ein zweites Forschungsprojekt von Matthias Wielscher und Kathryn Hoffmann wird mit 999.169 Euro gefördert.

Dieses Vorhaben widmet sich der Identifikation genetischer Ursachen mittels Ganzgenomsequenzierung sowie dem Aufbau eines spezialisierten ME/CFS-Boards für seltene Erkrankungen.

Neues PAIS-Zentrum für Floridsdorf geplant

Ergänzend zur Grundlagenforschung bereitet die Stadt Wien eine eigene Anlaufstelle für Patientinnen und Patienten vor. Das neue PAIS-Zentrum wird im Diabeteszentrum Donaufeld in Wien-Floridsdorf im 21. Bezirk eingerichtet und organisatorisch an die Klinik Hietzing angebunden. Wien ist nach Salzburg und dem Burgenland das dritte österreichische Bundesland, das eine derartige Ambulanz etabliert.

Die Errichtungskosten des Zentrums belaufen sich auf 6,7 Millionen Euro, während für den laufenden Betrieb jährliche Kosten in Höhe von 3,8 Millionen Euro veranschlagt werden. Für die Einrichtung sind rund 20 Vollzeitstellen in den Fachbereichen Medizin, Therapie und psychosoziale Betreuung vorgesehen. Ein erster Teilbetrieb ist für den Sommer 2027 geplant, der vollumfängliche Betrieb soll ab Mitte 2028 laufen.

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Wien investiert rund zwei Millionen Euro in die ME/CFS-Forschung und bereitet eine spezialisierte Ambulanz in Floridsdorf vor — ein erster Teilbetrieb ist für Sommer 2027 geplant. Wer heute eine gesicherte Diagnose und eine Überweisung braucht, findet in diesem kostenlosen Leitfaden die wichtigsten Schritte. Kostenlosen Leitfaden jetzt anfordern

Diagnostische Kriterien und geplanter Versorgungsablauf

Das Zentrum ist als reine Terminambulanz konzipiert, die sich an mittelschwere bis schwere Krankheitsfälle richtet. Eine Aufnahme setzt zwingend eine gesicherte Diagnose und eine Überweisung durch Haus- oder Fachärzte voraus. Das vorgeschaltete Screening basiert auf der seit 2023 bestehenden S1-Leitlinie.

Relevante Kriterien sind anhaltende Beschwerden von mehr als 12 Wochen nach einem immunologischen Ereignis, deutliche Einschränkungen im Alltags- oder Berufsleben, das Vorliegen multisystemischer Symptome wie POTS oder MCAS sowie der Ausschluss anderer eindeutiger Diagnosen.

Termine werden nach Dringlichkeit vergeben. Für den Empfang von liegend oder sitzend transportierten Schwerstbetroffenen ist ein separates Kojensystem vorgesehen. Die Ambulanz selbst verfügt über keine stationären Betten; bei akuten Verschlechterungen dienen Notfallbetten in den Kliniken des Wiener Gesundheitsverbunds (Wigev) als Absicherung. Ergänzend soll Telemedizin zum Einsatz kommen.

Für mittelschwere und schwere Verläufe sind Kontrolltermine im Rhythmus von etwa zwei Monaten angedacht, leichtere Verläufe sollen jährlich kontrolliert werden. Fachlich gilt bei Post-Exertion-Malaise eine aktivierende Therapie als kontraproduktiv. Für spezifische Behandlungsansätze wie Immunglobuline fallen privat monatliche Kosten zwischen 3000 und 5000 Euro an.

Hohe Krankheitslast in Österreich

Der Ausbau der Versorgungsstrukturen trifft auf einen erheblichen Bedarf: In Österreich wird die Zahl der Betroffenen auf 70.000 bis 80.000 Menschen geschätzt, womit das Syndrom häufiger auftritt als Multiple Sklerose.

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Rund 60 Prozent der Betroffenen gelten als teilweise arbeitsunfähig, etwa ein Viertel ist an das Haus oder an das Bett gebunden. Statistisch liegt der Erkrankungsgipfel zwischen 20 und 40 Jahren, wobei ein deutliches Überwiegen weiblicher Betroffener verzeichnet wird.

Die wissenschaftlichen Förderungen und die Pläne zur neuen Ambulanz wurden im Rahmen eines Pressegesprächs im Wiener Rathaus durch Bürgermeister Michael Ludwig, WWTF-Präsident Michael Häupl und den Vorstand der WE&ME Stiftung, Gerhard Ströck, vorgestellt. An der Präsentation nahmen zudem Michaela Fritz von der MedUni Wien, die Forscher Lukas Haider und Matthias Wielscher sowie Michael Binder vom Wigev teil.

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