Medikationsfehler: 250.000 Krankenhauseinweisungen pro Jahr vermeidbar
30.05.2026 - 04:40:38 | boerse-global.de
Ein neuer Aktionsplan fĂŒr Medikationssicherheit (AMTS) setzt auf elektronische Patientenakten, E-Rezepte und ein Pilotprojekt, das gedruckte Beipackzettel ĂŒberflĂŒssig machen soll.
Koordinierungsgruppe nimmt Arbeit auf
Am 29. Mai 2026 tagte erstmals eine spezielle Koordinierungsgruppe, die den Rollout der neuen MaĂnahmen ĂŒberwacht. Den Vorsitz teilen sich Prof. Dr. Petra ThĂŒrmann von der UniversitĂ€t Witten/Herdecke und Dr. Nina Griese-Mammen von der ABDA, dem Bundesverband der Apotheker. Im Gremium sitzen Vertreter des Bundesgesundheitsministeriums (BMG), der Ărzte- und Pflegschaft, KrankenhĂ€user und Patientenorganisationen.
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Das Ziel ist ambitioniert: Die Zahl der Medikationsfehler soll massiv sinken. Aktuelle Forschungsergebnisse, die der Bundesregierung vorliegen, zeigen: Rund 250.000 Krankenhauseinweisungen pro Jahr gehen auf Medikationsfehler zurĂŒck. Besonders schutzbedĂŒrftige Gruppen wie Kinder, Schwangere und Ă€ltere Menschen stehen im Fokus des Aktionsplans, der die Jahre 2026 bis 2029 abdeckt.
Digitalisierung als Sicherheitsnetz
Das HerzstĂŒck der neuen Sicherheitsstrategie ist die systematische Nutzung von Gesundheitsdaten. Elektronische Patientenakte (ePA) und E-Rezept spielen dabei die Hauptrolle. Durch die Zentralisierung aller Medikationsdaten sollen Wechselwirkungen und Nebenwirkungen kĂŒnftig schneller erkannt werden.
Ein Pilotprojekt namens âdiGItalâ soll ab dem dritten Quartal 2026 gedruckte Beipackzettel in KrankenhĂ€usern durch digitale Patienteninformationen ersetzen. Die EuropĂ€ische Kommission und das BMG unterstĂŒtzen das Vorhaben. Die beteiligten PharmaverbĂ€nde BPI und vfa weisen darauf hin, dass digitale Medikationsinformationen bereits seit Dezember 2025 in rund 35 Millionen elektronischen Patientenakten abrufbar sind.
Telematik-Infrastruktur vor grundlegendem Umbau
Weitreichende strukturelle Ănderungen plant die Gematik. In einem Strategiepapier vom 8. Mai 2026 skizziert die Gesundheits-IT-Gesellschaft den âTI 2030â-Transformationsplan. Kernpunkt: Die Zentralisierung der Telematikinfrastruktur soll die BetriebsstabilitĂ€t verbessern. Bis Ende 2030 sollen physische Steckverbinder und Kartenterminals ausgemustert werden. Ăber die entscheidende Frage stimmen die Gesellschafter am 19. Juni 2026 ab.
Apotheken zwischen neuen Aufgaben und finanziellen Sorgen
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Die Sicherheitsinitiative fĂ€llt mit tiefgreifenden gesetzlichen Ănderungen im Apothekenwesen zusammen. Am 28. Mai 2026 verabschiedete der Bundestag das Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) . Es fĂŒhrt neue pharmazeutische Dienstleistungen ein und erlaubt unter bestimmten Bedingungen die Abgabe bestimmter Medikamente fĂŒr Langzeittherapien ohne neues Rezept.
Doch die finanzielle Lage bleibt angespannt. Der Gesundheitsausschuss des Bundesrates empfahl am 28. Mai 2026, die geplante Erhöhung des Kassenabschlags von 1,77 Euro auf 2,07 Euro abzulehnen. Die Ausschussmitglieder Ă€uĂerten Bedenken hinsichtlich der wirtschaftlichen StabilitĂ€t der Apotheken. Eine Erhöhung solle nur erfolgen, wenn gleichzeitig das fixe Apothekenhonorar auf 9,50 Euro angehoben werde.
Der AMTS-Aktionsplan 2026â2029 will diese berufspolitischen und technischen SphĂ€ren durch enge interprofessionelle Zusammenarbeit verbinden. Die Kombination aus gesetzlichen Neuerungen und intelligenter Datennutzung soll ein transparenteres und sichereres Umfeld fĂŒr die Arzneimitteltherapie im deutschen Gesundheitswesen schaffen.
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