Medikamentenmangel, Packungen

Medikamentenmangel: 74.000 Packungen fehlen, Psychopharmaka kritisch

Veröffentlicht am: 20.07.2026 um 09:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

74.000 Arzneimittel fehlen in Ă–sterreich, ein Drittel der kritischen Wirkstoffe sind Psychopharmaka. Die Bevorratungspflicht zeigt LĂĽcken.

Medikamentenmangel in Ă–sterreich: Psychopharmaka besonders betroffen
Ein teilweise leerer Blister mit Tabletten auf einer sterilen Oberfläche, der Knappheit und Lieferengpässe symbolisiert. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Rund 74.000 Medikamentenpackungen sind in Österreich derzeit nicht verfügbar. Besonders dramatisch: 33 Prozent der als lieferkritisch eingestuften Wirkstoffe sind Psychopharmaka. Dabei ist jährlich etwa jeder zehnte Österreicher auf solche Medikamente angewiesen.

Bevorratungspflicht mit Schönheitsfehlern

Seit April 2025 gilt in Österreich eine Bevorratungspflicht für die 400 umsatzstärksten Medikamente – vier Monate Vorrat sind Pflicht. Doch Apotheker kritisieren die Liste scharf: Nur ein einziges Psychopharmakon ist darin enthalten. „Das spiegelt nicht den tatsächlichen Bedarf der Patienten wider", heißt es aus Fachkreisen. Hinzu kommen Informationsdefizite, die eine kontinuierliche Versorgung zusätzlich erschweren.

Deutschland setzt auf neue Regeln – mit mäßigem Erfolg

Das Arzneimittelversorgungsstärkungsgesetz (AMVSG) soll ab April 2026 für mehr Transparenz sorgen. Pharmaunternehmen müssen Lieferengpässe dann unverzüglich an Krankenhäuser melden. Behörden dürfen konkrete Absatzmengen einfordern, Krankenhäuser importierte Arzneimittel bevorraten.

Doch frühere Gesetze zeigen wenig Wirkung. Der GKV-Spitzenverband stellte im Januar 2026 fest: Das ALBVVG von 2023 hat die Verfügbarkeit nicht verbessert – trotz 100 Millionen Euro Mehrkosten pro Jahr. Krankenkassen fordern nun mehr Importe aus der EU und ein effektives Frühwarnsystem.

Niedrigpreise als Hauptproblem

Die chemische Industrie sieht die Ursache in der langjährigen Niedrigpreispolitik. Besonders Medikamente unter zehn Euro sind betroffen. „Europäische Hersteller können mit den Produktionskosten in Fernost nicht konkurrieren", so Branchenvertreter. Sie fordern Preisbänder, eine Indexierung der Preise und finanzielle Anreize für Produktion in der EU.

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Die Österreicher wünschen sich europäische Lösungen: 42 Prozent sprechen sich für EU-weit einheitliche Zulassungsregeln aus. Der Hintergrund: 16 Prozent der neu zugelassenen Medikamente sind in Österreich gar nicht erhältlich.

Pragmatische Lösungen und neue Probleme

Japan zeigt, wie es gehen kann: Für das ADHS-Medikament Concerta dürfen Apotheken seit Juli 2026 Bestände untereinander übertragen – Voraussetzung ist eine Registrierung in einem speziellen System.

Die Finanzlage im Gesundheitswesen verschärft die Krise zusätzlich. Ein Sparpaket für die gesetzlichen Krankenversicherungen in Deutschland sieht massive Entlastungen für 2027 und 2028 vor. Gleichzeitig drohen Psychotherapeuten ab 2027 Honorarkürzungen – über ein Drittel der Praxen erwägt laut Umfragen die Schließung.

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Schwindel oder Verwirrtheit werden oft als Alterserscheinung abgetan, dabei sind häufig ungeeignete Medikamente die Ursache. Dieser unabhängige Leitfaden klärt über die Risiken von über 180 gängigen Präparaten auf und bietet eine wertvolle Entscheidungshilfe für Senioren. Sichere Alternativen für Seniorenmedikamente entdecken

Dass nicht nur Logistik, sondern auch Bürokratie blockieren kann, zeigt ein Fall aus Düsseldorf: Über 600 Kilogramm medizinisches Cannabis mussten vernichtet werden. Die Ware lagerte nach einer Insolvenz des Importeurs 30 Monate – und überschritt das Verfallsdatum. In Österreich fordern Patienten unterdessen gerichtlich das Recht auf Eigenanbau von Medizinalcannabis, falls zugelassene Ersatzpräparate nicht wirken.

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