ME/ CFS-Versorgung: Rund 80.000 Betroffene in Ă–sterreich, neue Ambulanz startet
Veröffentlicht am: 12.10.2026 um 21:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Fachmedien und regionale Gesundheitsbehörden berichten über die Eröffnung spezialisierter Ambulanzen sowie aktuelle Übersichten zu therapeutischen Versorgungsansätzen bei chronischen Krankheitsbildern. Die Initiativen zielen darauf ab, bestehende Lücken im Gesundheitssystem zu schließen, Diagnosewege zu verkürzen und Betroffenen eine gezielte interdisziplinäre Betreuung zu bieten.
Ausbau der Versorgungsstrukturen fĂĽr ME/CFS
In Ă–sterreich sind rund 80.000 Menschen von ME/CFS betroffen, davon etwa 2.400 Erwachsene und Kinder im Burgenland. An der Klinik Oberwart nahm Anfang Oktober 2026 eine neue ME/CFS-Ambulanz unter der Leitung von Dr. Engelbert Jeindl ihren Betrieb auf. Die Sprechstunden finden dienstags zwischen 14 und 18 Uhr nach telefonischer Anmeldung statt.
Bereits in den ersten eineinhalb Tagen verzeichnete die Einrichtung 150 Anmeldungen von Patientinnen und Patienten aus ganz Ă–sterreich und Deutschland. Details zu diesem Angebot wurden im Rahmen einer Regierungsklausur am 5. und 6. Oktober 2026 vorgestellt.
Die ärztliche Leiterin Veronika Matzi fordert in diesem Kontext eine offizielle Anerkennung durch die Sozialversicherungsträger. Neben einer weiteren Ambulanz am Tauernklinikum Zell am See ist für Dezember eine Neueröffnung in Graz geplant.
Eine ergänzende stationäre Therapie bietet das Reduce Gesundheitsresort Bad Tatzmannsdorf an. Die sechswöchige Behandlung umfasst orthomolekulare Substitution, Gesprächs- und Physiotherapie sowie Kälteanwendungen. Voraussetzung für die Aufnahme ist die Fähigkeit zur selbstständigen Fortbewegung.
FrĂĽherkennung und Betreuung von Osteoporose
An der Klinik Güssing startete die Abteilung für Innere Medizin Anfang Oktober 2026 die erste spezialisierte Osteoporose-Ambulanz im Burgenland. Landeshauptmann Hans Peter Doskozil betonte dabei das Ziel, eine wohnortnahe Versorgung für die Bevölkerung sicherzustellen. Die Ambulanz widmet sich der Früherkennung, der gezielten Therapie und der langfristigen Betreuung.
Zu den definierten Risikogruppen zählen Frauen nach der Menopause, ältere Menschen sowie Personen mit Begleiterkrankungen wie Diabetes mellitus, chronischen Nierenleiden oder rheumatologischen Diagnosen.
Ebenfalls im Fokus stehen Patientinnen und Patienten unter längerfristiger Kortisonbehandlung sowie Personen mit erhöhtem Sturz- und Knochenbruchrisiko. Für die Erstvorstellung ist eine Terminvereinbarung erforderlich, zudem müssen eine Knochendichtemessung und relevante Laborbefunde mitgebracht werden.
Die Nachfrage nach spezialisierter ME/CFS-Betreuung ist enorm: Eine neu eröffnete Ambulanz verzeichnete bereits in den ersten eineinhalb Tagen 150 Anmeldungen aus ganz Österreich und Deutschland. Wer den Weg zur Diagnose abkürzen will, sollte die Erstvorstellung gründlich vorbereiten. Unser kostenloser Leitfaden zeigt, welche Ambulanzen es gibt und welche Befunde Sie mitbringen sollten. Kostenlosen Leitfaden jetzt anfordern
Interdisziplinäre Versorgung chronischer Wunden
Auch bei anderen chronischen Leiden gewinnt die interdisziplinäre Bündelung von Kompetenzen an Bedeutung. Das Medizinische Wundzentrum am Marienhospital Kevelaer wurde laut einem Bericht vom 12. Oktober 2026 von der Initiative Chronische Wunden (ICW) zertifiziert und ist damit das einzige zertifizierte Zentrum dieser Art im Kreis Kleve.
Die Einrichtung stützt sich auf eine seit dem Jahr 2025 bestehende Zusammenarbeit der Kliniken für Gefäßchirurgie, Allgemeine Innere Medizin und interventionelle Angiologie sowie Diabetologie, Hypertensiologie, Lipidologie und Infektiologie.
Für das Zertifikat gelten strenge Vorgaben, darunter multidisziplinäre Fachexpertise, ausgebildete Wundexpertinnen und Wundexperten nach ICW-Standard, ein geprüftes Qualitätsmanagement sowie eine Rund-um-die-Uhr-Versorgung an allen Wochentagen.
Ergänzend stehen Fachdisziplinen wie Anästhesie und Radiologie mit CT- und MRT-Diagnostik bereit. Die Auslöser für chronische Wunden sind vielfältig und reichen von Durchblutungsstörungen und Diabetes bis hin zu Krampfadern und Herzinsuffizienz.
Herausforderungen bei muskuloskelettalen Erkrankungen
Wie bedeutsam eine koordinierte Versorgung ist, verdeutlichen auch Erhebungen aus der Schweiz. Nach Angaben der Rheumaliga Schweiz, die 1958 als nicht gewinnorientierter Verein gegründet wurde und im Jahr 2028 ihr 70-jähriges Bestehen feiert, leiden dort rund 2,8 Millionen Menschen an rheumatischen Beschwerden, die sich auf rund 200 verschiedene Diagnosen verteilen.
Rund 80.000 Menschen in Österreich leben mit ME/CFS — doch die Anerkennung durch die Sozialversicherungsträger steht weiterhin aus. Solange Betroffene auf sich allein gestellt sind, hilft nur gute Vorbereitung: Unser Leitfaden fasst zusammen, welche Therapieansätze derzeit verfügbar sind und wie Sie Ihre Unterlagen für die Kostenerstattung ordnen. Checkliste Therapieansätze jetzt sichern
Die Organisation verweist auf drei zentrale Defizite im Gesundheitssystem: eine fehlende gesundheitspolitische Priorisierung von Muskel- und Skeletterkrankungen, eine fragmentierte Zusammenarbeit zwischen hausärztlichen Praxen und Fachärzten sowie ein Mangel an Information und Unterstützung für das aktive Selbstmanagement.
Exemplarisch zeigt sich dies bei der Osteoporose, bei der eine zugrunde liegende Erkrankung nach einem anlasslosen Knochenbruch häufig nicht ausreichend abgeklärt wird.
